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1. FC Nürnberg: Unruhe beim Club? Zwei Niederlagen sorgen für Zweifel im und am Team

Nach der Niederlage des 1. FC Nürnberg gegen Ingolstadt tauchen Zweifel am Kader auf. Bricht nun wieder Unruhe beim Club aus?
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Bedient nach seinem spielentscheidenden Fehler: Club-Torwart Thorsten Kirschbaum. Heiko Becker
Bedient nach seinem spielentscheidenden Fehler: Club-Torwart Thorsten Kirschbaum. Heiko Becker
Die Rückkehr in die Bundesliga war nicht das offizielle Ziel, mit dem der 1. FC Nürnberg in die Zweitliga-Saison gestartet ist. Aber ein spannend besetzter Kader und ein ambitionierter Trainer nährten mit Erfolgen und guten Leistungen im ersten Saisondrittel die Hoffnung, dass es damit etwas werden könnte. Doch in den letzten beiden Spielen säten die Club-Profis Zweifel an ihrer Aufstiegstauglichkeit. Und das liegt nicht nur daran, dass nach dem 0:1 in Heidenheim auch das Montagabendspiel gegen den FC Ingolstadt mit einer Niederlage endete (1:2).

Das druckvolle Angriffsspiel, mit dem die Mannschaft sich unter Köllner aus dem Zweitliga-Einheitsbrei wohltuend abgehoben hatte, es fand nicht mehr statt. Die zweite Hälfte gegen Ingolstadt verbrachte der Club kleinlaut in der eigenen Hälfte, ließ den - zugegebenermaßen stark spielenden - Gegner einfach machen. "Wir haben uns eingeigelt. Ich weiß nicht warum. Es war nicht unser Plan", sagte Kevin Möhwald.

Dass der Mittelfeldspieler zu den Journalisten geschickt wurde, hatte seinen Grund nicht nur in Möhwalds schönem, von Cedric Teuchert inszenierten Tor zum 1:1-Ausgleich (36.). Möhwald war noch der Lichtblick im Club-Mittelfeld, während die defensiveren Kollegen Hanno Behrens und Patrick Erras zunehmend SOS funkten. "Wir waren zu passiv, das geht nicht. Wir müssen den Gegner wieder aggressiv anlaufen", sagte Möhwald und nannte die Aufgabe für die zweiwöchige Länderspielpause: "Alle, mich eingeschlossen, müssen sich hinterfragen."


Moderate Kritik des Trainers

Auf dessen sehr offene Worte angesprochen, reagierte Michael Köllner mäßig begeistert: "Kevin ist grundsätzlich ein kritischer Zeitgenosse." Der Trainer selbst äußerte nur sehr moderate Kritik an seiner Mannschaft - was vielleicht auch an der ansehnlichen ersten Hälfte lag. Dass Nürnberg danach so defensiv agierte, empfand Köllner nicht als Makel: "Wir konnten es gut verteidigen vor der Box." Dass es "nur eine Frage der Zeit" (Möhwald) gewesen sei, bis man ein Tor kassieren würde, hatte Köllner keineswegs so gesehen: "Ein 1:1-Spiel hat sich abgezeichnet."

Aus einem möglichen Punkt wurde aber keiner, weil sich Torwart Thorsten Kirschbaum bei einem Rückpass eine technische Schwäche leistete und der von ihm anschließend umgenietete Ingolstadter Dario Lezcano den fälligen Foulelfmeter zum 1:2 nutzte (81.). Regelwidrig allerdings, weil der Mann aus Paraguay beim Anlauf frech stehen blieb. Doch Schiedsrichter Felix Zwayer sah nicht genau hin und ließ die Ausführung nicht wiederholen.


Zu viele individuelle Fehler

Es sind individuelle Fehler wie der von Kirschbaum, die dem Club in schöner Regelmäßigkeit Punkte kosten. Schon sieben Elfmeter kassierte die Mannschaft in bisher 13 Zweitliga-Spielen und das nicht, weil die Schiedsrichter viel falsch gemacht hätten. Bei der Heimniederlage gegen Bielefeld hatte Eduard Löwen ähnlich krass und entscheidend gepatzt wie nun der Torwart. Der zusammen mit seinem Coach kometenhaft aus dem Regionalliga-Team emporgestiegene Löwen zeigt derzeit mit die deutlichsten Verschleißerscheinungen.

Während Ingolstadt unter dem neuen Trainer Stefan Leitl zuletzt 13 von 15 möglichen Punkten holte und sich über Tabellenrang fünf freut, ist Nürnberg einen Platz davor weniger zufrieden. Der Rückstand auf Holstein Kiel, das dem zweiten Aufstiegsplatz besetzt, beträgt bereits sieben Punkte. Dass der überraschend starke Aufsteiger am 18. November - wieder zu Hause - nächster Club-Gegner ist, lädt die Partie in ihrer Bedeutung enorm auf. Auch Köllner weiß, wie wichtig es ist, "bis zur Winterpause in eine gute Position zu kommen".

Eine, die für das Frühjahr noch alle positiven Optionen offen lässt. Sorgen mache er sich "überhaupt nicht", beteuerte Köllner. "Wir haben einfach eine schlechte Phase mit zwei Niederlagen." Aber er, der sonst immer für einen Lacher gut ist, wirkte ziemlich gestresst.

Dass Teuchert und Löwen nun mit der U-21-Nationalmannschaft zu EM-Qualifikationsspielen nach Aserbaidschan und Israel reisen, passt dem Trainer in dieser labilen Phase nicht in den Kram. Patrick Kammerbauer, dessen Gehirnerschütterung aus dem Pokalspiel in Osnabrück noch nicht ausgestanden ist, und Lukas Mühl (Bauchmuskelverletzung), die für die deutsche U 20 nominiert waren, sagten ihre Nationalmannschaftsreise ab.

Infos zum DFB-Pokal
1. FC Nürnberg gegen VFL Wolfsburg
Wann: Dienstag, 19. Dezember 2017 um 20.45
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