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Peter Picciani ist neuer Preisträger

8. Kulturpreis des Vereins für Heimatgeschichte vergeben
Die Kornstein-Nachbildung, äußeres Zeichen der Kulturpreisverleihung, erhielt Peter Picciani von Vorgänger Clemens Behr (links) und dem Vorsitzenden des Vereins für Heimatgeschichte, Hanns Friedrich.  Foto: Vossenkaul
 
"Ich bin nicht nur angekommen, ich fühle mich auch angenommen", sagte Peter Picciani in seiner Dankesrede am Montagabend. Er erhielt den 8. Kulturpreis des Vereins für Heimatgeschichte und steht damit in einer Reihe mit dem Heimatforscher Leo Walter Hamm (1995), dem Gesangverein Harmonia (1998), Kreisheimat- und Archivpfleger Reinhold Albert (2001), Bezirksheimatpfleger Dr. Klaus Reder (2004), Künstler Fritz Toennieshen (2007), Dr. Fritz Steigerwald (2010) und mit dem ehemaligen Bürgermeister Clemens Behr (2013).

Als "Grabfelder" stellte Vereinsvorsitzender Hanns Friedrich Peter Picciani vor. Die Bezeichnung erinnert nicht nur an seine Installationen, Kunstwerke und Bühnenbilder, mit denen er sich über den Landkreis hinaus bekannt gemacht hat, sondern auch an sein Engagement bezüglich des Regionalgelds "Grabfelder", das leider nicht so angekommen ist, wie gewünscht. Seine künstlerische Laufbahn führte ihn unter anderem auch nach Japan und nach Texas in die Partnerstadt Arlington.
Die Laudatio hielt die Künstlerin Eva Warmuth, die einfühlsam und mit warmen Worten die Höhen und Tiefen des Lebens von Peter Kähler, wie er ursprünglich hieß, beleuchtete. Menschen, die eine Region nachhaltig prägen, die Spuren hinterlassen, Projekte anschieben, das Wohl der Gemeinschaft im Blick haben, Kulturschaffende, bewusstseinsprägende und politische Menschen - sie haben den Preis verdient und Picciani gehöre dazu, sagte Eva Warmuth.
Ein "wildes Leben", das in der neuen Heimat Ipthausen ein "happy end" oder vielmehr eine "happy Gegenwart" gefunden hat, liegt zwischen der Geburt Peter Kählers im Jahr 1957 in Hagenow in der DDR und heute. Beim VEB Carl-Zeiss-Jena wurde er zum Feinmechaniker und Elektroniker ausgebildet, dann kam der Wehrdienst 1976 bis 1978 bei der Marine und eine Zeit des Erwachens, des Nachdenkens über eine gute Idee, die sich in eine Diktatur verwandelt hat.



Kassetten als Lebensversicherung

Für Frieden und Freiheit setzte er sich in der Jenaer Friedensgemeinschaft ein und schrieb Protestlieder. Kassetten davon wurden in den Westen geschmuggelt. Das war eine Art Lebensversicherung, wie Warmuth berichtete, denn so wurde er zu einer "öffentlichen Person", die die Stasi nicht einfach verschwinden lassen konnte. Drei Monate lang war er in Haft, dann wurde er entlassen, nicht nur aus dem Gefängnis, sondern auch aus der DDR. 1983 in die BRD abgeschoben, verlor Peter Kähler seine Wurzeln und seine Heimat, die er eigentlich verbessern und nicht verlassen wollte.



Grandioses Scheitern

Der damals 26-Jährige musste sich ganz neu orientieren, hatte zahlreiche Wohnorte und Jobs und lernte dann seine zweite Frau Gabriella Picciani kennen, deren Namen er bei der Heirat annahm. Als "grandioses Scheitern" habe Peter Picciani seine Zeit in Osterbü bei Flensburg beschrieben, wo er sich als Aussteiger auf einem gepachteten Bauernhof seinen Lebensunterhalt verdienen wollte. Am Ende stand die Erkenntnis, dass der karge Boden nicht viel hergab und er die Gesellschaft braucht, unter anderem, um nicht kulturell zu verarmen.
Die nächste Station, die Schule für Holzbildhauer in Bischofsheim brachte ihn dem Landkreis Rhön-Grabfeld näher, wo er gemeinsam mit Gleichgesinnten einen alten Hof in Ipthausen fand. Dort wollten sie ein künstlerisches Zentrum entwickeln. Die Begeisterung für Land und Leute teilten die anderen nur kurz und so fand sich Picciani plötzlich allein in seinem neuen Zuhause wieder, das er aber seit 2005 mit Ehefrau Jutta Tholen teilt. Heute arbeitet er zuhause in seiner Werkstatt und beim Schlosstheater Maßbach. Letztes großes Kunstwerk ist das "Neuronale Netzwerk" in der Neurologischen Klinik in Bad Neustadt.
Das äußere Zeichen des Preises, eine Nachbildung des Kornsteins vom Marktplatz Bad Königshofens, überreichte Vorgänger Clemens Behr an Picciani, dazu gibt es eine Urkunde. Der Preis ist mit 1000 Euro dotiert und wurde gesponsert vom Verein für Heimatgeschichte, von den Möbelwerken Ress, Foto-Engele und der hf-Filmproduktion.
Picciani überreichte den Rednern und Sponsoren Exemplare seiner "Heilwassernixe" aus Schokolade und bedankte sich für die "unglaublich schöne Anerkennung". Es sei eine große Ehre, als Kulturschaffender einen Kulturpreis zu erhalten, die öffentliche Anerkennung sporne ihn an, sich weiterhin einzusetzen. "Jetzt kann ich sagen, ich bin hier daheim", reagierte der Preisträger auf die Erwähnung des "Ankommens" in der neuen Heimat.
Regina Vossenkaul
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