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Kommentar

Aktion wird zum Bärendienst für Frau Bär

Auf der Meinungsseite der Samstagsausgabe hat sich Redakteur Ralf Ruppert mit einem Bericht des Spiegels auseinander gesetzt:
Der Spiegel hat Dorothee Bär wegen eines Radl-Stopps in Euerdorf im Visier.Britta Pedersen/dpa
 
von RALF RUPPERT
Im Duden steht's so: Bä|ren|dienst, der, Redensart: jemandem einen Bärendienst erweisen (in guter Absicht etwas tun, was einem anderen, zu dessen Nutzen es gedacht war, schadet). Das fasst gut zusammen, was Mitte August in Euerdorf passierte: Das Modezentrum Mützel hat - in bester Absicht - dem CSU-Ortsverband erlaubt, vor dem Kaufhaus in der Ortsmitte einen Zwischenstopp auf der Radl-Tour der CSU-Bundestagsabgeordneten Dorothee Bär zu machen. Weil die Politikerin gerne mit überdimensionalem Schuh durch die Gegend reist, hat die Familie Mützel eine Rabattaktion draus gemacht. Motto: "Sie liebt Schuhe ... und wir auch!" Inklusive 15 Prozent für alle.

Aber gut gemeint ist eben nicht immer gut gemacht, denn: Für Mitglieder der Bundesregierung - Dorothee Bär war ausdrücklich als Parlamentarische Staatssekretärin im Verkehrsministerium betitelt - gibt es eine Art Ehrenkodex: Laut dem zwar nicht juristisch formulierten, aber doch seit Jahrzehnten üblichen "Neutralitätsgebot" sollen Kanzler, Minister und Staatssekretäre keine Werbung für Firmen machen. Auch nicht im Wahlkampf, und auch nicht im eigenen Wahlkreis.
Wochen später befasste sich plötzlich das Hauptstadtbüro des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" mit dem Thema: Nach deren Anfrage ans Verkehrsministerium ging Dorothee Bär auf Konfrontationskurs, veröffentlichte die Mail als Screenshot in sozialen Medien und beantwortete die Fragen auch noch gleich dort. "Ich wusste im Vorfeld nichts von der Anzeige, freute mich aber über die Unterstützung von Klaus-Dieter Mützel (CSU-Mitglied und Spiegel-Abonnent, Ja, das gibt es!)", schreibt sie darin.

Zudem gibt sie genau Auskunft über alle Umstände: Blasmusik zahlte der CSU-Ortsverband Euerdorf, rund zehn Flaschen Sekt, sechs Flaschen Orangensaft und zwölf Flaschen Wasser habe das Modehaus gestellt. Sie habe aber nur ein Glas genommen. "Aber nicht ganz ausgetrunken", betont die Parlamentarische Staatssekretärin. Zudem habe sie ein T-Shirt und drei Jeans Patches für ihre Tochter gekauft, gibt sich Dorothee transparent und schließt mit einem Seitenhieb auf das "Investigativ Team des Spiegel".

Auch dort menschelt es wohl, und die Geschichte landete prompt in der aktuellen Ausgabe. "Rabattaktion mit Staatssekretärin" ist der Bericht überschrieben, in dem vage gemutmaßt wird, dass Bär "womöglich gegen einen Verhaltenskodex für Regierungsmitglieder verstoßen" hat. Zum Bumerang wird Bärs Antwort in den sozialen Medien: "Jetzt will der Spiegel wissen, ob ich für das Unternehmen geworben habe. Nein. Sie haben für mich geworben", schrieb Bär. Der Spiegel macht nun daraus die Frage, "ob es sich dabei um eine verdeckte Parteispende handelt". Und kramt gleich noch eine Geschichte aus dem Dezember 2016 heraus: Damals hatte die Ebelsbacherin unter der Überschrift "Frau Bär fährt den Bär" den Skoda Kodiaq SUV getestet. Aus heutiger Sicht in Zeiten der Diesel-Affäre ein selbst gemachter Bärendienst, wenn man so will.

"Ich würde es genau so wieder machen", gibt sich der Euerdorfer CSU-Ortsvorsitzende Heribert Schießer trotzig. Und auch Dorothee Bär kann keinen Fehler erkennen, sondern sorgt sich eher um den wohlwollenden Unterstützer Klaus-Dieter Mützel. Der will selbst zu der Sache nichts mehr sagen. Recht hat er, haken wir das Ganze als kleine Sommerloch-Posse im Wahlkampf ab, die aber dennoch eine Lehre bringen sollte: Wer mit der Kanzlerin an einem Tisch sitzt und sich im Lichte ihres Ruhmes sonnt, muss mit diesem Privileg vorsichtig umgehen.
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