Politiker sein ist zu stressig

Bei der bundesweiten U18-Wahl geben Kinder und Jugendliche ihre Stimmen ab
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Was muss man ankreuzen, damit Frau Merkel bleibt? Oder doch lieber die Piraten? Hier überlegen (von links) Lorenz Menzel, Moritz Hasenpusch, Kilian Menzel und Klara Hasenpusch.  Foto: Vossenkaul
Was muss man ankreuzen, damit Frau Merkel bleibt? Oder doch lieber die Piraten? Hier überlegen (von links) Lorenz Menzel, Moritz Hasenpusch, Kilian Menzel und Klara Hasenpusch. Foto: Vossenkaul
Neun Tage vor einem offiziellen Wahltermin werden Kinder und Jugendliche nach ihrer Meinung gefragt. Sie dürfen an den U18-Wahlen teilnehmen, die deutschlandweit durchgeführt werden überall dort, wo sich ein Organisator findet, der die Wahl durchführt. Die NES-KA-GE hatte sich der Aktion angeschlossen und am Vereinsheim in Herschfeld einen Infostand eingerichtet, außerdem eine Wahlkabine im Vorraum.

Die Wahl U18 soll Kindern und Jugendlichen, die offiziell noch nicht wählen dürfen, die Gelegenheit geben sich politisch auszudrücken, direkt oder per Briefwahl. Der Zugang zu den Wahlkabinen soll dabei niederschwellig gehalten werden, die Organisation ist politisch neutral. Die Neugierde der Teilnehmer, das Interesse an den Angeboten der zur Wahl stehenden Parteien und ganz allgemein das Interesse am politischen Geschehen sollen geweckt werden, damit aus den Jugendlichen einmal auf breiter Ebene informierte junge Erwachsene werden.
Organisiert und getragen wird die U18-Initiative vom Deutschen Kinderhilfswerk, dem Deutschen Bundesjugendring, den Landesjugendringen, vielen Jugendverbänden und dem Berliner U18-Netzwerk. Gefördert wird U18 zur Bundestagswahl 2017 durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie die Bundeszentrale für Politische Bildung.
In Herschfeld im "Haus der dummen Ideen" hatten sich der Präsident der NES-KA-GE, Michael Pagel und Beiratsmitglied und Mediengestalter Sebastian Kergaßner Zeit für das Projekt genommen. 20 Jugendliche haben an der Briefwahl teilgenommen, am Tag der U18-Wahl kamen noch einmal 20 Teilnehmer dazu, darunter die zehnjährigen Lorenz Menzel, die Zwillinge Moritz und Klara Hasenpusch sowie der achtjährige Kilian Menzel, alle aus Brendlorenzen. Auf der Hinfahrt haben sie im Auto diskutiert und sich die Wahlplakate an der Straße noch einmal bewusst angeschaut. Sie interessiert vor allem, wer der nächste Bundeskanzler wird, wobei sie verstanden haben, dass man ihn oder sie nicht direkt wählen kann. Auch die Länge der Legislaturperiode, vier Jahre, haben sie im Kopf. "Was muss ich jetzt ankreuzen, damit die Merkel bleibt?" erkundigt sich Moritz. Er will die Kanzlerin auf jeden Fall behalten, die findet er richtig gut.
Den Wahlzettel, der eine Kopie des echten Stimmzettels ist, lesen die vier genau durch, wobei sie die Unterschiede zwischen den Parteien nicht genau kennen, abgesehen von einigen, die sich vom Namen her erklären, wie "Grüne", Partei für Mensch, Umwelt, Tierschutz oder Partei für Veränderung, Vegetarier und Veganer. "Da sind auch Piraten, die wähle ich", sagt Kilian beim Studieren der Liste für die Zweitstimme.
Alle vier U18-Wähler wollen am nächsten Sonntag gemeinsam mit den Eltern die Wahlergebnisse im Fernsehen verfolgen und schauen, wie die Partei, die sie gewählt haben, am Ende abgeschnitten hat. Wollen sie vielleicht später mal selbst Politiker werden? "Nein, das ist mir zu stressig", sagt Kilian spontan. "Höchstens Innenminister, der muss nicht so viel herumreisen", ergänzt Lorenz.



Wahlergebnisse ähnlich dem bundesdeutschen Durschnitt

Eine Statistik haben die Organisatoren am Ende des Tages aufgestellt, dabei sind die Ergebnisse in Bad Neustadt nicht weit vom bundesdeutschen Durchschnitt entfernt, abgesehen von FDP und Freien Wählern. Die CDU/CSU ist stärkste Partei, gefolgt von der SPD. Die Grünen stehen bei der Jugend höher im Kurs als bei den Prognosen für die offiziellen Wahlen. In Herschfeld wurden folgende Zweitstimmen registriert (in Klammern die Bundesergebnisse): CDU/CSU 40 Prozent (28,39 Prozent), SPD 25 Prozent (19,85), Grüne 17,5 Prozent (16,61), Freie Wähler 5 Prozent (0,8), Piraten 2,5 Prozent (2,7), Partei für Veränderung, Vegetarier und Veganer 2,5 Prozent (0,51) und Partei Mensch Umwelt Tierschutz 2,5 Prozent (3,85). Die übrigen Parteien haben in Herschfeld keine Stimmen erhalten. Auf Bundesebene erreicht Die Linke 8,11 Prozent, die FDP 5,74 Prozent und die AfD 6,84 Prozent. Alle Ergebnisse unter www.u18.org. vos
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