Valencia
Rückrunden-Vorbereitung

Beharrlich und zielstrebig: Wie Köllner den 1. FC Nürnberg wieder auf Erfolgskurs bringt

Seit März 2017 hat Michael Köllner das Sagen beim 1. FC Nürnberg - er hat den Traditionsverein binnen weniger Monate zu einem Aufstiegskandidaten geformt.
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Der Nürnberger Trainer Michael Köllner (l) jubelt mit dem FCN-Sportdirektor Andreas Bornemann über den Sieg der Mannschaft. Foto: Daniel Karmann/dpa
Der Nürnberger Trainer Michael Köllner (l) jubelt mit dem FCN-Sportdirektor Andreas Bornemann über den Sieg der Mannschaft. Foto: Daniel Karmann/dpa
Den eigentlich freien Nachmittag im Trainingslager in Valencia verbrachte Michael Köllner 70 Kilometer südlich, in Oliva Nova. Nicht etwa, weil es dort landschaftlich besonders schön ist, sondern weil Union Berlin, der übernächste Gegner in der 2. Liga, ein Testspiel gegen KAA Gent (3:1) bestritt.

Der Trainer des 1. FC Nürnberg ist Tag und Nacht für seinen Verein da. Besessen von der Idee, den ganzen "Club" kurz- bis mittelfristig auf ein höheres Niveau zu bringen. Und, wer weiß: im Mai vielleicht sogar in die Bundesliga?

Erfolg hatte der 48-Jährige früher auch schon, nur eben noch nicht auf der größeren Bühne. Noch heute erzählen sie sich beim Rivalen Fürth die Geschichte vom 7:1-Erfolg gegen den FC Bayern. Damals, mit der U17 der Spielvereinigung, unter der Leitung von Michael Köllner.


Beharrlich und zielstrebig

Langsam, aber beharrlich und extrem zielstrebig hat er sich nach oben gearbeitet. Köllner, der mit zwei Kollegen nach wie vor das Nachwuchsleistungszentrum führt, ist häufig der erste, der morgens auf dem Vereinsgelände auftaucht. Und er ist einer der letzten, die es verlassen. 15-, 16-Stunden-Tage sind mehr Regel als Ausnahme im Leben des Workaholic aus Fuchsmühl. Selbst das Mannschaftshotel nahe Valencia inspizierte er vorab. Morgens hin, abends zurück - und das in seiner Freizeit.

Dass Köllners Durchbruch doch etwas auf sich warten ließ, ist auch seinem Wesen geschuldet. Selbst vor laufender Kamera sagt er unverblümt seine Meinung. In der Kabine ebenso, wie Spieler berichten. Das kommt nicht immer bei jedem gut an, gehört aber zum Geschäft, wie Köllner findet. Kritik muss sein, solange sie etwas bewirken, etwas auslösen kann.


Direkter Aufstieg möglich?

Auch so hat er in den vergangenen Monaten beim FCN eine Einheit geformt, die, wie viele Experten glauben, direkt aufsteigen kann. In der Winterpause sind die Franken mit 33 Punkten Dritter hinter Holstein Kiel (33) und Fortuna Düsseldorf (34). Wer nicht hundertprozentig mitzieht, kann gehen.

Selbst wenn er Cedric Teuchert heißt und fast sämtliche U-Mannschaften des DFB durchlaufen hat.
"Cedric wollte unbedingt weg, damit muss man leben" sagte Köllner am Tag nach Teucherts Wechsel zum FC Schalke, "ein unzufriedener Spieler hilft uns nicht weiter." Sauer sei er deswegen nicht, es gibt ja genügend andere. Niemand ist größer als der Verein - mit diesem Credo hat sich Köllner, der im März 2016 das Nachwuchsleistungszentrum übernahm und drei Monate später auch die U21, in den vergangenen Jahren nicht nur Freunde gemacht.

Bereits seit 2004 darf er sich Fußballlehrer nennen, an seinem Kurs nahmen seinerzeit auch der frühere Gladbacher Trainer André Schubert, der Schotte Paul Lambert, der Fürther Aufstiegstrainer Mike Büskens oder Österreichs Nationaltrainer Franco Foda teil. Viele Kontakte hat er gepflegt und sich ein Netzwerk aufgebaut, von dem andere nur träumen können.

Auch deswegen ist Andreas Bornemann mit dem Nachfolger von Alois Schwartz mehr als zufrieden. "Es war richtig, sich für Michael Köllner als Cheftrainer zu entscheiden", sagte der Sportvorstand, damals, Anfang März. "Auch wenn da nicht alle Hurra geschrien haben."
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