Nürnberg
Zweite Liga

Eklat nach 1. FCN-Sieg: "Wenn das normal ist, will ich mit diesem Verein nichts zu tun haben"

Nach dem Sieg des 1. FC Nürnbergs war Trainer Uwe Neuhaus sichtlich aufgebracht und sorgte für einen Eklat.
Artikel einbetten
Die Entscheidung in Nürnberg: Cedric Teuchert (Mitte) umkurvt Dresdens Torwart Marvin Schwäbe und schießt zum 2:1-Siegtreffer ein. Dresdens Niklas Kreuzer (links) kann nur noch tatenlos zusehen. Foto: Heiko Becker
Die Entscheidung in Nürnberg: Cedric Teuchert (Mitte) umkurvt Dresdens Torwart Marvin Schwäbe und schießt zum 2:1-Siegtreffer ein. Dresdens Niklas Kreuzer (links) kann nur noch tatenlos zusehen. Foto: Heiko Becker
Am Ende entlud sich die Dresdner Enttäuschung, ein über weite Strecken hoch überlegen geführtes Spiel noch mit 1:2 (0:1) verloren zu haben, noch in einem Eklat. Dynamos Trainer Uwe Neuhaus verweigerte seinem Kollegen Michael Köllner nach der Pressekonferenz den Handschlag.

Die Gäste monierten, Köllner habe bei einer Einwurfsituation in der Nachspielzeit den Ball nicht gleich hergegeben und mit ihm jongliert. "Der Schiedsrichter hatte das Spiel unterbrochen, weil wir wechseln wollten. Ich verstehe nicht, dass man da von einer Unsportlichkeit spricht", hatte Köllner zuvor die Vorwürfe des sehr aufgebrachten Neuhaus ("Wenn das normal ist, will ich mit diesem Verein nichts zu tun haben") zurückgewiesen.


Sturmduo sorgt für Sieg

Der Club verdankte den glücklichen Sieg vor 33.600 Zuschauern in erster Linie seinem treffsicheren Sturmduo, das nun auch Köllner als gesetzt ansieht: "Sie verstehen sich gut und finden sich auch immer mehr." Mikael Ishak hatte schon in der siebten Minute eine einstudierte Eckballvariante zu seinem achten Saisontor genutzt. Enrico Valentini spielte Hanno Behrens an, der mit seiner Verlängerung die Fünfmeterlinie entlang die Dresdner Abwehr aushebelte.

Das überraschende Siegtor fiel in der 82. Minute: Patrick Erras spielte die Kugel im zweiten Versuch blendend in den Lauf von Cedric Teuchert, der Torwart Marvin Schwäbe umkurvte und sicher zu seinem sechsten Saisontreffer vollendete. Ishak, der mitgelaufen war, aber keinen Querpass bekam, scherzte: "Wenn er nicht trifft, muss ich ihn töten." Teuchert beschrieb die Arbeitsteilung im gemeinsam nun bei 14 Treffern stehenden Sturmduo so: "Ishak macht die Bälle fest, ich spiele so ein bisschen um ihn herum."


Heimbilanz positiv

Zwischen den beiden Toren, die den fünften Sieg im sechsten Spiel brachten, die Heimbilanz endlich positiv stellten und den dritten Tabellenplatz nebst aller Aufstiegsträume absicherten, lagen Club-Probleme ohne Ende. Dresden schien auch dem zweiten Treffer näher, nachdem Sturmführer Peniel Mlapa einen Foulelfmeter - Tim Leibold hatte den eingewechselten Erich Berko beim Kopfballversuch gestoßen - sicher zum 1:1-Ausgleich verwandelt hatte (69.). "Wir haben ein tolles Spiel gemacht", wusste Minge. "Dass wir nach dem Ausgleich zu viel wollten und die Ruhe verloren haben, ist der einzige Vorwurf, den ich der Mannschaft machen kann."

Trotz des Ausfalls der beiden Strategen Niklas Hauptmann (Infekt) und Marco Hartmann (Zerrung) dominierten die schnellen Sachsen im Mittelfeld häufig fast nach Belieben und verdichteten den Raum bei Nürnberger Ballbesitz extrem. So war es bitter, dass sie neben den Punkten ganz am Schluss auch noch den bärenstarken Linksverteidiger Philip Heise nach einer Frustaktion mit Roter Karte verloren (90.+3).


Ein völlig gebrauchter Tag

Im Club-Mittelfeld hatte Eduard Löwen einen durchgängig gebrauchten Tag erwischt, aber auch Erras und Behrens kamen schwer in die Gänge. "Wir haben uns das Leben selbst schwer gemacht mit einfachen Abspielfehlern", sagte Erras, der sich nach seiner 18-monatigen Verletzungspause dennoch schon wieder zu erstaunlichen Wegen quält. Köllner beorderte Kevin Möhwald schon nach einer Viertelstunde von der Zehner-Position zurück vor die Abwehr, um die Not zu lindern. "Er hat das bärenstark gemacht. Ansonsten wären wir schnell kaputt gegangen." Fels in der Brandung war ansonsten Abwehrchef Ewerton, den so gut wie nichts aus der Ruhe zu bringen scheint.

Das schlechte Gewissen über die schmeichelhaften drei Punkte hielt sich bei Köllner in Grenzen, wenn er an die unglücklich verlorenen Heimspiele gegen St. Pauli und Bielefeld dachte. Schon am Mittwoch geht es im Pokal in Osnabrück beim Schlusslicht der Dritten Liga weiter. Der Trainer will den Kräftehaushalt seiner Profis analysieren und eventuell ausgeruhte Spieler bringen. "Aber Harakiri werden wir sicher nicht begehen", versprach Köllner. Ishak und Teuchert, die neue Lebensversicherung, müssen sicher wieder ran.
Noch keine Kommentare
Sie sind nicht angemeldet.
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentieren zu können!
registrieren