Schweinfurt
Demonstration

Schweinfurt: Lautstark im Ausstand

220 Einzelhandelsbeschäftigte aus Unter- und Mittelfranken streiken in Schweinfurt für mehr Geld und einen allgemein verbindlichen Tarifvertrag.
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Einzelhandelsbeschäftigte aus Unter- und Mittelfranken im Streik: Am Donnerstag zogen sie durch die Schweinfurter Innenstadt. Foto: Vladimir Budin
Einzelhandelsbeschäftigte aus Unter- und Mittelfranken im Streik: Am Donnerstag zogen sie durch die Schweinfurter Innenstadt. Foto: Vladimir Budin
Über 200 Beschäftigte aus Einzelhandelsbetrieben in Unter- und Mittelfranken sind gestern in Schweinfurt zum gemeinsamen Streik für mehr Geld und einen allgemein verbindlichen Tarifvertrag zusammengekommen.
Lautstark demonstrierten sie für ihre Forderungen mit einem Zug durch die Schweinfurter Innenstadt. Bei der Schlusskundgebung vor der H&M-Filiale am Roßmarkt unterstrichen ver.di-Streikleiter Peter König, der unterfränkische DGB-Chef Frank Firsching und Betriebsräte aus den am Ausstand beteiligten Unternehmen die Forderungen nach einem Euro mehr Stundenlohn für alle Beschäftigten und 100 Euro mehr Ausbildungsvergütung im Monat für die Auszubildenden.


Bisheriges Angebot zu mickrig

Das bisherige Arbeitgeberangebot lehnen die Streikenden als unzureichend ab. Laut König würde es eine Reallohnsenkung bedeuten. Die Arbeitgeber hätten nach zwei Nullmonaten 1,5 Prozent mehr Entgelt angeboten und ein weiteres Prozent mehr ab 2018. Die Laufzeit des neuen Tarifvertrages solle 24 Monate betragen. Die Forderung nach einer Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge im Einzelhandel hätten die Arbeitgeber kategorisch abgelehnt. Diese ist aber der Gewerkschaft extrem wichtig, weil sie ein Bremsklotz gegen Lohndumping durch nicht tarifgebundene Betriebe wäre.
An dem Streik nahmen Beschäftigte aus folgenden Betrieben teil: H&M in Würzburg und Schweinfurt, Kaufland Schweinfurt und Bad Kissingen, H&M-Lager in Großostheim, Marktkauf Schweinfurt, Esprit Nürnberg, Marktkauf Nürnberg und Zara Nürnberg. Vor dem Wöhrl in der Spitalstraße stoppte der Zug für eine Zwischen-Kundgebung. Wöhrl wurde ausgepfiffen, weil sich der Betrieb seit Jahrzehnten einer Tarifbindung verweigere, so die mittelfränkische ver.di-Streikleiterin Gabriele Ziegler. Seit langem kämpfe man mit Wöhrl um einen Tarifvertrag, doch das Unternehmen tue alles, um den Versuch im Keim zu ersticken. Es folgte ein ohrenbetäubendes Pfiffe- und Trötenkonzert.
ver.di-Sekretär Peter König stellte eine zunehmende Streikbereitschaft fest. Die Beschäftigten im bayerischen Einzelhandel seien nämlich "enttäuscht und erbost über das Verhalten der Arbeitgeber in der diesjährigen Tarifrunde". Statt einer fairen Beteiligung an der guten wirtschaftlichen Entwicklung böten sie nur eine mickrige Erhöhung an, die für die Mitarbeiter eine Reallohnsenkung bedeute. Wenn sich die Arbeitgeber nicht bewegten, werde es keine Einigung geben - und damit keine Ruhe in den Betrieben.
"Es gibt keinen Fachbereich bei ver.di, der eine so geile Stimmung verbreitet wie ihr", lobte DGB-Chef Firsching die Streikenden. Weil es nun mal keine gerechten Löhne gebe, müssten angemessene Entgelte gemeinsam durchgesetzt werden.
Dabei zeige sich, dass Tarifbeschäftigte deutlich mehr verdienten als jene in nichttarifgebunden Betrieben. Firsching rief die Politik auf, die Allgemeinverbindlichkeit eines Tarifvertrages per Gesetz zu beschließen. Sandra Mader, Betriebsratsvorsitzende bei H&M Würzburg: "Heute ist unser elfter Streiktag, und wie hören nicht eher auf, bis wir endlich ein gescheites Ergebnis haben."
Eine bizarre Reaktion auf den legitimen Streik hat laut König der Leiter der Schweinfurter Marktkauf-Filiale gezeigt. Die Streikenden hätten Hausverbot bekommen und nicht auf dem Parkplatz parken dürfen.
Am Freitag findet die dritte Verhandlungsrunde in der Tarifauseinandersetzung des bayerischen Einzelhandels in München statt. Sollte diese ergebnislos sein, kündigte König schon weitere Streiks an.
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