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So wenig Auswirkungen wie möglich

Der Netzbetreiber TenneT informierte in der Heustreuer Festhalle über eine mögliche SuedLink-Erdverkabelung im Landkreis
Die Infoveranstaltung über den geplanten Trassenverlauf der Gleichstromleitung SuedLink in der Heustreuer Festhalle stieß auf großes Interesse.  Foto: Stefan Kritzer
 
Alles halb so schlimm oder doch der größte (vorübergehende) Eingriff in die Landschaft von Rhön-Grabfeld seit dem Bau der Autobahn A71? In einer groß angelegten Bürgerinfoveranstaltung hat der Netzbetreiber TenneT gemeinsam mit der Bundesnetzagentur über die geplanten Trassenkorridore der Gleichstromleitung Suedlink informiert. Im September hatte TenneT bekannt gegeben, dass ein möglicher Verlauf der Verkabelung durch den Landkreis führen könnte. Fest steht das aber noch lange nicht.
Die Energiewende in Deutschland ist beschlossene Sache. Der Ausbau der Stromnetze hinkt diesem hehren Ziel allerdings noch meilenweit hinterher. Darum hat die Bundesregierung in einem Bundesbedarfsplan festgelegt, dass eine Gleichstromleitung aus dem windreichen Norden Deutschlands in den stromverbrauchsreichen Süden verlegt werden muss. Doch wo diese SuedLink genannte Leitung zu nahezu 100 Prozent erdverkabelt entlangführen?


Planungen sorgen für Erstaunen

Vor wenigen Wochen hatte der zuständige Netzbetreiber TenneT die ersten Planungen für mögliche vier Korridore rechts und links an der Rhön vorbei vorgestellt. Während die beiden Varianten entlang der Autobahn A7 in der hessischen Rhön schon lange vorher angedacht waren, stießen die Planungen in der bayerischen Rhön rund um Eußenhausen und Mellrichstadt sowie später entlang der A71 (Trassen 110, 111 und 112) sowie von Fladungen über Nordheim, Bastheim, Heustreu, Rödelmaier (Trasse 108) zur Autobahn auf erstaunte Mienen. Denn die Rhön sollte von den Planungen eigentlich ausgenommen werden.


Fertigstellung frühestens im Jahr 2022

In Heustreu wurden nun sämtliche mögliche Korridore genauer vorgestellt und vor allem die Verfahrensweise beim Bau von SuedLink erläutert. Bis der erste Bagger einen Graben für das Erdkabel aushebt, werden indes noch Jahre vergehen. Nach Auskunft der Bundesnetzagentur soll SuedLink 2022 fertig gestellt sein. Allerdings bezeichnete der Sprecher der Bundesnetzagentur, Stefan Drygalla-Hein diesen Zeitrahmen als "sehr sportlich" und nennt als realistischeres Datum das Jahr 2025.


Rechtzeitig informieren

Genug Zeit also, die Planungen in Ruhe zu studieren und zu diskutieren. Und genau hierfür wollen Netzbetreiber wie Bundesnetzagentur, eine Arbeitsgemeinschaft SuedLink wie eine beauftragte Rechtsanwaltsgesellschaft bundesweit in allen eventuell betroffenen Landkreisen Informationen liefern. Über den Bau der Leitung, von der nach dem Bau nichts mehr zu sehen sein soll. Über die landwirtschaftlichen Probleme und Entschädigungen während des Baus und durch die leichte Erwärmung des Bodens an den Stellen, wo das Erdkabel in 1,8 Metern Tiefe vergraben sein wird.


Noch nichts offiziell

"Wir diskutieren hier noch nicht über eine offiziell eingeleitetes Genehmigungsverfahren", betonte Landrat Thomas Habermann und sprach gleichzeitig ein Lob an die Veranstalter aus, die Bürger in der heiklen Frage, wo die Kabel denn nun verlegt werden könnten, frühzeitig mit ins Boot zu holen.
Die derzeitigen Planungen haben vier Korridore seitlich der Rhön mit einer jeweiligen Breite von 1.000 Metern festgelegt. Einer dieser vier Korridore wird für SuedLink einmal gebaut werden. Welcher, steht noch nicht fest. Die Trasse 108 von Fladungen quer durch das erst kürzlich erweiterte Biosphärenreservat Bayerische Rhön kommt hierbei wohl am wenigsten in Frage. Habermann nannte es ein "geographisches Kenntnisdefizit" des Planungsbüros, dass diese mögliche Trassenvariante überhaupt noch in den Entwürfen auftaucht. Landschaftsschutz- wie Vogelschutzgebiete würden von dem Erdgraben durchschnitten, die Streu allein sechs Mal unterquert werden müssen. In der vorgestellten "Raumwiderstandsanalyse" sprechen zu viele Fakten gegen einen solchen Trassenverlauf. Wahrscheinlicher wäre da die Variante links oder rechts an Eußenhausen vorbei nach Mellrichstadt und von dort entlang der Autobahn A71 nach Süden. Oder vielleicht doch durch die hessische Rhön entlang der A7?


Am liebsten woanders

"Natürlich wäre es uns am liebsten, wenn SuedLink nicht unseren Landkreis tangieren würde", gab Thomas Habermann offen zu. Aber die "Hauptschlagader der Energiewende" müsse irgendwohin, und den sachlichen Argumenten müsse auch bei einem Verlauf durch Rhön-Grabfeld Folge geleistet werden.
So wenig Auswirkungen wie nur irgend möglich verspricht Netzbetreiber TenneT beim Bau sowie beim Betrieb der Gleichstromleitung, die, nach derzeitigem Stand der Technik, acht dicke Kabelstränge nebeneinander mit sich bringen würde. Beim Bau müsse ein rund 50 Meter breiter Korridor für die Maßnahme bereit gestellt werden "Der Schaden, der entsteht, wird ausgeglichen", sicherte TenneT-Sprecher Michael Roth zu. Vor allem den Landwirten, da die Erdverkabelung vorzugsweise über landwirtschaftliche Flächen geführt wird. Nach Abschluss der Arbeiten, so Roth, sieht man von der Verkabelung in der Landschaft nichts mehr. Der große Vorteil der Erdverkabelung im Vergleich zu Strommasten.


Bürger können sich einbringen

"Wir müssen alle möglichen Argumente dafür aufbringen, dass die Stromtrasse nicht durch unseren Landkreis laufen wird", sagte Landrat Habermann zum Abschluss der mehrstündigen Infoveranstaltung. Landkreis, Gemeinden und jeder Bürger haben nun noch bis Ende November Gelegenheit, Stellungnahmen, Kritik, Informationen und Details über die Internetseite des Netzbetreibers für oder gegen SuedLink einzubringen. Erst wenn diese Einwendungen alle geprüft sind, wird der nächste Schritt auf der Planungsleiter von SuedLink erklommen. Und auch später noch haben Bürger wie Gemeinden Möglichkeiten zu einem Einspruch gegen die geplante Erdverkabelung. Bis alle Planungen fertiggestellt sind, werden so noch einige Jahre ins Land gehen. Beteiligen an den Planungen von SuedLink kann man sich über die Website www.suedlink.tennet.eu. Stefan Kritzer
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