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Medizin

Diagnose Blutkrebs mit 13 Jahren: "Eine Spende war meine einzige Chan ce"

Mit 13 Jahren ändert sich das Leben von Michaela Waidhauser auf dramatische Weise. Es folgt ein monatelanger Klinikaufenthalt mit einem Happy End.
 
von CHRISTIAN PACK
Michaela Waidhauser ist 13 Jahre alt, als sich ihr Leben auf dramatische Weise ändert. Der Teenager fühlt sich urplötzlich ausgelaugt und schlapp, im Unterricht schläft die Schülerin immer wieder ein. Auch zu Hause ist sie ständig müde, irgendwann kommt starke Atemnot dazu. "Ich konnte keine Wasserkiste mehr hochheben", beschreibt die heute 22-Jährige ihren damaligen Zustand.

Nach einem Besuch beim Hausarzt wird im Klinikum Nürnberg ein großes Blutbild erstellt. Die niederschmetternde Diagnose: Waidhauser ist an chronischem und akutem Blutkrebs erkrankt. "Die Überlebenschance bei dieser Form lag bei 30 Prozent. Eine Knochenmarkspende war meine einzige Chance."


Weihnachten fallen die Haare aus

Im Dezember 2007 kommt Waidhauser ins Krankenhaus. Sofort wird mit der Behandlung begonnen: Chemotherapie, Bestrahlung. Kurz vor Weihnachten fallen der 13-Jährigen die Haare aus. Rückblickend sagt sie: "Es ist von Vorteil, wenn man das als Kind erlebt. Man verdrängt die Angst."

Für das Mädchen steht fest: Das Leben kann jetzt noch nicht vorbei sein. Der Teenager erträgt die vielen Behandlungen und lernt auch

mit der Tatsache zu leben, dass sie vorerst nicht mehr an die frische Luft darf. "Du sieht nur noch die weiße Zimmerwand." Ablenkung erlebt sie durch Mitpatienten, den Fernseher oder die Spielkonsole.


"Mein genetischer Zwilling"


Im Januar 2008 dann die erlösende Nachricht: Bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) wurde ein Spender gefunden, dessen Blutmerkmale perfekt passen. "Mein genetischer Zwilling", freut sich Waidhauser noch heute. Die Transplantation verläuft reibungslos, nach neun Monaten darf sie die Klinik verlassen. Ein besonderer Moment. "Als ich den ersten Baum gesehen habe, kamen mir die Tränen."

Fast zehn Jahre später gilt die Schwabacherin als geheilt. Ihr Blut wird halbjährlich kontrolliert. Angst hat sie vor diesen Terminen keine. "Ich habe gelernt, das Leben zu genießen. Jeden Tag kann es zu Ende sein." Materielle Dinge hätten für sie wenig Wert. "Gesundheit, Familie, Freunde: Das ist wirklich wichtig!"


"Ein m agischer Moment"

Ihren Spender hat Michaela Waidhauser mittlerweile kennengelernt. Vom Krankenbett aus hatte sie ihm einen Brief geschrieben. Zwei Jahre später - früher ist ein Treffen nicht erlaubt - begegnen sie sich bei einer Veranstaltung auf Burg Abenberg. "Ich wusste sofort: Das ist er. Ein emotionaler und magischer Moment." Die Schwabacherin bezeichnet den damals 32-Jährigen, zu dem sie immer noch Kontakt hat, als ihre zweite Familie. "Es ist ja sein Blut, das durch meine Adern fließt."

Mit ihrer Krankheit geht Waidhauser offensiv um, gegenüber Nachbarn oder im Berufsalltag spielt sie stets mit offenen Karten. Zudem unterstützt sie die Öffentlichkeitsarbeit der DKMS. Die 22-Jährige hofft, dass sich dadurch noch viele Menschen registrieren. "Es muss jedem bewusst sein, dass man einem Fremden das Leben schenken kann."


Info und Service: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema Blutkrebs


Alle 35 Sekunden erhält ein Mensch weltweit die Diagnose Blutkrebs. 30,7 Millionen Menschen sind laut dem Zentralen Knochenmarkspender-Register (ZKRD) derzeit auf der Welt als Stammzellspender registriert. In Deutschland wird derzeit für sechs von sieben Patienten ein passender Stammzellspender gefunden.

1. Wann kommt es zur Blutstammzellspende?
Laut einer ZKRD-Sprecherin wird zunächst versucht, den Patienten mit Chemotherapie und Bestrahlung zu behandeln. Wenn dies nicht zum Erfolg führt, wird eine Blutstammzelltransplantation in Betracht gezogen. Dabei wird zunächst ein Spender in der Familie (Geschwister) gesucht. Erst wenn dies nicht möglich ist, kommt eine Fremdspendersuche in Betracht. Ausschlaggebend ist die Übereinstimmung der Gewebemerkmale (HLA-Merkmale), die genetisch und regional unterschiedlich sind. Um die Überlebenschancen von Blutkrebspatienten zu verbessern, setzen Organisationen wie die DKMS deshalb alles daran, möglichst viele Spender verschiedener Nationalitäten in ihrer Datenbank zu speichern. Die Chancen, einen passenden Spender zu finden, liegen zwischen 1 zu 20 000 und 1 zu mehreren Millionen.

2.Was passiert bei einer Knochenmarkspende?
Bei der klassischen Knochenmarkspende werden unter Vollnarkose circa 1 bis 1,5 Liter Knochenmark aus dem Beckenknochen des Spenders entnommen. Heutzutage werden die Blutstammzellen allerdings in 80 Prozent der Fälle aus dem peripheren Blut gewonnen. Dabei wird dem Spender für fünf Tage ein Wachstumsfaktor verabreicht. Dieser bewirkt den Übergang von Blutstammzellen ins Blut. Die Zellen werden dann, ähnlich wie bei einer Dialyse, ambulant entnommen. Das dauert etwa drei bis vier Stunden. In einigen Fällen muss dies am Folgetag wiederholt werden. Die Risiken für den Spender sind in beiden Fällen nicht sehr groß. Sowohl Knochenmark als auch Stammzellen bilden sich in kürzester Zeit wieder nach.

3.Kann man mehrfach spenden?
Es kann durchaus sein, dass ein Spender ein zweites Mal um eine Spende für "seinen" Patienten gebeten wird. Unwahrscheinlich ist, dass er für einen anderen Patienten spendet. Hier wird zunächst versucht, einen anderen passenden Spender zu finden. Nur wenn kein anderer zur Verfügung steht, kann man auch für einen weiteren Patienten spenden, sofern die HLA-Merkmale übereinstimmen. Diese Fälle sind aber sehr selten.

4.Wie hoch sind die Heilungschancen?
Die Prognose ist individuell und hängt von der Art der Erkrankung, dem Alter und dem körperlichen Zustand des Patienten sowie dem Grad der Übereinstimmung der HLA-Merkmale zwischen dem Spender und dem Patienten ab. Die Entwicklung der letzten Jahrzehnte zeigt, dass obwohl mehr ältere Patienten behandelt wurden, die Sterberate deutlich zurückgegangen ist. Noch positiver sind die Ergebnisse bei Patienten im Kindes- und Jugendalter.



Info und Service: So rettet man Leben mit einer Stammzellenspende


Das Knochenmark ist für die Blutbildung im Körper zuständig. Es bildet ständig neue Blutstammzellen, denn für abgebaute Blutzellen muss Ersatz her. Sobald die neuen Zellen reif sind, treten sie aus dem Knochenmark in die Blutbahn über. So bleibt das durch den Körper fließende Blut frisch. Bei Blutkrebspatienten ist die Blutbildung gestört. Bösartige Blutzellen vermehren sich unkontrolliert und müssen zerstört werden. Gleichzeitig gilt es zu verhindern, dass sich neue kranke Blutzellen bilden.


Wer kann spenden und was muss ich dafür tun?

Als Spender infrage kommt, wer zwischen 18 und 55 Jahre alt ist. Der Spender darf nicht weniger als 50 Kilogramm wiegen, aber auch nicht übergewichtig sein. Weitere Ausschlussgründe sind Krankheiten wie etwa Krebs, HIV oder Diabetes.

Bundesweit gibt es 26 Spenderdateien, an die sich Interessierte wenden können. Eine davon ist die DKMS. Über deren Webseite kann man ein Registrierungsset bestellen. Darin befinden sich zwei Wattestäbchen, mit denen potenzielle Spender je eine Minute lang die Innenfalte ihrer Wange entlangstreichen. Anschließend schicken sie die Stäbchen und eine ausgefüllte Einverständniserklärung zurück. Im Labor wird das Gewebematerial dann untersucht.


Jährlich rund 30000 Anfragen aus aller Welt

Nach Abschluss dieser sogenannten "Typisierung" werden die Ergebnisse gespeichert. Alle Daten der verschiedenen Spenderdateien in Deutschland fließen beim Zentralen Knochenmarkspender-Register (ZKRD) zusammen. Jährlich werden hier rund 30 000 Anfragen aus dem In- und Ausland bearbeitet.

Sobald Knochenmark oder Stammzellen beim passenden Spender entnommen wurden, wird das Material per Eil-Kurier - gegebenenfalls auch mit dem Flugzeug - zum Empfänger gebracht. Für den Spender entstehen keine Kosten. Er ist für die Zeit der Spende über die Spenderdatei unfallversichert. An den Arbeitgeber ergeht über die Spenderdatei die Bitte, den Beschäftigten freizustellen. Geld erhält der Spender nicht.

zum Thema "Gesundheit"

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