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Tandemfahren gegen ein Leben in Dunkelheit und Isolation

Neun Teams bei Trainingslager der "Euro-Tandem-Tour" in Oberweißenbrunn
Die Fahrer der "Euro-Tandem-Tour" trafen sich zum Trainingslager in Oberweißenbrunn. Natürlich gehörte auch eine Tour zum Kreuzberg mit dazu.  Foto: Marion Eckert
 
von MARION ECKERT
Seit 20 Jahren gibt es die "Euro-Tandem-Tour", ein loser Zusammenschluss von begeisterten Tandemfahrern. Doch das Besondere ist, dass je ein sehender Pilot mit einem blinden/sehbehinderten Copiloten unterwegs ist. In diesem Jahr haben sie auf Einladung von Ewald Simon, der selbst als Pilot seit Jahre mit dabei ist, ihr jährliches Trainingslager in der Rhön, in Oberweißenbrunn, abgehalten.

Dank der logistischen und personellen Unterstützung des WSV Oberweißenbrunn konnten die neun Teams und ihre Begleiter erlebnisreiche und sportliche Tage in der Rhön erleben.
Ins Leben gerufen wurde "Euro-Tandem-Tour" vor 20 Jahren durch Horst Schwerger, der selbst an einer Sehbehinderung leidet. Doch er wollte kein Leben in Dunkelheit und Isolation führen. Die Netzhautdegeneration sollte ihn nicht bestimmen, auch wenn es noch keine Therapien und Heilungschancen für diese Augenkrankheiten gibt, wohl aber unterstützenswerte Forschungsansätze und begründete Hoffnungen auf zukünftige Heilungsverfahren.
So beschloss er, Betroffene und Gleichgesinnte zusammen zu bringen, um auf verschiedenen Touren durch ganz Europa Politik und Öffentlichkeit über die Folgen einer Netzhautdegeneration aufzuklären und auf die Herausforderungen eines Lebens "im dunklen Tunnel" aufmerksam zu machen. In Europa seien rund 10 Millionen Menschen von Netzhauterkrankungen betroffen und auf Partnerschaften angewiesen.
Die Euro-Tandem-Tour'ler möchten auf sportliche Weise, im Team, im Tandem, für ein soziales Miteinander und für ein gleichberechtigtes Zusammenleben eintreten, erklärte Simon die Hintergründe. So gehe es darum zu zeigen, wie Menschen mit Behinderungen am sozialen Leben teilnehmen können, wenn in der Gesellschaft auf die Bedürfnisse und Fähigkeiten des Einzelnen eingegangen wird.
Von Anfang an gehörte auch Edgar Eisenmann aus Oberweißenbrunn zu den sehbehinderten Copiloten. Er war auch in diesem Jahr wieder mit dabei, mit seinem Piloten Ewald Reulbach. Einige Jahre fungierte auch Helmut Simon als Pilot. Zu den Höhepunkten der "Euro-Tandem-Tour" zählen zwei Pilgerfahren im Jahr 2008 nach Rom und im Jahr 2012 nach Santiago de Compostela.
Die Rhön als ideales Trainingslager ist nicht zum ersten Mal Anlaufpunkt der Gruppe. Sie waren bereits schon zweimal in Oberelsbach untergebracht. Heuer nun Oberweißenbrunn. Ewald Simon und weitere Akteure aus dem WSV Oberweißenbrunn und RWV Haselbach haben gemeinsam mit Hauptorganisator Karl-Heinz Picard das Trainingslager organisiert und die täglichen Touren ausgearbeitet. Insgesamt wurden 300 Kilometer und 4.500 Höhenmeter zurück gelegt. Es ging unter anderem auf die Wasserkuppe, nach Bad Neustadt, Aschach, Oberthulba und zum Kreuzberg, nach Ostheim und über Oberelsbach auf den Heidelstein und nach Bischofsheim. Neun Teams waren mit dabei, mit Begleitfahrern und Ersatzpiloten. Schon von weitem sind die Euro-Tandem-Teams in ihren leuchtend gelben Trikots aufgefallen.
Pater Georg Andlinger begrüßte die Fahrer auf dem Kreuzberg und beglückwünschte alle zur ihren Leistungen. Den sehenden Piloten zollte er Respekt für ihr Engagement um sehbehinderte Mitmenschen. Dies sei gelebte Nächstenliebe, die in der heutigen Zeit vorbildlich sei.
Am Ende der Tage zog Mitorganisator Ewald Simon ein durchweg positives Resümee: "Es war eine rundum gelungene Aktion. Die Teilnehmer kamen aus ganz Deutschland und haben die Schönheit der Rhön sehr bewundert." Der älteste Teilnehmer war Horst Schwerger, mittlerweile 80 Jahre alt, aber immer noch fit und mit dem Tandem unterwegs, wenn auch mit dem Elektrotandem. me
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