Buden müssen weichen

Entwicklungskonzept mit Meditationsplatz und Klosterladen im Vordergrund
Seit ihrer Kindheit ist Silvya Mathes mit dem Geschäft auf dem Kreuzberg verbunden. Das Aufhören fällt nicht leicht.  Foto: Marion Eckert
 
von MARION ECKERT
Die drei Buden auf dem Weg zur Klosterkirche sind Kult. Sie gehören zum Kreuzberg einfach dazu. Und das seit den 1920er Jahren. Doch damit ist jetzt Schluss. Am 30. November werden die Buden geschlossen. Veränderungen stehen an, darunter der Aufbau eines Klosterladens und ein Meditationsplatz.

Seit 1937 hat die Bude von Silvya Mathes geöffnet, schon als Kind half sie ihren Eltern Walter und Maria Benkert, die die Bude von Großvater Adolf Benkert übernommen hatten, beim Verkauf. Erst ging es in die Kirche, dann zum Essen in die Wirtschaft, die Kinder bekamen ein paar Pfennige, um sich an den Buden eine Kleinigkeit auszusuchen. Oder die Wallfahrer kauften zur Erinnerung an den Kreuzbergbesuch Kerzen, Rosenkränze, oder Kreuze.
Pia Müller, die in der fünften Generation eine Bude auf dem Kreuzberg betreibt erzählt, dass vor 1923 die Buden an der Kirche standen. Genaue Jahreszahlen, wann die ersten Devotionalien auf dem Kreuzberg von den dort ansässigen Familien verkauft wurden, hat sie zwar nicht parat, weiß aber, dass um 1880/90 von ihren Vorfahren das Geschäft schon betrieben wurde. Derzeit sehen die Wallfahrer beim Einzug zur Kirche zunächst die Buden.
Eine Sichtachse zum Kirchenportal ist nicht gegeben. "Die Buden stehen auf Klostergrund. Sie sind herunter gekommen, sie sind gammelig. Es ist ein Schandfleck", erklärt Angelika Somaruga, Geschäftsführerin des Wirtschaftsbetriebes am Kreuzberg, in aller Deutlichkeit. Durch Umgestaltung des gesamten Bereichs und Entfernung der Hecke soll eine gerade Linie auf die Kirche hin geschaffen werden.
"Die Kirche ist das Herzstück des Kreuzbergs, das Ziel jeder Wallfahrt. Das soll durch die Gestaltung stärker heraus gearbeitet werden, denn das fehlte bisher am Kreuzberg." Um dieses Konzept umzusetzen, sei es notwendig, dass die beiden Buden von Ehepaar Mathes und die von Pia Müller entfernt werden. "Es wurde schon in der Vergangenheit immer wieder einmal darüber gesprochen, doch niemand hat sich getraut das Thema anzupacken. Ich packe es an", sagte Somaruga. "Ich will niemand etwas wegnehmen. Es geht hier nicht um Konkurrenzdenken und steht nicht im Zusammenhang damit, dass wir einen Klosterladen neu bauen", so Somaruga.



Spirituelles Angebot

Weitere Verkaufsstände auf Privatgrund werden auch künftig bestehen bleiben, so dass Rhönheuler und Devotionalien auf dem Kreuzberg wohl nicht aussterben werden. Somaruga verweist auf das Entwicklungskonzept für den Kreuzberg, das 2008 aufgestellt wurde und bereits Alternativen für diesen Bereich aufzeige. "Ich nehme das Entwicklungskonzept als Grundlage für die Entwicklungen und Veränderungen auf dem Kreuzberg", erklärte sie. "Das Gelände wird der Kirche zugeschlagen. Es wird eine Art Meditationsplatz entstehen", erklärte Somaruga. Denn nicht jeder, der den Kreuzberg besuche, suche automatisch die Kirche auf.
Es gebe der Kirche fernstehende Menschen oder Menschen, die aus ganz unterschiedlichen Gründen Hemmschwellen in Bezug auf die Kirche haben. Gerade auch für diese Menschen soll die neue Anlage eine Einladung sein, ein spirituelles Angebot, außerhalb des klassischen Kirchenraumes. Es sei kein Gegenangebot zur Kirche, sondern ein niederschwelliges Angebot mit sich selbst und dem tieferen Sinn des Lebens in Kontakt zu kommen.
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