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Unglück

Kreis Schweinfurt: Verunglücktes Traktorgespann - Nachspiel für Unfallfahrer?

Derartige Fahrten haben es in sich, wenn etwas passiert. Das führt dieses Beispiel auf drastische Weise vor Augen. Gibt es Konsequenzen für den Fahrer?
Derartige Fahrten haben es in sich, wenn etwas passiert. Das führt dieses Beispiel auf drastische Weise vor Augen. Gibt es Konsequenzen für den Fahrer? Foto: NEWS5 / Merzbach
 
Nach dem Gesetz sind derartige Fahrten grundsätzlich erst einmal verboten. Für Ausnahmen bedarf es der Erfüllung und Einhaltung weitreichender Vorgaben. Wenn zutrifft, was von den zuständigen Behörden zu hören ist, dann könnte für den Fahrer, der das am Samstag, 10. Juni, im Wald bei Falkenstein schwer verunglückte Traktorgespann mit der Ausflugsgesellschaft auf dem offenen Anhänger steuerte, der Unfall ein Nachspiel haben. "Er wird sich möglicherweise auf einiges einstellen müssen", meint ein Insider.
Es ist aber nicht der erste Unfall dieser Art im Landkreis, in Bayern oder Deutschland, der zum Beispiel Vereinsverantwortliche aufhorchen und nachdenken lässt. Gerade erst hat bekanntlich wieder manche Meistermannschaft in der Gegend den Erfolg mit einer Fahrt auf offenem Anhänger gefeiert.

Nach Auskunft des Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr unterliegt die gewerbliche Beförderung von Personen mit Kraftfahrzeugen weitreichenden gesetzlichen Vorgaben. Die Unternehmer benötigen eine Genehmigung und müssen ihre Zuverlässigkeit durch Führungszeugnis sowie Auszüge aus Fahreignungs- und auch Gewerberegister nachweisen. Durch eine besondere Fachkundeprüfung haben sie zu belegen, dass sie die nötigen Kenntnisse zur Ausübung des Gewerbes haben.

Die Beförderung von Personen auf Anhängern bedarf generell einer Ausnahmegenehmigung. Dazu muss für die Fahrzeuge durch das Gutachten eines amtlich anerkannten Sachverständigen nachgewiesen werden, dass Zugmaschine und Anhänger für diese Beförderungsart verwendet werden können.

Auch an die Fahrer sogenannter Touristikbahnen werden besondere Anforderungen gestellt. Das entsprechende bundeseinheitliche Merkblatt empfiehlt als Auflage einen Busführerschein zu verlangen.


Problematik ist in München bekannt

Wie das Bayerische Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr auf Nachfrage dieser Redaktion weiter mitteilt, ist es mit der Problematik der Beförderung von Personen auf Anhängern hinter Zugmaschinen insbesondere bei Felder- und Weinbergsfahrten, sogenannten Planwagenfahrten, befasst.

Benutzt werden dazu nicht Touristikbahnen, sondern ehemalige land- und forstwirtschaftliche Zugmaschinen und deren Anhänger. So war es eben bei dem in Falkenstein verunglückten Traktorgespann auch der Fall.

Als der von der sogenannten "Platte" am Falkenberg kommende Anhänger fast schon am Auslauf der abschüssigen und wohl für das Gespann doch zu steilen Strecke umkippte, waren sowohl der Fahrer als auch die zwölf Passagiere im Alter zwischen 60 und 80 Jahren zum Teil schwer verletzt worden.

Zur medizinischen Erstversorgung der Unfallopfer war ein Großaufgebot an Rettungsfahrzeugen und Rettungskräften nach Falkenstein beordert worden, darunter zwei Rettungshubschrauber und fünf Notärzte.

Die Gesellschaft mit Teilnehmern aus dem hiesigen Raum war nach Angaben der Polizei auf dem Weg von Traustadt über den Falkenberg nach Wohnau, von wo aus es dann wieder zurück nach Traustadt gehen sollte. Doch dazu kam es bekanntlich nicht mehr.

Klartext spricht das Landratsamt Schweinfurt. Pressesprecherin Uta Baumann macht deutlich: "Solche Fahrten sind nach dem Gesetz grundsätzlich verboten."

Die gesetzliche Regelung stelle sich demnach konkret wie folgt dar: Nach der Straßenverkehrsordnung ist die Mitnahme von Personen auf Ladeflächen oder in Laderäumen von Anhängern ist verboten, ebenso die gewerbliche Beförderung von Personen auf Ladeflächen von Anhängern nach dem Personenbeförderungsgesetz.
Auch darf nach der Straßenverkehrs-Zulassungsordnung (StVZO) hinter Kraftfahrzeugen nur ein Anhänger, jedoch nicht zur Personenbeförderung, mitgeführt werden. Für die Personenbeförderung auf Anhängern ist grundsätzlich eine Ausnahmegenehmigung nach der StVZO notwendig.

Wie das Landratsamt betont, sei ihm nicht bekannt, dass die Regierung von Unterfranken oder die mittlerweile bayernweit zuständige Regierung der Oberpfalz als höhere Straßenverkehrsbehörde entsprechende Ausnahmegenehmigungen für die Fahrt bei Falkenstein erteilt hätten. Somit würde ein Verstoß gegen dieses Verbot vorliegen.

Bestätigt werden diese Angaben von den genannten Stellen in Würzburg und Regensburg. Nach Aussage der Regierung von Unterfranken als der zuständigen Genehmigungsbehörde nach dem für gewerbliche Beförderung vorrangigen Personenbeförderungsgesetz war für diese Fahrt bzw. diese Ausflugsfahrten von der Regierung von Unterfranken weder eine diesbezügliche Ausnahmegenehmigung beantragt noch erteilt worden. Das gleiche gelte für die gewerbliche Beförderung von Personen auf Ladeflächen von Anhängern, so Sprecherin Jeannette Mathy von der Bezirksregierung in Würzburg.

Auch von der Regierung der Oberpfalz in Regensburg seien diesbezüglich keine Genehmigungen erteilt worden, betont Sprecherin Kathrin Kammermeier.

Auf die Nachfrage dieser Redaktion hin zu Überlegungen im Bayerischen Innenministerium, die restriktiven Vorschriften für derartige Fahrten zu lockern, erklärt die stellvertretende Pressesprecherin Kathrin Fändrich:
"Aktuell überprüfen wir, ob alle im Merkblatt für Touristikbahnen vorgesehenen Vorgaben sinnvollerweise im Hinblick auf die heutigen technischen Voraussetzungen moderner Zugmaschinen und Anhänger auch weiterhin auf diese sogenannte ,Planwagenfahrten" angewandt werden müssen".


A und O ist die Verkehrssicherheit

Eventuell zu diskutierende Änderungen stünden jedoch alle unter dem Vorbehalt, dass die Verkehrssicherheit der Fahrgäste nicht beeinträchtigt werden dürfe. Aktuell seien die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten, heißt es weiter aus dem Innenministerium.

Es wird interessant sein, zu beobachten, ob und wie sich der schlimme Unfall bei Falkenstein auf die künftige Haltung im Innenministerium auswirkt.

Davon unabhängig, ist es in jedem Fall ratsam, sich vor einer entsprechenden Fahrt sicherheitshalber mit der zuständigen Straßenverkehrsbehörde in Verbindung zu setzen. Das ist im Landkreis Schweinfurt das Landratsamt.

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