Region // Schweinfurt
Der Windkraft wachsen Flügel
Im Windpark bei Waldsachsen gehen jetzt die ersten Rotoren ans Netz. Mit dem Windstrom aus 370 Metern Höhe beschreitet die Überlandzentrale in Lülsfeld Neuland. Die Rotoren sind die ersten eigenen Kraftwerke nach der Dampfturbine, mit der die ÜZ vor 100 Jahren startete.
So könnte sie aussehen, die Energiewende. Ziemlich groß, gigantisch sogar, aber auf
jedem Fall faszinierend. Aber ganz sicher wird sie ganz anders aussehen.
Die Region steht erst am Anfang eines Wandels, der mit einer Riesenwelle in Japan begonnen hat.
Alexandra Weber muss sich vorkommen wie Gulliver im Land der Riesen: Um 140 Meter
überragen die Untergebenen ihre zierliche Chefin im Windpark bei Waldsachsen.
Alexandra Weber ist die Geschäftsführerin der Windpark-GmbH im Grenzgebiet der Landkreise
Schweinfurt und Haßberge und macht heute beim Blick auf den Stromzähler in Lülsfeld
Freudensprünge: Der erste Windstrom fließt.
In Waldsachsen (Gemeinde
Schonungen) nimmt die Überlandzentrale (ÜZ) in Lülsfeld, deren 53 000 Kunden zu
einem guten Teil im nördlichen Steigerwald sitzen, Stück für Stück den
vorübergehend größten Windpark in der Region in Betrieb: Fünf
2,3-Megawatt-Windräder hat die ÜZ hier errichten lassen, in direkter Nachbarschaft zu
den drei Windrädern eines privaten Investors. Zwei von ihnen drehen sich schon seit
2003, lange vor Fukushima, und markieren mit ihrer Leistung von lediglich einem Megawatt den Beginn
einer Entwicklung, deren weiterer Verlauf, geschweige denn Ende, längst nicht abzusehen
ist.
Die fünf Windräder mit 108 Metern Nabenhöhe und 82 Metern
Rotordurchmesser (Enercon E 82) baut der Dienstleister Juwi für die ÜZ, die laut Weber
18 Millionen Euro für die Strom-Zukunft investiert; davon alleine knapp zwei Millionen Euro
für das XL-"Verlängerungskabel", das den Windpark bei Waldsachsen mit dem neuen
Umspannwerk der ÜZ in Heidenfeld verbindet.
Die 18 Kilometer Kupferdraht liegen
unsichtbar unter der Erde und sind doch entscheidender für die Energiewende als die riesigen
"Spargel", die man im weiten Umkreis sieht. "Die Stromverteilung, die Netzstabilität und die
Speichermedien sind die Schlüssel für die Energiewende", sagt Weber und prophezeit in
diesen Bereichen eine ähnliche rasante Entwicklung wie bei den Kraftwerken.
"Wenn uns vor zehn Jahren jemand gesagt hätte, dass wir binnen eines Jahrzehnts einen guten
Teil des Strombedarfs aus regenerativen Quellen decken würden, hätte man das für
einen Scherz gehalten."
Kein Scherz: Weber berichtet, dass die ÜZ eigentlich schon
zu viel "grünen" Strom ins Netz speist: "Die installierte Fläche der Solaranlagen
würde ausreichen, um unseren Strombedarf zu decken", sagt die ÜZ-Vertreterin.
Leider - oder zum Glück - scheint die Sonne nicht immer. Dann aber weht der Wind.
Mit
den fünf Windrädern will die ÜZ jedes Jahr 20 Millionen Kilowattstunden Strom
ernten, genug für 5000 Haushalte. Ein kleiner Schritt auf der gigantischen Baustelle Energiewende.











