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Sechs Tote bei Arnstein

Sechs tote Jugendliche bei Arnstein bei Würzbrug: Schrecken schwer greifbar

Der Tod von sechs jungen Menschen in der Gartenlaube bei Arnstein bei Würzburg löst große Betroffenheit aus.
Mitarbeiter der Polizei und der Spurensicherung ermittelten gestern auf dem Grundstück in der Nähe von Arnstein, auf dem am Sonntag sechs junge Menschen tot aufgefunden wurden.  Fotos: Daniel Karmann/dpa
 
von RALF RUPPERT
Unfassbar, schlimm, grausam - das sind nur einige der Reaktionen im Internet auf die Nachricht vom Tod sechs junger Menschen in Arnstein.
Während sich die Polizei von der Obduktion der Leichen neue Erkenntnisse über die Todesursache erhofft und in sozialen Netzwerken Spekulationen kursieren, ist in persönlichen Gesprächen vor allem eine große Anteilnahme zu spüren: "Ich bin sehr betroffen vom schrecklichen Ereignis in Arnstein", sagt etwa der Hammelburger Bürgermeister Armin Warmuth.


Sechs tote Teenager in Gartenlaube: "Tief empfundene Anteilnahme"

Der tragische Tod der sechs Jugendlichen mache alle sprach- und fassungslos. Die "tief empfundene Anteilnahme" der Hammelburger habe er bereits in einem Schreiben an die Nachbarstadt, aber auch ganz persönlich gegenüber der Arnsteiner Bürgermeisterin Anna Stolz zum Ausdruck gebracht.

Auch in den Hammelburger Schulen schlug das Thema am Montag auf: "Wir tragen das vor allem bei den jüngeren Schülern nicht in die Klassen rein, aber wenn es Gesprächsbedarf gibt, geben wir dem Zeit und Raum", sagt Helmut Schreiner, Schulleiter des Frobenius-Gymnasiums zum Krisen-Management in solchen Fällen. Früher besuchten mehrere Schüler aus den Arnsteiner Stadtteilen Schwebenried, Neubessingen oder Altbessingen das Hammelburger Gymnasium, mittlerweile kommt laut Schreiner nur noch ein einziger Schüler aus dem Landkreis Main-Spessart. In seiner Klasse sei das Thema auch besprochen worden.


Räumlich nah, trotzdem weit weg

Zudem gebe es natürlich auch zufällige Anknüpfungspunkte, etwa als sowieso im Chemie-Unterricht über die Gefahr durch Kohlenmonoxid gesprochen wurde. Dann werde auch in naturwissenschaftlichen Fächern der Lehrplan mal beiseite geschoben, um den Gesprächsbedarf der Schüler nicht zu unterdrücken. "Da muss jeder Kollege mit umgehen", sieht Schulleiter Schreiner alle Lehrer in der Pflicht.

"Keine direkte Betroffenheit" stellte Konrektor Christian Buchner an der benachbarten Realschule fest. "Arnstein ist einerseits zwar nur wenige Kilometer entfernt, aber trotzdem gab es eine große Distanz zu dem Thema." In seinem Wirtschafts- und Rechtsunterricht spreche er vor allem in der 9. Klasse zwar die aktuellen Nachrichten durch, aber die Meldung aus Arnstein sei dabei nicht besonders ausführlich behandelt worden. Aber: "Uns hat das natürlich geschockt", fasst Buchner die Reaktionen im Kollegium zusammen. Aktuell hat die Realschule keine Schüler aus dem Stadtgebiet Arnstein.

"Ich bin sehr betroffen", sagt auch Pfarrer Gerhard Götz, der knapp 25 Jahre lang Stadtpfarrer in Arnstein war und mittlerweile als Ruhestandspfarrer in Oberleichtersbach wohnt. "Ich bin vor zwölf Jahren aus Arnstein weg, da ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ich jemanden davon getauft habe", sagt er. Er habe auch gleich am Sonntag Anrufe aus seiner alten Pfarrei bekommen. "Die Menschen wollten ihre Betroffenheit ausdrücken", berichtet Götz, der selbst schon oft als Notfallseelsorger zu schrecklichen Ereignissen gerufen wurde. "Das Wichtigste ist, dass man sich Zeit für die Angehörigen nimmt und sie vielleicht mal in den Arm nimmt", weiß er aus eigener Erfahrung, und: "Ratschläge sind da fehl am Platz, gebraucht werden Offenheit und Mitgefühl."


Gebetsstunde und Gespräche

Pfarrer Edwin Erhard, der bis vor kurzem in Gauaschach, also ganz nah an Arnstein wohnte, war mehr als acht Jahre lang leitender Notfallseelsorger: "Ich habe viel erlebt, aber so etwas Schlimmes war zum Glück nicht dabei", sagt er über die Ereignisse in Arnstein. Auch er habe immer auf Mitgefühl gesetzt: "Man muss erspüren, was die Trauernden brauchen."

Dazu gehöre Fingerspitzengefühl, Können und manchmal auch Glück. Und: "Man muss auch das Schweigen aushalten können, das ist noch schwieriger als Schreien und Toben." Bei den existenziellen Fragen, die in solchen Momenten aufkommen, wisse auch er als Pfarrer manchmal nicht weiter: "Das Leben gibt uns keine Antwort", sagt Erhard zum Zweifel an Gott.

Unter dem Leitwort "Wir halten inne ... Zeit für Trauer, Erinnern, Gebet" gab es gestern in Arnstein eine ökumenische Gebetsstunde zum Gedenken an die sechs toten Jugendlichen. Katholische und evangelische Seelsorger gestalteten die Gebetsstunde und boten danach Gespräche in der örtlichen Grundschule an.

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