Wahlforum

Unterfrankens Grüne wollen wieder in den Bundestag zurückkehren

Noch ist kein Bundestagsabgeordneter aus Unterfranken, doch das soll sich ändern.
Grünes Wahlforum mit den Unterfranken-Kandidaten für den Bundestag von links: Niklas Wagener, Martin Heilig, Barbara Pfeuffer, Manuela Rottmann und Michael Gerr. Foto: Hannes Helferich
 
Neun der derzeit 69 Abgeordneten der Grünen im Bundestag sind aus Bayern. Sie kommen aus Oberbayern (4), Schwaben (2), Mittel-, Oberfranken und Niederbayern. Unterfranken? Fehlanzeige. Der langjährige Vertreter Hans Josef Fell aus Hammelburg war bei der letzten Wahl, platziert auf Rang zwölf, durchgefallen.

Die unterfränkischen Grünen wollen das 2017 "unbedingt ändern", wie es Nicolas Lommatzsch beim "Grünen Wahlforum Schweinfurt" am Montagabend sagte. Fünf Bewerber kämpfen um den Spitzenplatz. In drei Foren präsentierten sie sich der Basis. Nach Aschaffenburg und Würzburg nun in Schweinfurt.

Am 1. Oktober entscheiden die Delegierten auf der Bezirksversammlung, wer ihr Spitzenkandidat wird. Den oder die Auserwählte(n) muss man bei der Landesversammlung in Augsburg am 9. und 10. Dezember auf einen einstelligen Platz bekommen. Denn: Jedes Prozent ist ein Abgeordneter, neun waren es 2013.

Zum Forum nach St. Kilian kamen rund 40 Funktionäre aus Schweinfurt und der Region sowie einige Grünen-Wähler. Moderatorin Ursula Lux stellte alle mit Vita vor, dann nannte jeder seine Schwerpunkte, am Ende die Fragen des Publikums.

Der Würzburger Kreisvorsitzende und wegen seiner Funktion als Bezirksvorsitzender (2007 bis 2014) in Schweinfurt gut bekannte Martin Heilig (40) tritt im Wahlkreis Würzburg an. Der Klimaschutz steht bei ihm an erster Stelle. Wichtig ist dem FOS/BOS-Lehrer, der sich seit 23 Jahren grün engagiert, eine Rückbesinnung "auf unsere grünen Wurzeln und die Idee der Ganzheitlichkeit". Viele Menschen glaubten, nicht mitbestimmen zu können, weshalb seine Maxime sei: Offen sein, zuhören, die Menschen mitnehmen und überzeugen.


Die Bildung fördern

Den Wahlkreis Schweinfurt/Kitzingen vertritt Barbara Pfeuffer (51). Die Bezirksvorsitzende ist Schulpsychologin, ihr Schwerpunkt dementsprechend die Bildung. Bildung führe aus der Armut, fördere Friedensprozesse und treibe die Demokratisierung voran. Seit fünf Jahren ist sie Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft Bildung. Ihre Maxime: eine Politik für alle machen, die sich letztendlich wieder in der jeweiligen Region niederschlägt. Die erfolgreiche Suche nach einem Endlager beispielsweise löse das Problem der Zwischenlager wie in Grafenrheinfeld.

Manuela Rottmann (44, Wahlkreis Rhön-Grabfeld, Bad Kissingen, Haßberge) ist Juristin mit Schwerpunkt Europa-, Energie und Verkehrsrecht. Sie arbeitet seit Jahren in Frankfurt, beschäftigte sich im Stadtdezernat unter OB Petra Roth mit Umwelt-, Natur- und Klimaschutz. Die Würzburgerin, die auch schon im Kreis Schweinfurt und in Hammelburg lebte, will in den ländlichen Raum nach Hammelburg zurückkehren. Die Bundespolitik müsse Ballungsräume und den ländlichen Raum "zusammen denken", wenn sich die Probleme - hier zu viele Menschen, dort Leerstände - lösen sollen.

Den Wahlkreis Aschaffenburg vertritt der 18-jährige Niklas Wagener. Der Student der Forstwirtschaft aus Goldbach ist Sprecher der Grünen Jugend in Unterfranken, Vorstandsmitglied der Bayern-Grünen und will vor allem junge Menschen für die Politik begeistern. In vielen Teilen Unterfrankens fehle es an engagiertem Nachwuchs. In Aschaffenburg wird auf seine Initiative ein Jugendparlament geschaffen. Weiterer Schwerpunkt ist das Thema Flucht, das sich nur lösen lasse, wenn man ihre Ursachen bekämpft.


Interessen der Behinderten

Der Würzburger Stadtrat Michael Gerr (50) hat keinen Wahlkreis. Naheliegende Hauptthemen sind für den Rollstuhlfahrer Behinderung und Inklusion. Gerr wurde von der Bundesarbeitsgemeinschaft Behindertenpolitik der Grünen nominiert. Zehn Prozent der Deutschen lebten mit einer Behinderung, in Schweinfurt seien das 5000 Menschen, denen es aber an der Selbstvertretung im Bundesparlament fehle. Das will er mit seinem Einzug in den Bundestag ändern. In Würzburg hat er einen Aktionsplan Inklusion mit 100 verschiedenen Maßnahmen durchgesetzt.

Fazit zum Forum in Schweinfurt: Einen klaren Sieger gab es an dem Abend nicht. Bei einer nicht repräsentativen Umfrage unter den Zuhörern wurden den beiden Frauen und Heilig die größten Chancen eingeräumt.
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