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Schaeffler

Schaeffler-Werk in Elfershausen: Belegschaft lässt Dampf ab

Vier Stunden lang hat die erste Betriebsversammlung nach der angekündigten Schließung des Werks Elfershausen gedauert.
Eindrücke rund um die Betriebsversammlung im Schaeffler-Werk Elfershausen. Foto: Ralf Ruppert
 
von RALF RUPPERT
Gleich zwei wichtige Termine gab es gestern für die Beschäftigten des Schaeffler-Werks in Elfershausen: Am Morgen stand das Thema im Landtag auf der Tagesordnung, am Nachmittag fand die erste Betriebsversammlung seit Bekanntwerden der Schließungspläne statt. Nach vier Stunden kamen die Mitarbeiter aus der Schwedenberghalle. Die Reaktionen reichten von "Was willste mach?" bis zu "Wir werden mit allem kämpfen, was wir haben!"


"Inhaltlich nichts Neues"

Betriebsratsvorsitzender Michael Walter informierte in der Versammlung über die bisherigen und geplanten Protestaktionen. "Inhaltlich gab es nichts Neues", sagte er nach der Versammlung. Das habe er auch gar nicht erwartet, wichtiger sei die klare Botschaft der Belegschaft gewesen: "Wir lehnen eine Werksschließung und betriebsbedingte Kündigungen ab", lautet eine davon. "Schaeffler hat eine soziale Verantwortung", eine weitere.

Und er rechnete vor, dass die Mitarbeiter im Schnitt in den vergangenen zehn Jahren eineinhalb Jahre zusätzlich unentgeltlich gearbeitet haben, das entspreche einem Gegenwert von insgesamt 17 Millionen Euro. Walter berichtete, dass sich Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) bereits zum Besuch angekündigt habe.


Von Verleihung ausgeladen?

Dazu passte die Nachricht, dass Unternehmerin Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann vorerst wohl nicht die Staatsmedaille für besondere Verdienste um die Bayerische Wirtschaft erhält. Die Firmenchefin war laut Medienberichten angeblich von Wirtschaftsministerin Ilse Aigner von der Festveranstaltung am Montagabend ausgeladen worden. Die offizielle Version des Wirtschaftsministeriums lautet, dass Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann aus terminlichen Gründen nicht an der Feierstunde in München teilnehmen konnte, aber die Auszeichnung nachgeholt werde.

"Entscheidend war, dass die Arbeitgeber von der Belegschaft gespiegelt bekommen, was sie von den Plänen halten", sagte Thomas Höhn von der IG Metall. Die Versammlung sei "sehr emotional" gewesen, Teilnehmer berichteten von einem eher ruhigen ersten Teil mit mehreren Vorträgen, lebhafter wurde es wohl zum Ende hin während der offenen Aussprache.

Norbert Lenhard, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats, Betriebsratsvorsitzender in Schweinfurt und Mitglied des Aufsichtsrates, wies in der Versammlung darauf hin, dass auch am Standort Schweinfurt Kurzarbeit herrsche. "Viele denken, dass dort alle unterkommen, aber dem ist nicht so."


"Viele Gründe gegen Schließung"

Als einziger externer Gast war neben Gewerkschaftsvertretern Landrat Thomas Bold (CSU) in der Betriebsversammlung. Er sieht auch nach der vierstündigen Veranstaltung die Schließung als nicht plausibel an: "Ich kann verstehen, dass die Beschäftigten das nicht verstehen", sagte er, und: "Es gibt viele Gründe gegen die Schließung." Das Werk sei auch laut Unternehmensleitung rentabel und liefere gute Qualität ab.

Die Schaeffler-Vertreter gaben nach der Versammlung keine Erklärung ab. "Aus Sicht des Unternehmens gibt es derzeit keine neuen Informationen", hieß es lapidar aus der Schaeffler-Unternehmenskommunikation. Die Mitarbeiter seien in der Betriebsversammlung über die Pläne des Unternehmens informiert worden. Und weiter: "Alle weiteren Details zu den geplanten Maßnahmen sind Gegenstand der nun anstehenden Verhandlungen."

Gestern wurde über Dringlichkeitsanträge der CSU- und der SPD-Landtagsfraktion beraten. Darin wird die Staatsregierung aufgefordert, "alle denkbaren politischen Maßnahmen auszuloten und entsprechende Aktivitäten zu ergreifen, um das Schaeffler-Werk in Elfershausen zu erhalten". MdL Sandro Kirchner (CSU) freut sich über die breite Unterstützung seiner Kollegen im Landtag. "Es ist ein parteiübergreifender Konsens da. Die Sorgen aus der Region werden ernst genommen." Viele Abgeordnete hätten überrascht auf die Ankündigungen von Schaeffler reagiert. Die Standortsicherungsverträge mit dem Unternehmen, die Rentabilität des Werks in Elfershausen, die fünf unbezahlten Arbeitsstunden, die jeder Mitarbeiter pro Woche leistet: Vieles spreche für Elfershausen. Dass die Unternehmensführung dennoch die Ausstiegsklausel ziehe, stoße auf wenig Verständnis. "Das verursacht Enttäuschung und ist ein falsches Signal an andere Unternehmen." Er hält den Standort in besonderem Maß für zukunftsfähig. "Die Mitarbeiter sind gut ausgebildet und offen für neue Technologien."

Kirchner betont, dass die Politik sich nur vermittelnd einbringen kann. Es sei wichtig, keine falschen Erwartungen zu wecken. Mitte Dezember wird es zu einem Treffen zwischen Ministerin Aigner und dem Vorstandsvorsitzenden von Schaeffler, Klaus Rosenfeld, kommen. Der Landtag hat die Staatsregierung außerdem aufgefordert, etwas für die Region zu tun. "Wir haben in Hammelburg bei Fleischwaren Lutz erst 100 Arbeitsplätze verloren und jetzt kommt Schaeffler noch dazu." Es gelte, eine für den Landkreis schädliche Entwicklung abzuwenden. Der Freistaat solle unter anderem seine Regionalförderung überdenken.

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