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Reichsbürger

Mordprozess gegen Reichsbürger von Georgensgmünd beginnt

Ein 49-Jähriger aus dem mittelfränkischen Georgensgmünd soll einen Polizisten vorsätzlich erschossen und zwei weitere verletzt haben.
In diesem Anwesen im mittelfränkischen Georgensgmünd wurden die tödlichen Schüsse abgefeuert.  Foto: Daniel Karmann, dpa
 
von CHRISTIAN PACK
Um sein "Staatsterritorium" herum hat Wolfgang P. eine gelbe Grenzlinie gezogen. Auf dem Briefkastenschild steht: "Regierungsbezirk Wolfgang. Mein Wort ist hier Gesetz". Die Post hat der selbst ernannte "Reichsbürger" aus Georgensgmünd im Landkreis Roth in Mittelfranken allerdings hier schon lange nicht mehr kontrollieren können. Seit Mitte Oktober sitzt der 49-Jährige in Untersuchungshaft.

Ab Dienstag, 29. August muss sich Wolfgang P. vor dem Landgericht Nürnberg verantworten. Der Vorwurf: Der Beschuldigte soll in seinem Haus vorsätzlich auf mehrere Polizisten geschossen haben. Ein 32-jähriger Beamter starb.

Der schreckliche Vorfall ereignet sich am 19. Oktober 2016. Dem Hobby-Jäger sollen dessen rund 30 Waffen abgenommen werden. Von den Behörden war der Mann als nicht mehr zuverlässig eingestuft worden.

Bereits im Frühjahr wird das Landratsamt auf Wolfgang P. aufmerksam. Weil er in den Folgemonaten den Kontrolleuren mehrmals den Zutritt zu seinem Grundstück verwehrt, steht irgendwann das Spezialeinsatzkommando vor der Tür.


Elf Kugeln abgefeuert - Reichsbürger will sich auf Notwehr berufen

Wolfgang P. erwartet die Beamten mit Schutzweste und geladener Waffe, verschanzt sich hinter einem Mauereck. Dann feuert er elf Kugeln ab. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft will er möglichst viele Polizisten treffen und sich dann auf eine Notwehrlage berufen. Begründung: Er habe einen Einbruch vermutet. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft hatten sich die Beamten jedoch deutlich also solche zu erkennen gegeben.

Nach dem Drama gibt es zahlreiche Razzien gegen mutmaßliche Anhänger der Szene, auch in Franken werden Personen überprüft. Unter anderem stehen zwei Polizisten im Fokus, die laut der Ermittler per Handy-Chat mit dem Angeklagten in Kontakt standen.

Einem Hauptkommissar wirft die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth in diesem Zusammenhang "fahrlässige Tötung im Amt durch Unterlassen" vor. Nach Ansicht der Ankläger wusste der Polizist von der Gefährlichkeit und dem Waffenbesitz des "Reichsbürgers" und hätte seine Kollegen warnen müssen. Das Landgericht lässt diesen Anklagepunkt jedoch nicht zu.


Eigener Videokanal

Wolfgang P. muss sich innerhalb weniger Monate radikalisiert haben. Der ehemaliger Betreiber einer Kampfsportschule bezeichnet sich selbst als "Mensch Wolfgang", im Internet betreut er einen Videokanal. In den Filmchen ist unter anderem zu sehen, wie er Vollstreckungsbeamte aggressiv zurechtweist, die sich seinem Haus nähern.

Gut zehn Monate nach dem Drama im beschaulichen Georgensgmünd startet am Dienstag gegen P. also der Prozess. Der Vorwurf: Mord und versuchter Mord sowie gefährliche Körperverletzung. Seit Wochen hat sich das Landgericht Nürnberg auf diesen Prozess vorbereitet. Man habe, so eine Gerichtssprecherin, Regelungen getroffen, "um eine sichere und störungsfreie Hauptverhandlung zu ermöglichen".

Journalisten mussten sich frühzeitig akkreditieren, die Zuhörer werden streng kontrolliert. Das Landgericht will auf alles vorbereitet sein: auf Anhänger der Szene, die P. unterstützen und den Prozess als Plattform nutzen könnten. Und auf einen Angeklagten, der seine Ideologien verbreiten und die Gerichtsbarkeit womöglich nicht anerkennen wird.

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