Eine Stunde Zeit für den Nachbarn

Organisierte Hilfsaktion soll es demnächst auch in Aubstadt geben
Eine Stunde Zeit: Die organisierte Nachbarschaftshilfe soll es demnächst auch in Aubstadt geben. Bei einem ersten Treffen informierte Sozialpädagogin Elke Storch (am PC) zahlreiche Interessenten und Bürgermeister Burkhard Wachenbrönner (hinten, Mitte) über bereits vorhandene Organisationen und die Voraussetzungen für eine Neugründung.  Foto: Regina Vossenkaul
 
Private Nachbarschaftshilfe funktioniert bereits, aber es gibt Menschen, die wenig Kontakte haben und froh wären auf eine organisierte Hilfe zurückgreifen zu können. Eine Einrichtung, wie sie in Großeibstadt unter dem Motto "Eine Stunde Zeit" schon gut funktioniert, wäre in Aubstadt auch willkommen, dachte sich Bürgermeister Burkhard Wachenbrönner.

Deshalb lud er zu einer ersten Informationsversammlung ins Rathaus ein, mit dabei war auch der Seniorenbeauftragte, Gemeinderat Michael Bohn. Es gibt immer mehr ältere Mitbürger in den Gemeinden, die nicht mehr selbst zum Einkaufen, zum Arzt oder Apotheker fahren können, die ihre Gardinen nicht mehr selbst aufhängen oder im Garten etwas umgraben können.
Hier kann eine organisierte Nachbarschaftshilfe das Leben erleichtern, wie Elisabeth Radina, eine der Gründerinnen der Großeibstädter Organisation berichtete. Es habe ungefähr ein Jahr gedauert, bis das Angebot durch Mund-zu-Mund-Propaganda und eigene Werbung mittels Flyer, Karten und einem aufgeführten Sketch überall bekannt war und gut angenommen wurde. Es gibt drei telefonische Ansprechpartnerinnen, denen eine Liste zur Verfügung steht. Darauf hat jeder der insgesamt 15 ehrenamtlichen Helfer vermerkt, was er anbietet (Fahrdienst, kleine Handwerkstätigkeiten, Gartenarbeit, Krankenbesuche im Ort oder im Krankenhaus oder Seniorenheim), wie viel Zeit er aufbringen kann und wann er am besten einsetzbar ist.
"Wir haben noch keine Anfrage ablehnen müssen", so Radina. Sie riet dazu, pro Einsatz einen Euro zu nehmen, damit die Bürger eine kleine Gegenleistung erbringen, dazu kommen 30 Cent pro gefahrenen Kilometer. Als besonders notwendig sieht Radina den Hinweis auf die Schweigepflicht, es müsse niemand Angst haben, dass über private Dinge Klatsch und Tratsch entstehen.
Elke Storch von der Caritas Bad Neustadt nahm an dem Treffen teil und berichtete von acht ähnlichen Initiativen, die es bereits im Landkreis gibt. Einige davon arbeiten nur innerhalb ihres eigenen Ortes, wie Großeibstadt, andere fassen mehrere Orte zusammen. Trägerschaft und Haftungsfragen sprach sie an, hier kommt eine Zusammenarbeit mit Kirchengemeinden, der politischen Gemeinde, Caritas oder Diakonie in Frage, die eine entsprechende Haftpflichtversicherung für die registrierten Helfer abschließen.



Informationen einholen

Diesen Part würde die Gemeinde sicher übernehmen, versprach Wachenbrönner. Zunächst müsste erkundet werden, was gebraucht wird und wer sich aktiv engagieren würde. Mehr Zusammenhalt in der Gemeinde, die Möglichkeit sich sozial zu engagieren, mehr Kommunikation, auch unter Partnern, die sonst nichts miteinander zu tun hätten, und ein gutes Beispiel für die Kinder würde eine organisierte Nachbarschaftshilfe bringen, machte Storch anhand einer Präsentation klar. Die Nachbarschaftshilfe ist keine Konkurrenz für die Dienste der Sozialstationen oder Handwerker, wurde im Verlauf des Abends angesprochen. Das Motto "Eine Stunde Zeit" signalisiert schon, dass es hier hauptsächlich um kurze Hilfen geht, die sich auf viele Schultern verteilen, damit niemand übermäßig beansprucht wird. "Es kommt auch was zurück", sagte Elisabeth Radina aus eigener Erfahrung. Man dürfe sich jedoch nicht ausnutzen lassen und müsse klare Grenzen ziehen. Gemeinsame Besprechungen der Helfer seien hilfreich, sie müssen auch eingewiesen werden, damit sie wissen, wie man in bestimmten Situationen am besten reagiert. Elke Storch bot dazu ihre Unterstützung an.
Im Seniorenkreis in der Bürgerversammlung und bei sonstigen Gelegenheiten will der Bürgermeister Werbung für das Projekt machen und entsprechende Listen für potenzielle Helfer auslegen. Er wäre auch dafür, den Namen "Eine Stunde Zeit" zu übernehmen und wird die Initiative im nächsten Gemeindeblatt veröffentlichen. Regina Vossenkaul
Newsletter kostenlos abonnieren
Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.