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Projekt

Im Sitzen durch die Loipe

Drei Studententeams der FHWS haben alltags- taugliche Wintersport- geräte für Menschen mit Behinderung entwickelt.
Ihr Vorschlag wurde als bester von drei ausgezeichnet: Michael Gakstatter, Christoph Hartmann und Sebastian Zehe (von links) mit ihrem "Blizzard" (auf der Leinwand). Davor das Hightech-Gerät "Snowstorm". Foto: Anand Anders
 
Das Ding hat den Wert eines Kleinwagens, die Entwicklungskosten betragen ein Vielfaches davon: Der Schlitten "Snowstorm" ist ein Hightech-Gerät, entwickelt vom Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik in Pfinztal und dem Karlsruher Institut für Technologie. Die Kunststoffteile hat ein 3D-Drucker hergestellt. Im vergangenen Jahr ist Martin Fleig damit bei den Paralympics in Sotschi angetreten und viermal unter den ersten Zehn gelandet. Martin Fleig, Jahrgang 1989, ist einer der bekanntesten Behindertensportler in Deutschland. Seit 2009 ist er praktisch ununterbrochen Deutscher Meister. Fleig ist von Geburt an querschnittgelähmt und auf den Rollstuhl angewiesen. Seine Disziplinen sind Langlauf und Biathlon - und zwar im Sitzen, zuletzt eben im Snowstorm. Der Schlitten wird auf zwei Langlaufski montiert, der Athlet nimmt im Fersensitz in einer Art Futteral Platz.
Der Antrieb kommt ausschließlich aus den Armen, und wer Martin Fleig in Aktion sieht, der begreift, wie effektiv die Konstruktion ist. Allerdings ist sie das nur für einen so geübten und trainierten Sportler wie Martin Fleig. Für den Breitensport taugt der Snowstorm kaum: Er ist zu teuer, nicht individuell einstellbar und hat keinerlei Federung.
Es gibt in Deutschland 1,6 Millionen Rollstuhlfahrer - nicht alle sind potenzielle nordische Skisportler, aber für die, die es werden wollen, gibt es derzeit nur ein gängiges Modell eines Sitzschlittens zu kaufen.
Als nun Matthias Diemer, Professor für Fahrzeugtechnik an der Hochschule für angewandte Wissenschaften FHWS in Schweinfurt, auf der Suche nach einem Thema für das nächste Entwicklungsprojekt der Fachrichtungen Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen war, fiel ihm ein, dass er vor 20 Jahren im Urlaub im italienischen Wintersportort Livigno Langläufer im Sitzen herumflitzen hatte sehen. Diemer nahm Kontakt auf zu Matthias Scherge, Professor am Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik.
Scherge hat die Entwicklung des Snowstorm geleitet und arbeitet eng mit der Nordischen Nationalmannschaft für die Paralympics zusammen. Neben dem Schlitten selbst interessieren ihn Ski und Schnee: Scherge ist Leiter des Geschäftsfelds Tribologie, also der Lehre von der Reibung. Er befasst sich mit der genauen Beschaffenheit von Schneekristallen und damit, was sich daraus für Schliff und Wachsen der Ski ergibt.
Das Resultat der Kontaktaufnahme: Drei Teams der FHWS sollten einen breitensporttauglichen Langlaufschlitten für Körperbehinderte entwickeln - erschwinglich, leicht zu handhaben, gefedert und individuell einstellbar.
Die Studenten befassten sich mit den ergonomischen Voraussetzungen der Nutzer, berechneten Gewicht und Kräfteverteilung, Material- und Herstellungskosten und nicht zuletzt Größe der Zielgruppe.

Verkaufspotenzial: 1400 Schlitten

So kam eines der Teams zu dem Ergebnis, dass sich etwa 1400 Schlitten pro Jahr verkaufen lassen müssten. Zwei der Lösungsvorschläge lassen den Sportler mit den Beinen nach vorne sitzen, der dritte orientiert sich am Fersensitz des Snowstorm. Diesen dritten (siegreichen) Vorschlag namens "Blizzard" stellten die Teammitglieder Michael Gakstatter, Christoph Hartmann und Sebastian Zehe jüngst in der FHWS vor - als CAD-Grafik, also vom Computer auf der Basis der Berechnungen gezeichnetes dreidimensionales Modell. Auch beim Blizzard umgibt ein Futteral die Beine des Sportlers, allerdings ruht die Konstruktion nicht auf steifen Stützen, sondern auf einem flachen, liegenden U, in dessen Öffnung zwei Federn montiert sind. Außerdem ist der Neigungswinkel der Sitzfläche verstellbar - je nach Komfortbedürfnis und sportlicher Neigung.
Etwa 655 Euro würde die Herstellung des Blizzard kosten, das Team schlägt einen Ladenpreis von 1200 Euro vor. Eine Serienfertigung ist allerdings nicht in Sicht. Matthias Scherge kann sich aber vorstellen, fünf, sechs Schlitten zu Testzwecken für Sportler bauen zu lassen und einen nur als Messgerät: Die Federn bieten einen idealen Ansatz, um zu studieren, wie die Kräfte des Sportlers auf das Sportgerät wirken.
Am Anfang aber steht - wie so oft - die Suche nach Sponsoren. Scherge: "Es wird immer viel über Inklusion geredet, aber dann passiert doch nicht sehr viel."


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