Heute schon an morgen denken

Oratorium und historische Gewölbe begeisterten die Gäste in Maria Bildhausen
Der Schwesterngarten, für die Öffentlichkeit nicht zugänglich, konnte bei der Führung besichtigt werden. Die Gäste des Tag des offenen Denkmals, sahen damit Maria Bildhausen einmal von einer ganz anderen, fast idyllischen Seite.  Foto: Hanns Friedrich
 
von HANNS FRIEDRICH
Ein "Tag des offenen Denkmals" bringt immer wieder ganz besondere Einblicke in die jeweiligen Gebäude. Sicher etwas ganz Außergewöhnliches war die Führung durch die historischen Klosteranlagen von Maria Bildhausen. Wann sonst kann man schon einmal das große Deckengemälde im Oratorium, der früheren Bibliothek der Zisterzienser, sehen?

Zudem erfuhren die Gäste von Türen, die ins Nichts führen. Zu sehen gab es auch den idyllischen Garten der Schwestern oder die Bereiche des Torturms, die einstige Mühle, die Brauerei und Bäckerei. All das, und dazu umfangreiche Informationen von Architekt Dag Schröder, seiner Mitarbeiterin Evi Mohr sowie Michael Nowotny, stellvertretender Gesamtleiter der Behinderteneinrichtung, gaben einen Einblick in die Historie des einstigen Zisterzienserklosters.
Gleichzeitig erfuhren die interessierten Besucher aber auch von den Plänen Maria Bildhausen für die Zukunft "fit zu machen." Michael Nowotny freute sich über das große Interesse an diesem Sonntagnachmittag und dankte dem Architekturbüro Dag Schröder, der mit seinen Mitarbeitern in den vergangenen Monaten als Sanierungsbeauftragter entsprechende Untersuchungen durchgeführt hat. Außerdem wurde ein Entwicklungskonzept erarbeitet. Ein besonderer Dank galt in diesem Zusammenhang der Stadt Münnerstadt, sowie der Regierung von Unterfranken, für die Unterstützung.
"Gerade die Stadt Münnerstadt hat immer ein offenes Ohr für Maria Bildhausen," sagte Michael Nowotny mit Blick auf den Bürgermeister Helmut Blank. Ein Gruß ging auch an Schwester Werenfried, die es ermöglichte, dass die Führungen im Schwesternkonvent stattfinden konnten. Maria Bildhausen habe ein historisches Umfeld, das hätten nun wieder einmal die Untersuchungen des Architekturbüros Schröder gezeigt.



Große Aufgaben

Architekt Dag Schröder sprach von großen Aufgaben, die auf das Dominikus Ringeisenwerk in Maria Bildhausen zukommen. Um einen entsprechenden Einblick für ein Sanierungskonzept zu bekommen, habe man jeden Winkel und jeden Raum durchforstet. Es galt vor allem den denkmalpflegerischen Bestand aufzunehmen aber auch ein städtebauliches Konzept für die Zukunft der Einrichtung zu entwickeln. "In Maria Bildhausen stehen auf dem gesamten Areal doch eine Vielzahl von historischen Gebäuden leer", so Schröder.
Dazu gehört der Ostflügel des Schwesternhauses, aber auch die frühere Bäckerei, Brauerei oder die Mühle, die noch in ihrer Gesamteinrichtung vorhanden ist. Kurz ging der Architekt auf die Geschichte des Klosters ein, das im Jahr 1156 als Tochterkloster des Klosters Ebrach gegründet wurde. Durch Schenkungen und Zukäufe wuchs Bildhausen zu einem mächtigen Kulturzentrum im Grabfeld. Ein Einbruch, vor allem auch was die Gebäude betraf, war der Bauernkrieg im Jahr 1525, ebenso der Dreißigjährige Krieg - beide Male kam es zu großen Zerstörungen. Danach allerdings blühte das Kloster unter den Zisterziensern wieder auf und es wurden stattliche Gebäude errichtet. Dazu gehörte eine große Basilika mit allein 17 Altären, die der Königshofener Barockbildhauer Johann Joseph Kessler geschaffen hat.
Ein Großteil von ihnen ist heute in verschiedenen Kirchen der Rhön noch zu finden. Die Kirche selbst wurde, heute kaum mehr vorstellbar, nach der Säkularisation als Steinbruch genutzt, die Steine verkauft das imposante Gebäude abgerissen. Heute stehen nur noch Fragmente. Der stellvertretende Gesamtleiter der Einrichtung, Michael Nowotny sagte den Zuhörern beim Vortrag im Abteigebäude, dass die einstige Klosteranlage heute Behinderteneinrichtung ist und der größte Standort des Dominikus Ringeisenwerkes in Unterfranken. 123 Behinderte wohnen in Maria Bildhausen, es gibt 29 Fachpflegeeinrichtungen, 175 behinderte Menschen arbeiten in den Werkstätten.



Sanierungsbedürftig

Am Standort Maria Bildhausen gibt es 253 Mitarbeiter. Die St. Josefskongregation mit Sitz in Ursberg, ist noch mit drei Schwestern vertreten. Das Problem seien in Maria Bildhausen die vielen leer stehenden, historische Gebäude, die dringend sanierungsbedürftige 800 Meter lange Klostermauer sowie Flächen wie Gärten, Wiesen und Obstbaumanlagen. "In Maria Bildhausen denkt man schon seit längerer Zeit voraus", so Nowotny "und bietet Tagungsmöglichkeiten, kulturelle Angeboten, einen Klosterladen, Übernachtungen und Gastronomie." Allerdings müsse schon jetzt an die folgenden Jahrzehnte gedacht werden, deshalb sei das Sanierungskonzept in Auftrag gegeben worden. H. Friedrich
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