Nürnberg
Geburtenhilfe

Engpässe bei Geburtenhilfe? Schiedsspruch bringt Hebammen und Kliniken in die Bredouille

Der Streit zwischen Hebammen und Verbänden wurde per Schiedsspruch entschieden. Nun fragen sich viele Hebammen und Kliniken, wie es weiter gehen soll.
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Der Streit zwischen Hebammen und Verbänden wurde durch einen Schiedsspruch entschieden. Nun fragen sich viele Hebammen und Kliniken wie es weiter gehen soll. Foto: Symbolbild / pixabay.com
Der Streit zwischen Hebammen und Verbänden wurde durch einen Schiedsspruch entschieden. Nun fragen sich viele Hebammen und Kliniken wie es weiter gehen soll. Foto: Symbolbild / pixabay.com
Nach dem Schiedsspruch im Streit zwischen den Hebammen und den Spitzenverbänden der gesetzlichen Krankenkassen befürchten Kliniken und Hebammen Probleme in der Geburtshilfe. Vor allen Dingen Kliniken mit Beleghebammen seien betroffen, sagte Astrid Giesen, Vorsitzende des Bayerischen Hebammen Landesverbandes. Der Chefarzt der großen Geburtshilfe-Abteilung der Klink Hallerwiese in Nürnberg, Franz Kainer, kritisierte die geplante neue Abrechnung mit Beleghebammen als unfair und unverständlich. Die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) betonte unterdessen: "Die Geburtshilfe in Bayern ist gesichert."


Wirtschaftliches Arbeiten wird zur Unmöglichkeit

Nach dem Schiedsspruch sollen freiberufliche Hebammen nur noch die Betreuung von zwei gebärenden Frauen gleichzeitig abrechnen können. Sollten sie noch eine dritte oder vierte Frau zur gleichen Zeit betreuen, werden sie dafür von der Kasse nicht extra bezahlt. Das gehe aus dem Schiedsspruch hervor, der jedoch noch nicht schriftlich vorliegt, erklärte die Verwaltungsleiterin der Klinik Hallerwiese, Corinna Meckel. Zwar sei so eine Reduzierung "für die Frauen schön und an sich richtig", sagte Hebammensprecherin Giesen. Allerdings könnten die Beleghebammen bei den gültigen Abrechnungssätzen so nicht wirtschaftlich arbeiten.

Hallerwiese-Chefarzt Kainer sagte, der Schiedsspruch beschneide das "optimal flexible System" mit freiberuflichen Hebammen und setze auf das seiner Ansicht nach schlechtere System mit in Kliniken angestellten Hebammen. Dies sei "logisch nicht nachvollziehbar". Meckel erläuterte, immer mehr Hebammen würden sich in Zukunft überlegen, ob sie noch in der Geburtshilfe arbeiten wollten. Die Hallerwiese verhandle derzeit mit ihren 23 Beleghebammen, die jährlich etwa 3.500 Geburten stemmen. Man werde eine Kreißsaal-Sekretärin einstellen und voraussichtlich pro Schicht eine fünfte Hebamme in Rufbereitschaft halten, sagte Meckel.



Ministerin Huml bezieht Stellung

Gesundheitsministerin Huml sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Donnerstag auf Anfrage, sie nehme die Sorgen der Hebammen sehr ernst. Zumal der Anteil an Beleghebammen weit über dem bundesweiten Durchschnitt von 17,2 Prozent liege. Sie habe Verständnis dafür, dass viele Hebammen mit Schiedsspruch unzufrieden sind. Für die Vergütung der Beleghebammen seien jedoch die Vertragspartner auf Bundesebene zuständig. Auch könne sie rein zahlenmäßig keinen Hebammenmangel in Bayern feststellen, betonte die CSU-Politikerin: "Jede werdende Mutter kann innerhalb einer zumutbaren Zeit eine Geburtsklinik erreichen."

Das bezweifelt Hebammenverbands-Vorsitzende Giesen. Durch die Schließung der kleinen Geburtshilfestationen in etlichen Kliniken seien die Wege für Frauen mit Wehen oft sehr lang. "Gut 30 Minuten Fahrzeit vom Wohnort zur Klinik gelten als noch zumutbare Obergrenze für Frau und Kind - dann kann es problematisch werden", erklärte Giesen. Doch schon jetzt gebe es Regionen in Bayern, wo diese Fahrtzeiten nicht mal mehr ansatzweise eingehalten werden kann - zum Beispiel in der Gegend rund um die Stadt Bad Tölz, vor allem im Winter. Rund 60 Prozent aller klinischen Geburten in Bayern fanden 2016 im Belegsystem statt.
Schwangere Frauen müssten deshalb trotzdem keine Angst haben, betonte Hebammen-Sprecherin Giesen: "Die Berufsethik der Hebammen steht über allem. Eine Hebamme würde nie eine Frau in den Wehen nicht betreuen." Es sollten jedoch alle wissen, wie es um die Situation in der klinischen Geburtshilfe bestellt ist.
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