Ich willige einX

Diese Website verwendet das Besucheraktions-Pixel von Facebook für statistische Zwecke. Mit einem Cookie kann so nachvollzogen werden, wie unser Marketing auf Facebook wirkt und wie wir es verbessern können. Wir freuen uns, wenn Sie uns Ihr Einverständnis hierzu erteilen. Eine genaue Beschreibung zum „Besucheraktions-Pixel“, zu Cookies im Allgemeinen und Ihrem Widerspruchsrecht, das Sie jederzeit ausüben können, steht Ihnen in unserer Datenschutzerklärung unter hier zur Verfügung.

Verkehr

Schildbürgerstreich? Nürnberg muss Tempo-10-Zonen abschaffen

Zahlreiche Tempo-10-Schilder müssen in Nürnberg wieder abgebaut werden. Der Grund: Die Verkehrsschilder waren ungültig.
Zahlreiche Tempo-10-Schilder müssen in Nürnberg wieder abgebaut werden. Der Grund: Die Verkehrsschilder waren ungültig. Foto: Nikolas Pelke
 
von NIKOLAS PELKE
Offiziell gab es die Schilder überhaupt nicht. Selbst Geschwindigkeitskontrollen waren in den Tempo-10-Zonen aus rechtlichen Gründen nicht möglich.

Nun zieht die Stadt die Reißleine. Die Tempo-10 werden durch Tempo-20-Zonen ersetzt. Marcus König, Stadtrat und verkehrspolitischer Sprecher der CSU-Fraktion im Rathaus, kritisiert den "ideologischen Blödsinn" der städtischen Verkehrsplaner in der Frankenmetropole.

Die Schildbürger hätten sich diese Aktion nicht besser ausdenken können. In Nürnberg sind Ratsmitglieder und Verkehrsplaner gemeinsam auf die glorreiche Idee gekommen, Schilder aufzustellen, die es offiziell überhaupt nicht gibt.

Konkret wurden an mehreren Stellen in der Stadt ab 2008 Tempo-10-Zonen eingerichtet und entsprechende Schilder aufgestellt. Das Problem: Offiziell gab es diese Schilder zuletzt nicht mehr. Damit war auch das Tempolimit null und nichtig.


"Absoluter Quatsch"

Laut einer Weisung des Freistaates durfte die Stadt in den neuen 10er-Zonen spätestens ab 2014 keine Geschwindigkeitskontrollen mehr durchführen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass Autofahrer trotz des vorgegebenen Schneckentempos kräftiger aufs Gaspedal drücken konnten.
Über diesen "ideologischen Unsinn" kann Marcus König, Stadtrat und verkehrspolitischer Sprecher der CSU-Fraktion im Nürnberger Rathaus, nur den Kopf schütteln. "Es ist doch absoluter Quatsch ein Schild aufzustellen, dass es überhaupt nicht gibt", ärgert sich König.

Freilich, gibt König zu, habe selbst die CSU bei diesem Blödsinn mitgemacht. Allerdings, verteidigt sich König, hätten die Rathausspitzen um Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) damals von einer kurzen Pilotphase gesprochen. Die dauerte am Ende fast zehn Jahre. Im Rathaus bewertet man den "Schilderstreit" etwas anders. In den Augen der Stadtverwaltung tragen andere offensichtlich die Schuld.

Unter der Überschrift "Nürnberg führt Tempo 20-Zonen ein" rühmt sich die Stadt sogar dafür, "vor einer Änderung der Beschilderung noch die Neufassung des Verkehrszeichenkatalogs im März 2017 abgewartet" zu haben. Nachdem das Bundesverkehrsministerium das rechteckige 10-Kilometer-pro-Stunde-Schild in den neuen amtlichen Verkehrszeichenkatalog nicht aufgenommen habe, müsse nun auch Nürnberg die Beschilderung ändern und aus den alten Tempo10-Zonen beispielsweise in der Gostenhofer Hauptstraße neue Tempo-20-Zonen machen. Nach einem Schuldeingeständnis klingt das nicht.



Ganz verschwinden werden Tempo-10-Schilder aus Nürnberg sowieso nicht. Für einzelne Strecken bleiben sie der Stadt erhalten, betont Frank Jülich vom Verkehrsplanungsamt. Erst kürzlich habe man vor der Uhland-Schule eine Ampel abgebaut und stattdessen im Kreuzungsbereich runde Tempo-10-Schilder aufgestellt. "Tempo 30 wäre hier zu viel gewesen", erklärt Frank Jülich, der allerdings einräumen muss, dass die neue Schneckentempo-Strecke zu kurz für Geschwindigkeitskontrollen sei.

Genau dieses Beispiel vor der Uhland-Schule im Norden der Stadt bringt den CSU-Verkehrsexperten auf die sprichwörtliche Palme. An der Uhland-Schule hätten die Verkehrsplaner den besorgten Eltern versprochen, dass sich die Verkehrssicherheit für die Schulkinder nach dem Wegfall der Ampel und der Einführung von Tempo-10 erhöht. Stattdessen hätten die modernen Ideen der "ideologischen Verkehrsplaner" in der Praxis zum Gegenteil geführt. Jülich räumt Probleme und Beschwerden am Montag gegenüber diesem Medienhaus ein und kündigt Nachbesserungen an. Er hofft darauf, dass sich die Autofahrer an die Tempo-10-Schilder halten - selbst wenn man das Tempolimit nicht kontrollieren könne.
Newsletter kostenlos abonnieren


noch Zeichen



Bitte melden Sie sich an, um kommentieren zu können:

Sie sind noch nicht registriert? Bitte hier registrieren.