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Energiewende

Pläne für Stromautobahnen werden konkreter: Zwei Trassen treffen Franken

Südlink im Westen, Südostlink im Osten: Durch Unter- und Oberfranken werden zwei neue Stromleitungen gebaut.
So wird die Baustelle für die neuen Strom-Erdkabel aussehen.  Foto: dpa
 
von GÜNTER FLEGEL
Auf der einen Seite Freude, auf der anderen Empörung: Die Trasse für die Südlink-Leitung von Hamburg über Grafenrheinfeld nach Stuttgart soll nach dem Vorschlag des Netzbetreibers durch Thüringen geführt werden, wo prompt heftiger Protest laut wird. Dabei wird die Rhön östlich umgangen, in Unterfranken folgt das Erdkabel im wesentlichen dem Verlauf der Autobahn A71. Nördlich von Schweinfurt, im Raum Oerlenbach, verzweigt sich der Südlink nach dem Tennet-Vorschlag in zwei Leitungen: Die eine führt zum Umspannwerk nach Grafenrheinfeld, die andere an Würzburg vorbei und unter den Main hindurch in Richtung Baden-Württemberg.

Die östlichste Variante, nahe der tschechischen Grenze, hat Tennet für den Südostlink gewählt, der bei Magdeburg beginnt und bei Landshut endet. Für die ursprünglich geplante Freileitung gab es auch Varianten, die die Fränkische Schweiz berührt hätten. Das Südost-Erdkabel macht hingegen einen Bogen östlich um das Fichtelgebirge herum, nachdem es bei Nürnberg die Landesgrenze zwischen Thüringen und Bayern unterquert hat.


Bundesnetzagentur prüft

Die Netzbetreiber Tennet, TransnetBW und 50Hertz präsentierten am Dienstag in Berlin Routen-Vorschläge für mögliche Erdkabel-Korridore, mit denen Windstrom von den Küsten in die Industriezentren des Südens transportiert werden soll.

Die Anträge für die zwei Stromautobahnen "Suedlink" und "Suedostlink" wollen die Unternehmen noch in diesem Monat bei der Bundesnetzagentur einreichen. Die Behörde wird die Pläne dann prüfen. "Dabei führen wir eine umfassende Information und Beteiligung der Öffentlichkeit durch", teilte die Netzagentur am Dienstag mit.
Seit Herbst gingen von Bürgern, Kommunen und Verbänden zu beiden Milliarden-Projekten bereits mehr als 9000 Hinweise ein, die beim geplanten Verlauf der Trassen berücksichtigt worden sind. Wo exakt die Stromautobahnen gebaut werden, wird erst 2020/21 feststehen. Strom soll ab 2025 fließen - wenn alles glatt geht.


800 Kilometer unter der Erde

Der "Suedlink" wird von Tennet und TransnetBW gebaut. Die Stromleitungen verlaufen von Brunsbüttel in Schleswig-Holstein nach Großgartach in Baden-Württemberg sowie von Wilster in Schleswig-Holstein nach Grafenrheinfeld in Bayern. Die 800 Kilometer lange Trasse soll die "Hauptschlagader" der Energiewende werden.
Der "Suedostlink" der Netzbetreiber Tennet und 50Hertz soll zwischen Wolmirstedt in Sachsen-Anhalt und Isar bei Landshut in Bayern verlaufen. Auch diese Leitung ist nötig, um den im Norden und Osten erzeugten Ökostrom in den Süden zu transportieren. Zudem soll "Suedostlink" verhindern, dass wegen der bisher fehlenden direkten Leitungsverbindung Strom aus erneuerbaren Energien durch Polen und Tschechien fließen muss. Im Jahr 2022 geht in Deutschland das letzte Atomkraftwerk vom Netz.

Tennet-Manager Lex Hartmann sagte, beim "Suedlink" habe es die bislang größte Bürgerbeteiligung beim Netzausbau gegeben: "Uns ist es wichtig, einen Korridor zu finden, der Mensch und Natur möglichst wenig belastet." Der Chef von 50Hertz, Boris Schucht, betonte, die Korridore seien noch nicht "in Stein gemeißelt". Im bayerischen Teil der Stromautobahn "Suedostlink" sei nach Bürgerwünschen ein Fünftel des ursprünglichen Korridors angepasst worden. Für beide Trassen gibt es auch Alternativvorschläge.


Das bayerische Machtwort

Eigentlich sollten die Trassen als Freileitungen mit Masten gebaut werden. Dann gab es massenhafte Bürgerproteste, die Bundesregierung lenkte ein, die Leitungen werden nun größtenteils unterirdisch verlegt. Das hat seinen Preis. Der politisch gewollte Vorrang für Erdkabel wird die Kosten beim "Suedlink" nach Schätzungen der Betreiber von drei Milliarden auf bis zu zehn Milliarden Euro in die Höhe treiben. Das müssen private Kunden und die Industrie über höhere Netzentgelte bezahlen.

Mit dem Vorrang für die Erdverkabelung kam die Bundesregierung dem bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) entgegen. Der hatte gegen die großen Freiluft-Leitungen gekämpft, weil der Widerstand in Bayern gegen vermeintliche "Monstertrassen" groß sei. Kritik wegen der Milliarden-Zusatzkosten wies Seehofer stets zurück. Diese verteilten sich auf 30 Jahre. 50Hertz-Chef Schucht sagte am Dienstag, durch die Umstellung auf Erdkabel habe der Widerstand der Anwohner abgenommen. Man sei im "konstruktiven Dialog".

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