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Gespräch

Nur München war als Metropolregion angedacht

Nürnbergs OB Ulrich Maly erinnert sich an den Weg zur Gründung einer eigenen Metropolregion Nürnberg.
Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD)  Foto: Matthias Hoch
 
von KLAUS ANGERSTEIN
Wie kam eigentlich die Idee zur Gründung von Metropolregionen auf? Und wer machte den Vorreiter? Wir unterhielten uns mit einem, der es wissen muss, mit Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD). Er war der erste Ratsvorsitzende der Metropolregion, treibende Kraft in der Gründungsphase, als Bürgermeister der größten fränkischen Kommune natürlich auch in besonderer Verantwortung.

Eigentlich, so Maly, seien Metropolregionen ein völlig theoretisches Konstrukt der Europäischen Union. "In der EU hat man anfang der 90er Jahre nach einer Wachstumsstrategie gesucht. Um es etwas zugespitzt zu formulieren: Da hat dann nachts mal jemand ein Satellitenbild von Europa angeschaut. Und da- bei hellere und dunklere Flecken entdeckt".

Bei den helleren Flecken handelte es sich um die großen Metropolen auf dem Kontinent. Von hier aus, so die Überlegung, sollte Licht in die dunkleren Gegenden geliefert werden, um für das angestrebte Wachstum zu sorgen. Die Idee der europäischen Metropolregionen war geboren. Die Mitgliedstaaten wurden aufgefordert eine Liste der in den jeweiligen Ländern angedachten Metropolregionen zu erstellen. Das Interessante dabei: Nürnberg und Franken sei da anfänglich gar nicht dabei gewesen. Für Bayern sei - natürlich - nur München als Metropolregion vorgesehen gewesen. Die Denke sei damals gewesen, dass Bayern die kleinste denkbare Einheit in einem Europa der Regionen darstelle.

"Wir haben uns darauf hin mit Wirtschaftsvertretern in Nordbayern zusammengesetzt, weil dieser Raum ökonomisch durchaus eine vernetzte Einheit darstellt und es in einem längeren Prozess schließlich erreicht, dass neben München die Region um Nürnberg ebenfalls als Metropolregion auf der europäischen Landkarte auftauchte".

Im bayerischen Landesentwicklungsplan habe man anfänglich aber noch nicht gestanden, so Maly. Das wollte der damalige Wirtschaftsminister Otto Wiesheu nicht. "Aber er hatte nichts dagegen, dass wir uns ohne Vorgaben aus München so organisieren konnten wie wir wollten", erinnert sich Maly. "Für uns war das ein großer Vorteil, geradezu ein Glücksfall".

Damit begann Malys Job erst so richtig. Eine tragfähige Organisationsform musste entwickelt werden. Gesetzliche Normierungen lagen nicht vor, Von Anfang an konnte man bei der vorgesehenen Kooperation der fränkischen Kommunen auf Zwang verzichten, setzte statt dessen auf das Prinzip der Freiwilligkeit. Maly: "Ich bin daraufhin durch zahlreiche Kreistage und Stadträte getingelt und habe dafür geworben, dass wir uns für eine bestimmte Zahl gemeinsamer Aufgaben zusammenschließen". Das alles sollte nicht nur freiwillig geschehen, sondern auf Augenhöhe. Heißt, die Kooperationspartner haben die gleichen Rechte, egal ob Großstadt oder kleine Gemeinde. "Keiner musste Angst haben vor einer feindlichen Übernahme". Der ländliche Raum wurde sogar noch besonders gestärkt. Und zwar dadurch, dass im Rat der Metropolregion jeder Landkreis doppelt und jede kreisfreie Stadt nur einfach vertreten ist.

Diese Idee einer so organisierten strategischen Allianz überzeugte schließlich alle. Nur eine Ausnahme gab's - Würzburg. Die Unterfranken, die anfänglich der Metropolregion beitraten, schieden im Jahr 2010 wieder aus.
Zu Beginn der Arbeit habe man nicht Außengrenzen festgelegt, so Maly, sondern sich über gemeinsame Handlungsfelder, also Inhalte, definiert. Politisch betrachtet sei das Ganze ein Versuch gewesen, das vorher gültige Wort "fränkisch ist gleich zänkisch" zum Verschwinden zu bringen. Das hat mit Ausnahme Würzburgs ja auch ganz gut funktioniert. Aber warum sperrten sich gerade die Würzburger? "Das Thema war in Würzburg anders als andernorts zwischen den großen politischen Parteien ein Streitpunkt. Würzburg hat zudem vor dem Hintergrund seiner Größe und seiner Historie zu Recht ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein. Hinzukomme, dass man sich hier ökonomisch mehr Richtung Frankfurt orientiert.

Malys Bilanz in Sachen Metropolregion Nürnberg: "Die Anstrengungen zu deutlich mehr Gemeinsamkeit einer ansonsten oft zerstrittenen Region scheinen mir mit der Metropolregion ganz gut gelungen".

zum Thema "Metropolregion"

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