LKR Rhön-Grabfeld

Die einzige und wilde Lederjacke

Heute geht es mal nicht um Muckis oder Sport, sondern um Gefühle. Um die Momente, in denen man sich - frei nach dem Motto kleine Ursache große Wirkung - ric...
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Heute geht es mal nicht um Muckis oder Sport, sondern um Gefühle. Um die Momente, in denen man sich - frei nach dem Motto kleine Ursache große Wirkung - richtig gut fühlt. Jeder kennt es: Es gibt Klamotten, da weiß man, das passt einfach - nicht nur von der Größe her, sondern auch zur eigenen Persönlichkeit. Meine Lederjacke gehört dazu. Das ist nicht irgendeine Lederjacke, es ist meine Motorradlederjacke und ich liebe sie, wie man halt vermag, ein Kleidungsstück zu lieben. Ich trage sie viel zu selten, sie ist ja nicht für jeden Tag, aber sie gehört zu mir, ist Teil meines Lebens und ein Stück Lebensgefühl.
Rocker, Biker, Motorradfahrer - egal wie sie sich nennen - das Motorrad gehört dazu. Irgend jemand brachte es einmal auf den Punkt "A motorcycle is a thing that makes you happy". Yes! Und weil Mopped fahren Spaß macht und dazu auch die entsprechende Kleidung gehört, verbindet das Gehirn beides miteinander. Ich ziehe die Jacke an und schwupps ist es da, das good feeling. Zudem trägt die Jacke natürlich auch jede Menge Erinnerungen mit sich: Darunter das Bild von Marlon Brando in eine Lederjacke gewandet, ans Motorrad gelehnt im Film "Leader of the Pack" (ich habe jedes Mal die Musik von "Shangri Las" im Ohr) , Easy Rider ("Steppenwolf"), Indiana Jones, Grease oder Terminator - die Abenteurer waren alle Lederjackenträger. Mit dem Überstreifen der Jacke blicke ich auf unzählige Stunden quer durch die Lande, am Lagerfeuer von Freunden, bei Motorradtreffen, in Clubhäusern, Kneipen oder Diskotheken, zurück: Mein maßgeschneiderter Begleiter auf dem Motorrad, war immer dabei. Die Jacke (auch wenn es jetzt eine andere ist) dient stets als Schutz, sie leistete aber auch schon gute Arbeit als Kopf- oder Sitzkissen, Schirm oder Decke.
Momentan sind Lederjacken wieder im Trend, also die modischen, die chic aussehen. Sie sollen etwas vermitteln, denn ein Kleidungsstück in Anlehnung an eine Motorradlederjacke könnte dem Träger einen Hauch von Verwegenheit - jetzt denken wir wieder an Marlon Brando, Peter Fonda oder Dennis Hopper - mit auf die nächste Party geben. Doch dadurch wird die Jacke zu Massenware degradiert, konventionell und als Konsumprodukt abgestempelt. Das hat sie nicht verdient!
Doch auch die aus Kunstleder gefertigten Stücke haben ihre Berechtigung, man sieht ihnen an, dass sie nicht zum Fahren, sondern für Fun tauglich sind. Ich liebe übrigens auch meine silbernen Flip-Flops, den Glitzergürtel, die Blumenjacke, das Totenkopfshirt, die Webpelzleopardenjacke aus dem Second Hand Geschäft oder den Kunsteisbärenfellmantel. Es lohnt sich, sich Gedanken darüber zu machen, in welcher Kleidung man sich wohl fühlt. Mit Kleidung ist es wie mit Menschen, die man liebt: Es muss passen, auch wenn es manchmal schräg ist.

Anja Vorndran: Ich bin langjährige Redakteurin beim Bad Kissinger Anzeiger. Aktiv unterwegs bin ich seit 1964 - da habe ich das Laufen gelernt - auf zwei (mit und ohne PS) Rädern. Zudem ich streife gerne mit einem Mustang oder Stern durch die Rhön und den Rest der Republik. Meine Kolumne "Aktiv mit Anja" beschäftigt sich thematisch mit Körper, Geist und Seele. Aktiv sein beinhaltet viele Variationen und, es macht einfach Spaß!
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