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Wechsel

Der neue Chef des Bad Kissinger Amtsgerichts kehrt nur zurück

Mit einem Festakt wurde die Leistung von Matthias Göbhardt gewürdigt. Sein Nachfolger war schon einmal zweieinhalb Jahre in Hammelburg tätig.
Reinhard Oberndorfer (rechts) übernimmt am Amtsgericht Bad Kissingen die Nachfolge von Matthias Göbhardt.  Foto: Siegfried Farkas
 
Matthias Göbhardt war eine Institution in Bad Kissingen. Ab 1999 wirkte er zunächst fünf Jahre als stellvertretender Leiter am Amtsgericht der Kurstadt, danach war er 13 Jahre dort Direktor. Am Montag hat die Justiz Göbhardt nun verabschiedet. Auch Institutionen müssen einmal in Pension gehen.

Göbhardts Nachfolger als Amtsgerichtsdirektor stellte Clemens Lückemann, der Präsident des Oberlandesgerichts Bamberg, bei dieser Gelegenheit auch gleich vor. Der Neue heißt Reinhard Oberndorfer, ist gebürtiger Oberpfälzer, lebt aber schon lange in Schweinfurt und kehrt eigentlich nur zurück.


Ende einer Ära

Mit Göbhardts Abschied sei "eine Ära am Amtsgericht Bad Kissingen zu Ende gegangen", sagte Lückemann. In seiner Zeit im Amt sei der 65-Jährige "in ganz besonderer Weise Stimme und Gesicht" des Amtsgerichts Bad Kissingen geworden.

Göbhardt sei von seinem Wesen her "stets freundlich, verbindlich und kommunikativ". Damit habe er nach innen und außen hohes Ansehen erworben.

Oberndorfer schilderte er als einen Mann, der in seiner bisherigen Karriere in der bayerischen Justiz bereits "ein hohes Maß an fachlicher Flexibilität" bewiesen habe. Eine seiner Stationen war dabei von Mitte 1990 bis November 1993 das Amtsgericht Bad Kissingen, genauer dessen mittlerweile aufgelöste Zweigstelle Hammelburg. Dort habe er mit Ausnahme der Familien- und Vormundschaftssachen praktisch alle Felder bearbeitet, "die ein Amtsgericht zu bieten hat".

Seit 2003 war Oberndorfer am Oberlandesgericht Bamberg tätig. Dort gehörte er dem 3. Zivilsenat an. Neben der richterlichen Tätigkeit war er zudem, so Lückemann, Ansprechpartner für IT-Angelegenheiten und Datenschutzbeauftragter des Oberlandesgerichts. Persönlich, so Lückemann weiter, zeichne sich Oberndorfer "durch einen ausgesprochen praktischen Sinn für das Machbare aus". Zudem habe er ein "ruhiges, freundliches und humorvolles Wesen" und besitze Teamfähigkeit.

Göbhardt nutzte den feierlichen Amtswechsel für eine Abschiedsrede, in der sich Ernsthaftes und Unterhaltsames mischten. Ernst war es ihm mit der Würdigung von Einstellung und Leistung der Mitarbeiter des Amtsgerichts Bad Kissingen. Ernst war es ihm aber auch mit der Kritik an der aus seiner Sicht schlecht vorbereiteten Neuerungen im IT-Wesen der Justiz und den Steinen, die damit den Mitarbeitern in den Weg gelegt worden seien.

Wichtig war es ihm auch, in diesem Zusammenhang auf Achtsamkeit im Umgang mit Mitarbeitern hinzuweisen. Und auf Verständlichkeit der Rechtsprechung für die Bürger.

Besonders lobte Göbhardt die Justiz für die Einführung der Güterichterverfahren. Er habe da selbst gute Erfahrungen gemacht. Wenn Fälle, wo es "primär auf Rechtsbefriedung ankommt", in einer Runde, die lockerer ist als bei einer förmlichen Verhandlung und mit süßen Teilchen und Kaffee besprochen würden, löse sich mancher Streit viel leichter. "Ein Highlight" für ihn persönlich sei auch der Rechtsbildungsunterricht für Asylsuchende 2015 und 2016 gewesen.


Wohlgeordnet hinterlassen

Oberndorfer berichtete, dass er an seiner neuen Wirkungsstätte bereits sehr freundlich aufgenommen worden sei und auch schon große Hilfsbereitschaft erfahren habe. "Die Abläufe am Amtsgericht Bad Kissingen", sagte er, seien so, wie sie sein sollen. Göbhardt habe ein wohlgeordnetes Gericht hinterlassen.

Clemens Lückemann beschäftigte sich in seiner Festansprache auch mit dem Phänomen der so genannten Reichsbürger, die "die Existenz der Bundesrepublik Deutschland leugnen". Auch das Amtsgericht Bad Kissingen sei damit schon befasst gewesen. Das Verhalten dieser Gruppe stelle oft einen Angriff auf die Justiz "und auf unserem Rechtsstaat dar". Es sei selbstverständlich, erklärte Lückemann, "dass derartige Angriffe keinen Erfolg haben dürfen". Bei Straftaten werde konsequent Strafanzeige erstattet und Strafantrag gestellt. "Spätestens, wenn das Bankkonto gepfändet ist", so Lückemann, "oder wenn sich die Zellentür hinter ihm schließt, merkt auch der letzte Reichsbürger, welcher Staat real existiert und welcher nicht".

Auch der neue Kissinger Amtsgerichtsdirektor griff dieses Thema auf. Den Gedanken, dass jemand das deutsche Reich wiederhaben wolle, könne er "überhaupt nicht nachvollziehen". Auch er wolle deshalb dieser Bewegung, "so weit es geht, Grenzen setzen".

Was der Neue will

So lange wie sein Vorgänger Matthias Göbhardt, nämlich 13 Jahre, wird Reinhard Oberndorfer nicht das Amtsgericht Bad Kissingen leiten. Das betonte der Neue am Montag in einer scherzenden Bemerkung selbst. Der in Weiden in der Oberpfalz geborene Amtsgerichtsdirektor ist 60 Jahre alt. Die Politik müsste die Grenze für den Eintritt ins Pensionsalter schon deutlich verändern, wenn er Göbhardt noch erreichen wollte.

Für seine Arbeit in Bad Kissingen kündigte der Neue an, nach innen sei ihm ein gutes Betriebsklima wichtig. Im Außenverhältnis komme es ihm auf Kundenfreundlichkeit an: "Wir sind für den Bürger da, nicht umgekehrt." Natürlich ist das für Strafverfahren differenziert zu betrachten. Im Umgang mit anderen Beteiligten als den Angeklagten sei da oft noch "Luft nach oben".

Sorge macht Oberndorfer der Bedeutungsverlust der Tatsachen, der in Begriffen wie postfaktisch zum Ausdruck kommt. Dieses Thema berühre gerichtliche Arbeit unmittelbar. Es gebe keine alternativen Fakten. Justiz sei darauf angewiesen, dass Tatsachen nicht zur Disposition stehen. Siegfried Farkas
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