Bamberg
Ausflugstipp

Wo gab es bisher in Franken Gartenschauen - und was ist aus den Geländen geworden?

Gerade hat Erlangen per Bürgerentscheid gegen die Landesgartenschau 2024 votiert. Oberfranken hatte bereits fünf solche großen Schauen - und eine kleine.
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Der Fischpass , der in Bamberg für die Gartenschau 2012 angelegt wurde, ist 2017 ein beliebter Treffpunkt in der Stadt geworden. Foto: Ronald Rinklef
Der Fischpass , der in Bamberg für die Gartenschau 2012 angelegt wurde, ist 2017 ein beliebter Treffpunkt in der Stadt geworden. Foto: Ronald Rinklef
Die meisten Eltern lernen es nie: "Ich geh nur mit den Füßen rein, büüüüütte, ich mach mich nicht nass. Wirklich!" Nach einer solchen Ankündigung dauert es in der Regel wenige Minuten, bis der Nachwuchs patschnass ist. Einer der Orte, an denen solche schönen Familienszenen an den endlich warmen Maitagen zu beobachten sind, ist der Fischpass auf dem ehemaligen Landesgartenschaugelände in Bamberg. Das Gebiet der Baumwollspinnerei Erlangen-Bamberg (kurz: Erba) hat sich nach der Blumenschau 2012 in einen beliebten Naherholungspark verwandelt. So wie bisher al le fränkischen Gartenschaugelände.


Blumen und Stadtentwicklung

Die erste Landesgartenschau in Franken war 1988 im mittelfränkischen Dinkelsbühl. Zwei Jahre später folgte Würzburg. Mit 2,5 Millionen Besuchern gilt diese immer noch als die beliebteste der Bayerischen Gartenschauen, und das Gelände mit den bunten Wildstauden an den alten Wallmauern wird von Würzburgern und Besuchern bis heute gerne genutzt.
Danach fanden alle weiteren fränkischen Gartenschauen in Oberfranken statt: 1994 in Hof, 2002 in Kronach, 2006 in Marktredwitz, 2012 in Bamberg, 2016 in Bayreuth.
Die Blütenpracht des "Wilhelminenaue" genannten Parks lockte etwa 900 000 Besucher zur Gartenschau nach Bayreuth. Die Seebühne, die Foto in der Bildergalerie noch zu sehen ist, wurde zum Bedauern vieler Bayreuther nach der Schau abgebaut, aber inzwischen entwickelt sich der Park insgesamt zu einem Bestandteil des normalen Bayreuther Stadtlebens.
In Kronach gehört das frühere Gartenschaugelände längst zum Alltag: Die ehemalige Indus-triebrache am Fuß der Festung Rosenberg ist eines der Beispiele, die zeigen, wie die Blumen-Ausstellungen als Instrumente der Stadtentwicklung funktionieren. Auch hier gibt es übrigens einen beliebten Wasserspielplatz, an dem sich die Kronacher Knirpse ordentlich nass machen.
Die Idee, durch eine Landesgartenschau langfristig Naherholungsgebiete zu schaffen, findet aber nicht immer Zuspruch. Im Bürgerentscheid votierten die Erlanger vor zwei Wochen gegen die für 2024 geplante Schau. Zu stark wurde der Eingriff empfunden - Vergabekriterien und Intransparenz bei den Fördermaßnahmen sind aber auch andernorts schon häufig kritisiert worden.


Und immer wieder nasse Kinder

Dagmar Voß, die Geschäftsführerin der Gesellschaft zur Förderung der Landesgartenschauen verteidigt die Arbeitsweise ihrer Fachleute und äußert Bedauern über die Entscheidung der Erlanger: "Was Gartenschauen hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen, nachhaltigen und für die Bürger fühlbaren Vorteile bringen, sind Erfahrungswerte, die sich erst mit dem Erleben einer durchgeführten Gartenschau einstellen. "
Die Veranstaltung 2024 wird nun neu ausgeschrieben, und Oberfranken bleibt mit bisher fünf der deutliche Gartenschau-Spitzenreiter unter den fränkischen Regierungsbezirken. "Aus Oberfranken erhalten wir einfach mehr Bewerbungen als aus dem restlichen Franken", erklärt Voss. Skepsis gab es es vor den Schauen oft, auch in Oberfranken. Im Nachhinein wurden die Gelände allerdings gut angenommen.
Beliebt sind nicht nur die "großen" Landesgartenschauen, die für gewöhnlich in allen geraden Jahren stattfinden, sondern auch die Natur-in-der-Stadt-Veranstaltungen. Sie werden auch "Kleine Landesgartenschau" genannt und seit 1995 in den ungeraden Jahren veranstaltet. So eine Schau gab es in Oberfranken allerdings bisher nur einmal: In Neustadt bei Coburg wurde der Freizeitpark "Villeneuve sur Lot" für die Kleine Landesgartenschau im Jahr 1999 neu gestaltet. Fast 20 Jahre später nutzen Familien bei freiem Eintritt besonders gern den Kletterspielplatz. Und den Wassermatschbereich: Auch dieses frühere Blumenparadies bietet reichlich Gelegenheit für die Kinder, die Füße nass zu machen. Oder eben ein bisschen mehr.


HINTERGRUND

Die fränkischen Schauen Die ehemaligen Gartenschaugelände sind für die Öffentlichkeit zugänglich. Informationen zu den Besonderheiten und den jeweiligen Attraktionen aller "großen" und "kleinen" Landesgartenschauen in Franken gibt eshier gebündelt in einer interaktiven Karte. Sie zeigt beispielsweise, welche mit 2,5 Millionen die besucherreichste, und welche mit 45 Hektar die größte Gartenschau Bayerns war.
Landesgartenschauen In Bayern gibt es seit 1990 im Zweijahresrhythmus Landesgartenschauen in den geraden Jahren. In den ungeraden werden seit 1995 "Kleine Landesgartenschauen" veranstaltet. Freistaat und EU haben die Bayerischen Gartenschauen bisher mit fast 100 Millionen Euro gefördert.

Garten-Ausstellungen In Privatgärten gibt es schon seit Jahrhunderten gärtnerische Ausstellungen. Richtig groß wurde das Thema aber erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts: 1949 fand in Landau in der Pfalz die Südwestdeutsche Gartenschau statt, 1950 die Deutsche Gartenschau in Stuttgart und 1951 dann die erste Bundesgartenschau in Hannover.
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