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Gute Ideen beim Agrosummit

Ein Blick über den Tellerrand bis hin zur Welt-Ernährungssituation
Wie riecht getrocknete Luzerne? Über die "Wiedergeburt der Königin der Futterpflanzen" wurde während des "Agrosummit" referiert, die Landwirte Tanja und Gundram Engelhart interessieren sich dafür.  Foto: Vossenkaul
 
"Wir brauchen Bauern mit Innovationskraft", sagte BBV-Kreisobmann Mathias Klöffel in seiner Begrüßung zum ersten "Agrosummit", der in Hollstadt stattfand. Der "Gipfel der guten Ideen" in Kooperation mit der Firma Claas und dem Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt (blv) sollte Anregungen für neue Wege durch Praxisbeispiele aus anderen Regionen bringen, dazu waren zehn Referenten zu interessanten Themen eingeladen.

"Wir verkaufen keine Maschinen, sondern Lösungen", sagte Günter Ordnung, Verkaufsleiter Süd von der Firma Claas in seinem Grußwort. Er lobte in der sehr gut besuchten Veranstaltung den Ideenreichtum des BBV-Kreisverbands. Dass in Hollstadt nicht Milch und Honig, sondern Kartoffeln und auf dem "Bierfrühling" auch Gerstensaft fließen, darauf machte Klöffel aufmerksam. Nach einer Begrüßung durch Bürgermeister Georg Menninger nahm Landrat Thomas Habermann Stellung zur Situation der Landwirte und zur Vermarktung, dem ersten Themenblock des Tages. "Gute Unternehmer" nannte er die Bauern im Landkreis, sie seien modern, haben gute Ideen und kümmern sich um alternative Einkommensquellen.
"Bei den Preisen fehlt die Verlässlichkeit", monierte vor dem Hintergrund der niedrigen Milchpreise. Ein konventioneller Milchbauer in Tirol erhält 52 Cent pro Kilo - davon kann man hier nur träumen.



Qualität statt Quantität

Der Ökolandbau könnte noch gesteigert werden, meinte der Landrat. Die hiesigen Bauern seien außerdem erfolgreich, weil sie sich den vorhandenen Strukturen anpassen und beispielsweise keine überdimensionierten Biogas-Anlagen gebaut haben. "Über Quantität kann man in Deutschland nicht erfolgreich sein, nur über Qualität", davon ist er überzeugt.
Simon Michel-Berger, stellvertretender Chefredakteur des blv, war der Moderator des Tages, hielt aber zunächst einen eigenen Vortrag zum Thema "Multifunktionalität in der Landwirtschaft". Er ging auf die Rolle als Ernährer der Menschheit ein, die bis 2050 wahrscheinlich auf neun Milliarden angewachsen ist, während gleichzeitig die verfügbare Anbaufläche durch den Klimawandel geringer wird.



Mehr Hunger bedeutet mehr Flüchtlinge

Bis 2050 müsste die landwirtschaftliche Produktion um 70 Prozent gesteigert werden - kann das gelingen? Eine zwölfprozentige Steigerung der Stickstoffeffizienz bringt schon etwas, das sprach Michel-Berger an vor dem Hintergrund von Düngeverordnung und Gewässerschutz. Mehr Hunger bedeutet auch mehr Flüchtlinge, wie die Gegenwart zeigt. Das UNHCR verzeichnete 2011 insgesamt 42,5 Millionen Flüchtlinge, 2015 waren es 65,3 Millionen. "Die Landwirtschaft muss effizienter werden", forderte Michel-Berger, immerhin ist sie in Deutschland zweitgrößter Verursacher der klimaschädlichen Gase, von Methan bis CO2. Rhön-Grabfeld als eine von zwölf Öko-Modellregionen könnte auch die Vermarktung der regionalen Produkte besser organisieren und Stammkunden gewinnen.



Vermarktung mit Gesicht

Eine interessante Kooperation zwischen Bauern, Mühlen und 44 Bäckern mit 200 Verkaufsstellen stellte Roland Waldi aus Zaberfeld-Michelbach vor. Brotgetreide ohne Spritzmittel liefern die Bauern, darunter neben Weizen auch Dinkel, Einkorn und Emmer, letztere angebaut in einem Wasserschutzgebiet. Die Regionalvermarktung "mit Gesicht" läuft so gut, dass er sich wünscht, es würden sich auch andere Kooperationen bilden, bei denen er bei Engpässen einkaufen könnte. "Wir brauchen den Schulterschluss mit den Verbrauchern", ist seine Devise. Dazu gehört bei ihm die Beschriftung aller Felder, die von Blühstreifen umgeben sind ("Hier wächst ihr Brotgetreide"). Zwei Millionen Euro Umsatz im Jahr hat der "wirtschaftliche Verein" 2015 erzielt.
Soja-Anbau in Unterfranken und vermehrter Luzerne-Anbau statt Soja-Einfuhr aus Südamerika? "Wo Körnermais gedeiht, kann auch Soja wachsen", sagte dazu Dr. Stephan Hartmann von der Landesanstalt für Landwirtschaft.
Welches Potenzial in der Landwirtschaft steckt, wurde im Verlauf der folgenden Vorträge klar, bei denen es unter anderem um die Futter-Trocknungsgenossenschaft in Windsbach eG, um Düngung, Düngetechniken und Wissensmanagement in der "Landwirtschaft 4.0" ging.
Interessante Auswüchse der Vermarktung machten klar, dass es viele Absatzchancen auf dem Qualitätsmarkt gibt. Wie BBV-Kreisgeschäftsführer Michael Diestel ansprach, wollen je ein Drittel der Verbraucher laut Umfragen regional oder "bio" oder beides einkaufen. Der Internetverkauf ist hier noch gut ausbaubar, weil der Trend zu Fertigprodukten aus Zeitmangel oder weil man das Kochen langsam verlernt, ungebrochen anhält. Beispiele aus dem Vertrieb von hochwertigen Waren: 100g Corned Beef in der Dose werden verkauft für 3,90 Euro, 500 g Fleisch vom Wagyu-Rind kosten 214 Euro und die ausgekochten Knochen bringen als "Rinderfonds" deklariert auch noch gutes Geld. Ganz kurios: Gepresstes Heu in einer niedlichen Schachtel für Meerschweinchen und Zwergkaninchen aus Nordamerika. "Das ist weder regional noch bio, die Tonne Heu würde hochgerechnet 1.340 Euro kosten", so Diestel. Trotzdem ist die Idee der gemeinsamen Vermarktung gut und bietet weitere Chancen.
Der Dank der Veranstalter galt den Gastgebern, dem TSV Hollstadt mit seiner Jahnhalle sowie den Landfrauen Hollstadt, die für die Beköstigung zuständig waren. Regina Vossenkaul
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