Bischofsheim an der Rhön

Wer bekommt den Nationalpark?

Erster Schritt im Dialogprozess ist gemacht - Entscheidung fällt Ende 2017 - Kritiker demonstrierten auf dem Kreuzberg
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Horst Kimmel aus Oberwildflecken verwies auf die ohnehin schon bestehenden Einschränkungen durch Auflagen des Biosphärenreservates. Weitere Einschränkungen seien nicht hinnehmbar, gab er Bürgermeisterin Birgit Erb, der Umweltministerin Ulrike Scharf und Landrat Thomas Habermann mit auf den Weg.  Foto: Marion Eckert
Horst Kimmel aus Oberwildflecken verwies auf die ohnehin schon bestehenden Einschränkungen durch Auflagen des Biosphärenreservates. Weitere Einschränkungen seien nicht hinnehmbar, gab er Bürgermeisterin Birgit Erb, der Umweltministerin Ulrike Scharf und Landrat Thomas Habermann mit auf den Weg. Foto: Marion Eckert
Kreuzberg. Die Stadt- und Gemeinderäte der Kreuzbergallianz-Kommunen Bischofsheim, Oberelsbach, Sandberg, Schönau, Wildflecken sowie Niederlauer und Hohenroth haben sich mehrheitlich für die Fortführung des Dialogprozesses mit dem Bayerischen Umweltministerium in Sachen Nationalpark Rhön ausgesprochen.

Dieser Willensbekundung ging eine Aufklärung durch die Bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf und ihrer Mitarbeiterin Ursula Schuster voraus, in der die Eckpunkte für einen Nationalpark vorgestellt, die Antworten auf den Fragenkatalog dargelegt und die Diskussionsbeiträge der Bürgermeister und Ratsmitglieder gehört und beantwortet wurden.
Der weitere Dialogprozess beinhalte Bürgerversammlungen in den jeweiligen Gemeinden, die Bildung von allianzübergreifenden Arbeitsgruppen, um die einzelnen Themenschwerpunkte mit den jeweiligen Verbänden und der Bürgerschaft zu erörtern und konstruktiv zu begleiten sowie auch weitere gemeindeübergreifende Stadt-, Markt- und Gemeinderatssitzungen innerhalb der jeweiligen Allianzen.
Nach der Begrüßung durch Bischofsheims Bürgermeister Georg Seiffert, der die gemeinsame Sitzung der Gremien als ersten Schritt im Dialogprozess bezeichnete, erinnerte Bürgermeisterin Birgit Erb in einem kurzen Rückblick an die Entwicklung der Region. Bereits 1967 haben sich eine Vielzahl an Rhöner Gemeinden auf den Weg gemacht einen Naturpark Bayerische Rhön zu gründen. "Viele unserer Vorfahren wussten noch nicht, was aus diesem Konstrukt werden könnte." Im Jahr 1982 sei mit der Ausweisung des Naturschutzgebietes "Lange Rhön" ein ganz besonderer Landschaftsteil unter Schutz gestellt worden.
"Auch hier gab es anfangs kritische Stimmen aus der Bürgerschaft hinsichtlich Betretungsverbot und Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Flächen, der unter Schutz gestellten Kulturlandschaft." Auch als im Jahr 1991 die Rhön länderübergreifend von der Unesco als Biosphärenreservat anerkannt wurde, habe es kritische Stimmen gegeben, was zu Beginn der Erweiterung des Biosphärenreservates 2002/2003 wieder der Fall gewesen sei.
Erb sprach von der Verantwortung für die Region und dem Dialog, der mit der Bürgerschaft, der Wirtschaft, dem Handwerk, den Dienstleistungsunternehmen, Land- und Forstwirtschaft und der Jägerschaft gesucht worden sei und der ein Grundvertrauen, getragen von gegenseitigem Respekt und Anerkennung aufgebaut habe. Erb bat alle Beteiligten, den Dialogprozess zum Nationalpark aktiv, fair und ergebnisoffen zu begleiten, um am Ende eine Entscheidung herbeiführen zu können.
Die Umweltministerin machte den Ratsmitgliedern wie auch den zahlreichen Zuhörern deutlich, dass sie zur Diskussion und zum Austausch bereit sei. "Ich möchte mit Ihnen diskutieren und alle Argumente aufnehmen. Es ist ein Unterschied, ob ich einen Aktenvermerk lese oder es selbst sehe und höre."
Den Demonstranten, die vor dem Klosterbereich die Ministerin mit Plakaten empfangen haben, rief sie zu. "Es ist völlig in Ordnung zu demonstrieren, Sorgen vorzutragen und zu argumentieren."
Deutlich stellte sie heraus, dass das Argument, es sei schon alles entschieden, nicht richtig sei. "Wir sind derzeit in vier Regionen unterwegs", sagte sie. Neben der Rhön seien der Spessart, die Donauauen und der Frankenwald im Gespräch. "Jetzt sammeln wir Argumente, der Entscheidungsprozess kommt später."
Einen Nationalpark bezeichnete sie als "großen Entwicklungssprung" für eine Region, sowohl ökologisch wie auch wirtschaftlich und touristisch.
Ein sehr attraktives Premiumpaket mit üppiger Ausstattung habe sie zu bieten. Rund 100 Mitarbeiter brauche eine Nationalpark-Verwaltung bei einem Jahresbudget von 10 Millionen Euro. Dazu kommen Investitionen für Umweltbildungseinrichtungen.
Bis Juli seien die Regionen aufgerufen, dem Ministerium gegenüber zu signalisieren, ob sie im Dialogprozess bleiben möchten. Der Ministerrat werde am 23. Juli entscheiden, mit wem es dann weiter gehe. In den folgenden Monaten gehe es dann darum, die Details zu erarbeiten, so dass Ende des Jahres die Staatsregierung und der Landtag die Entscheidung fällen werden, welche Region einen Nationalpark bekommen wird.
Dass ein Nationalpark später nicht "von oben" herab verwaltet werde, versicherte die Ministerin. Es werde ein Ausschuss eingerichtet, in dem die betroffenen Bürgermeister als stimmberechtigte Mitglieder vertreten sein werden, zudem sei ein Beirat mit beratender Funktion vorgesehen. Marion Eckert
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