Nürnberg
Wohlgefühl

Katzencafé Nürnberg: Nahrung für Leib und Seele

In Nürnberg genießen Menschen in Gesellschaft flauschiger Stubentiger veganes Essen
Artikel einbetten Artikel drucken
Bei Lucky ist der Name Programm: Die dreifarbige Glückskatze gehört zu den tierisch kuscheligen "Mitarbeitern" des Cafés Katzentempel.
Bei Lucky ist der Name Programm: Die dreifarbige Glückskatze gehört zu den tierisch kuscheligen "Mitarbeitern" des Cafés Katzentempel.
+3 Bilder

Ü berlebensgroß sind sie nicht, die Katzen im Nürnberger Café Katzentempel. Auch wenn sich alles hier um sie dreht, muss man beim ersten Eintreten zweimal hinsehen, ehe man sie bemerkt. Lucky, die ihren Namen zurecht trägt, weil sie eine dreifarbige Glückskatze ist, hat sich für ein Schläfchen in die am Boden liegende Tasche eines Gastes zurückgezogen. Nur der Kopf guckt raus. Samira, die blauäugige Siamdame, ist sich ihrer Rolle bewusster und räkelt sich im Schaufenster auf einem Kratzbaum, ganz in die Körperpflege vertieft. "Da will sie in Ruhe gelassen werden", klärt mich die Dame am Nachbartisch auf, während sie Samira verzückt beobachtet. Sie liebt Katzen, wie sie unumwunden zugibt. "Zu Hause kann ich keine halten, wegen meiner Allergie. Aber hier geht es."

Jetzt schreitet Prince über den Teppich inmitten des Cafés; es dürfte gerne ein roter sein, so, wie er sich bewegt: groß und schwarz-weiß, ganz Kater, ganz Herr der Situation. Sein Adlatus heißt Peter, ist staubgrau getigert und so schlacksig, wie einjährige Halbstarke es nun einmal sind. Irgendwo muss auch noch Paula stecken, vielleicht hinter der Tür mit der Aufschrift "Cats only"? Dorthin kann sich der Star-Cast des Katzencafés zurückziehen, wenn es ihm zu viel werden sollte. Zuviel Bewunderung, zu viel Liebe, zu viele Spielangebote, zu viele Möglichkeiten, sich auf Hochsitze, Kratzbäume, Kletterbretter und quer durch den Raum gespannte Hoch-Röhren-Konstruktionen zu begeben.

Der erste Eindruck, der sich bald verstärkt, zeigt, dass die Katzen sich sozusagen pudelwohl fühlen in ihrem Café, ganz Herr der Lage sind und die Klappe eigentlich nur zum Fressen aufsuchen.

Wo hat man auch schon so viele rücksichtsvolle Fans wie hier im Café? Wo sonst gibt es erwachsene Männer, die sich herbeilassen, in der Spielecke mit einer Angel zu wedeln? Wo Menschen, die gerne Neuankömmlinge darüber aufklären, wie man sich Katzwürden gegenüber angemessen benimmt und sogar noch entzückt sind, wenn man ihre Handtaschen zu Lagern erklärt und die Pfoten an ihren Sitzkissen schärft (es sind ja nicht die eigenen)?


Keine Hektik im Tempel

Das gibt es nur im Katzencafé. Und dazu ein Ambiente, das liebevoll auf die Tiere abgestimmt ist, aber nicht mit barockem Kitsch prunkt, wie es ja beim Thema Katze problemlos möglich wäre. Nein, der Tempel bleibt geschmackvoll und gelassen. Genau so ist auch die Atmosphäre.

Es ist erfreulich still für ein Lokal. Klar, man will die Tiere nicht mit lauter Hintergrundmusik und Hektik stressen. Dabei kommt man unversehens selbst in den Genuss der geübten Rücksicht. Das ist angenehm und man fragt sich: Warum eigentlich benötigt man eine Katzenhorde als Vorwand, um auch als Mensch von diesem Anliegen profitieren zu dürfen?

Die Speisekarte ist vegan, angemessen für ein Lokal, das sich der Liebe zum Tier verschrieben hat. Als günstiger Nebeneffekt ergibt sich, dass die Katzen sich nicht für die Speisen interessieren. Alles ist biologisch, regional eingekauft und selbst zubereitet. Auf Facebook wird die Küche so einhellig gelobt wie der Service. Das Angebot reicht von diversen Frühstücken über Salate, Suppen und andere warme Gerichte bis zu Kuchen und Torten zum Kaffee.

Der Besitzer, Wolfgang Bayer, arbeitet hier mit seiner Frau. Sie haben zwei Katzen daheim und kümmern sich rührend um ihre vierbeinigen Mitarbeiter im Lokal, aber auch um die menschlichen Gäste. Am Eingang erwartet Bayer jeden Gast und bringt ihm die Regeln des Cafés nahe, damit niemand auf die Katzen tritt oder sie belästigt. Er tut es gut gelaunt und bodenständig.

Der Katzentempel ist ein Lizenzunternehmen, das in München gegründet wurde und jetzt mit Nürnberg und Hamburg erste Ableger bildet. Während Wolfgang Bayer erzählt, kommt Peter bei uns vorbei, der Nachwuchskater. Er stammt, wie alle Katzen, von Tierschutzorganisationen. "Er ist noch so dünn." Wolfgang Bayer krault das Katerchen kundig. "Er hat Zahnfleischprobleme, eine Folge seiner schweren Jugend. Vielleicht müssen wir uns da noch was einfallen lassen."

Der Tierschutzgedanke ist Bayer so wichtig wie dem Gründer des Katzentempels. Der studierte BWLer hat lange in der Wirtschaft gearbeitet und doch nach etwas Eigenem gesucht, das er wirklich mit Herz und Engagement betreiben könnte. Wie es aussieht, hat er es gefunden.

Verwandte Artikel
Verwandte Fotoserien
Noch keine Kommentare
Sie sind nicht angemeldet.
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentieren zu können!
registrieren