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Am liebsten Landwirtin

Katharina Rückert schloss ihre Ausbildung als Beste ab
Keine Angst vor großen Fahrzeugen: Am liebsten fährt Katharina Rückert mit den Traktoren und bearbeitet die Felder oder das Grünland.  Foto: Regina Vossenkaul
 
Sie liebt Traktoren - je größer, desto besser: Katharina Rückert aus Obereßfeld hat ihre Prüfung zur Landwirtin als Beste in Thüringen abgelegt. Vor drei Jahren, im Juni 2013, nahm sie noch gemeinsam mit anderen Absolventen des Gymnasiums Bad Königshofen ihr Abiturzeugnis in Empfang, jetzt befasst sie sich mit Ackerbau und Tierzucht.

Eigentlich wollte sie Tierärztin werden, ein Wunsch, der unter anderem durch ihr Hobby, das Reiten, entstand. Auf einem Gut durfte sie seit ihrem sechsten Lebensjahr Reitsport betreiben, inzwischen hat sie sich von ihrem eigenen Einkommen ein Pferd gekauft. Ihrem Wunsch nach der Veterinärmedizin kam der Numerus Clausus dazwischen. So trat Rückert zunächst ein Landwirtschaftsstudium an der Hochschule Weihenstephan an, das sie aber nach dem ersten Jahr aufgab. "Ich wollte unbedingt in die Praxis", erinnert sie sich. Kurzentschlossen schaute sie sich nach Ausbildungsstellen in der Umgebung um und wurde im thüringischen Pfersdorf (Hildburghausen) bei der dortigen Agrargenossenschaft fündig.
Ihr Interesse an der Landwirtschaft ist außergewöhnlich, immerhin kann sie nicht auf einen elterlichen Betrieb zurückgreifen, wie die meisten der jungen Frauen, die als Auszubildende in der Landwirtschaft in eine Männerdomäne eindringen. Ihr Vater stammt jedoch von einem Bauernhof. "Vielleicht liegt es doch in den Genen", vermutet die junge Frau.
In Bayern hat sie keine Ausbildungsstelle gefunden, im nahen Thüringen sind jedoch die Strukturen anders und im Agrarunternehmen Pfersdorf mit Geschäftsführer Toralf Müller werden regelmäßig Auszubildende angenommen, darunter inzwischen zunehmend mehr Mädchen, wie Klaus Hermes, Leiter der Abteilung Feldbau, berichtete.
Aus einer ehemaligen LPG hat sich die Genossenschaft 1990 gegründet, entsprechend groß ist die landwirtschaftliche Fläche. Auf 2.300 Hektar, davon 40 Prozent Grünland, werden Getreide, Raps und Erbsen angebaut, dazu kommen rund 400 Mutterkühe, die mit einem Bullen und ihren Kälbern auf der Weide stehen, außerdem gibt es eine Bullenmast mit rund 2.000 Tieren. Die anfallende Gülle wandert in die eigene Biogasanlage mit 526 kW, die pro Jahr ungefähr 4,4 Millionen kWh Strom erzeugt, die anfallende Wärme wird zum großen Teil selbst verbraucht, für Heizung, Tränken-Heizungen und Trocknungsanlagen.
Als ein "sehr umfangreiches Tätigkeitsfeld" beschreibt Hermes die anfallende Arbeit im Betrieb, sie wird momentan von 32 Mitarbeitern und fünf Azubis erledigt. Welche Eigenschaften müssen Auszubildende haben? "Lernen kann man alles", ist Hermes überzeugt, man sollte jedoch Interesse, technisches Verständnis, Einsatzbereitschaft und Tierliebe mitbringen, außerdem die Bereitschaft körperlich zu arbeiten. Bei Frauen kommt dazu, dass sie auch mal die Sprüche der Kollegen aushalten müssen, wie Katharina Rückert bestätigt. "Man darf als Mädchen nicht schüchtern sein und die Kollegen auch mal nach einer Anleitung fragen. Mit Willen und Bereitschaft kann man sich aber schnell behaupten", berichtet sie.



Kein Tag wie der andere

In einem großen Betrieb kann man viel lernen, dachte sich die inzwischen 19-Jährige, die vor allem vom Maschinenpark begeistert ist. "Am Anfang hatte ich Respekt vor den großen Fahrzeugen, dann habe ich aber eine gute Einweisung bekommen", berichtet sie. Inzwischen sind die großen Bulldogs ihre Lieblinge. Was sie an ihrem neuen Beruf so fasziniert, ist, dass kein Tag wie der andere verläuft. Das Wetter, die Pflanzen und die Tiere verändern sich ständig. "Ich hätte auch nie gedacht, dass ich von Anfang an so viel machen darf", berichtet sie. Bei der praktischen Prüfung nach einer zweijährigen, verkürzten Ausbildung, musste sie im Pflanzenbereich Grünlandpflege vorführen, im Tierbereich eine Weidefläche für eine kleine Herde berechnen, eine Koppel bauen und die Tiere hineintreiben - für sie eine leichte Übung nach der Praxis in Pfersdorf. Mit der Note 1,14 war sie am Ende die Beste in ganz Thüringen und ihre Familie ist entsprechend stolz auf sie.
Ab 24. Oktober besucht die Obereßfelderin die Fachschule in Stadtroda, dort dauert die Ausbildung vier Jahre, weil die Studenten im Sommer in den Betrieben arbeiten und im Winter die Schulbank drücken. Katharina hat ihre Berufswahl noch nie bereut. Sie rät aber jungen Leuten, die sich dafür interessieren und die Arbeit nicht von Zuhause kennen, ein Praktikum zu machen. vos
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