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Gericht

Mordprozess: "Reichsbürger" von Georgensgmünd will aus Notwehr gehandelt haben

Der Prozess gegen den sogenannten "Reichsbürger" von Geogensgmünd im Kreis Roth ist am Dienstag gestartet. Die Verteidigung sieht keine Mordmotive.
Wolfgang P. trifft zu Prozessbeginn am Landgericht Nürnberg-Fürth ein. Der 49 Jahre alte Mann hat laut Anklage im Oktober 2016 bei einer Durchsuchung seines Wohnhauses im mittelfränkischen Georgensgmünd den Beamten eines Spezialeinsatzkommandos erschossen. Foto: Daniel Karmann/dpa
 
von CHRISTIAN PACK DANIELA DEEG
Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen hat am Dienstagmorgen vor dem Landgericht Nürnberg der Mordprozess gegen Wolfgang P. begonnen, der der Reichsbürger-Bewegung zugeordnet wird. Der 49-Jährige aus dem mittelfränkischen Georgensgmünd (Landkreis Roth) soll bei einem Polizeieinsatz in seinem Haus einen Polizeibeamten vorsätzlich erschossen haben.

Der Angeklagte machte vor Gericht keine Angaben. Allerdings gab Verteidigerin Susanne Koller bereits vor Verhandlungsbeginn eine Erklärung ab. Ihr Mandant habe sich bedroht gefühlt und nicht bewusst auf die Polizeibeamten geschossen. Daher sehe sie das Mordmotiv auch als nicht gegeben an.

Der Einsatz des Sondereinsatzkommandos sei unverhältnismäßig gewesen. "Nicht die Polizisten, sondern die Einsatzleitung trägt zumindest eine Teilschuld", so Koller. Wolfgang P. sei erschüttert über den Tod des jungen Beamten.

Die Anwältin bekräftigte, dass der 49-Jährige die Polizisten für Einbrecher gehalten habe. Er habe weder die Martinshörner gehört, noch das Blaulicht gesehen. Zudem konnte er die Beamten nicht als solche erkennen. "Er hat nicht gezielt auf die Polizisten geschossen, sondern auf eine Tür", so Goller. Die Verteidigerin erklärte zudem, dass sich ihr Mandant nicht zur Reichsbürger-Bewegung zähle.

Die Aussagen der Anwältin bestätigte der Erlanger Forensische Psychiater, der Wolfgang P. mehrfach gesprochen hatte. Ihm gegenüber hatte der Angeklagte von einer Bedrohungslage "wie im 3. Weltkrieg" gesprochen. Er habe die Waffe geholt, um sich zu verteidigen, so Michael Wörthmüller.

Aus dem Hinterhalt Schüsse abgegeben

Staatsanwalt Matthias Held sieht es hingegen als erwiesen an, dass der 49-Jährige bei dem Polizeieinsatz am 19. Oktober 2016 "aus dem Hinterhalt Schüsse mit der Folge möglichst vieler tödlicher Verletzungen" abgeben wollte.

Anschließend habe er sich ergeben, um sich dann auf den "angeblich vorgestellten Einbruch zu berufen", "eine Notwehrlage vorzugaukeln" und deshalb möglichst milde bestraft zu werden. Allerdings hätten die Beamten im Vorfeld des Einsatzes Martinshorn und Blaulicht eingeschaltet.

Bei dem Einsatz sollten die rund 30 Waffen des Hobby-Jägers eingezogen werden, weil dieser als nicht mehr zuverlässig eingestuft worden war.

Wegen dessen Zugehörigkeit zur "Reichsbürgerbewegung" sei das Sondereinsatzkommando Nordbayern hinzugezogen worden. Laut Anklage bestand die Befürchtung, "die Lage könne nach Eindringen in die Wohnung eskalieren" und der Angeklagte könnte von weiteren Personen unterstützt werden. Mit der Schussabgabe durch die ungeöffnete Wohnungstür hätten die Beamten nicht gerechnet. Wolfgang P. hatte sich, mit Schussweste ausgestattet, hinter einem Mauereck verschanzt. Er feuerte elf Schüsse aus einer Pistole ab. Einen Beamten trafen zwei Kugeln, eine verletzte die Lunge. Der 32-Jährige verstarb in der Nacht zum 20. Oktober an einem Hirnschaden aufgrund der Sauerstoffunterversorgung.

Wolfgang P., der seit dem 20. Oktober 2016 in Untersuchungshaft sitzt, muss sich innerhalb kürzester Zeit radikalisiert haben. Einige Monate zuvor hatte er noch Selbstverteidigungskurse an den Schulen im Umkreis seines Wohnorts angeboten.

P. muss sich wegen Mordes, dreifachen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung verantworten. Das Oberlandesgericht Nürnberg hat bis einschließlich 18. Oktober elf weitere Prozesstage terminiert. Dabei ist offen, ob es bei dieser Anzahl bleibt. "Es hängt vom Verlauf der Beweisaufnahme ab, ob noch weitere Termine hinzukommen oder möglicherweise auch welche entfallen", sagt ein Justizsprecher. Am morgigen Mittwoch sollen zunächst SEK-Beamte befragt werden, die am Einsatz beteiligt waren.

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