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Weihnachten

"Winterwärmer" - Wieso es Glühbier am Christkindlesmarkt in Nürnberg gibt

Eigentlich ist der Bierausschank auf dem Weihnachtsmarkt strengstens verboten. Doch Reinhard Engel kennt einen Trick.
"Winterwärmer" heißt das warme Biergetränk mit Gewürzen, das es auch auf dem Nürnberger Christkindlesmarkt gibt. Foto: Nikolas Pelke
 
von NIKOLAS PELKE
Ein Hund ist er schon, könnte man anerkennend meinen. Reinhard Engel ist das Kunststück gelungen, Bier auf dem weltberühmten Christkindlesmarkt in Nürnberg zu verkaufen. Dabei ist das laut städtischer Marktordnung strengstens verboten. Dafür hat der bekannte Braumeister aus Nürnberg mehrmals um die Ecke denken müssen.

Zuallererst hat Engel sein Getränk nicht Bier genannt. "Winterwärmer" hat der Chef der Altstadthofbrauerei sein "Glühbier" getauft, das mit einer Temperatur von mollig-warmen 60 Grad serviert und mit etwas Zimt und einer Orangenscheibe garniert wird. Den Namenstrick findet der 55-Jährige überhaupt nicht verwerflich. Schließlich entspreche dies haargenau den strengen Vorschriften des Bayerischen Reinheitsgebotes. Jenes besage schließlich, dass Bier nur heißen darf, was ausschließlich aus Wasser, Hopfen und Malz (Gott erhalt´s) hergestellt worden ist. Engel hat in seinen Sud zusätzlich noch neun Gewürze gepackt. "Die wichtigsten Gewürze im ,Winterwärmer` sind Gewürznelke, Kardamom, Kubebenpfeffer und Zimt", verrät der Braumeister. Nur so bekomme er den "verführerischen Duft" ins Glas.

Als "Bier-Panscher" versteht sich Engel nicht. Er sieht sich als Wegbereiter für die Renaissance einer alten Braukunst. "Schon im Mittelalter wurden durch Zugabe von kostbaren Gewürzen besondere Biere mit unverwechselbarem Charakter gebraucht", erzählt der Braumeister und erinnert daran, dass die alte Reichsstadt an der Pegnitz früher Zentrum des Gewürzhandels war.

Bei der Stadt ist man freilich von der Wiederbelebung der Gewürzbier-Tradition zunächst überhaupt nicht begeistert gewesen. Mit Verweis auf die Vorschriften des Christkindlesmarktes ist Engels Antrag in Bausch und Bogen abgelehnt worden. Der engagierte Braumeister hat das nicht auf sich sitzen lassen wollen und ist bis vor das Verwaltungsgericht gezogen. Dort habe man ihm schließlich Recht gegeben und bestätigt, dass sein "Winterwärmer" nach der Definition des strengen Reinheitsgebotes im Freistaat kein Bier ist. Demzufolge greift auch nicht die Christkindlesmarkt-Satzung aus den 70er Jahren, die den Bierausschank untersagt.

Trotz des Erfolgs vor Gericht hatte Engel keinen Anspruch auf eine der begehrten Bretterbuden auf dem weltberühmten Weihnachtsmarkt. Dann die Überraschung: Vor zwei Jahren erhielt Engel ein freundliches Schreiben von der Stadt. Wenn er noch wolle, könne er seinen "Winterwärmer" in Gottes Namen ab sofort ausschenken auf dem Christkindlesmarkt. Eine Bude sei frei geworden. Offensichtlich hatte im Marktamt ein Umdenken stattgefunden. Seit Jahren engagiert sich der Chef der kleinen Brauerei für Genuss und Tourismus im Schatten der Burg. Der Brauer zögerte keine Sekunde.

Immer mehr Glühweinverächter tummeln sich inzwischen vor seinem Stand zwischen Frauenkirche und Rathaus. "Damit ich ohne Erkältung gut durch den Winter komme, trinke ich jeden Tag meinen ,Winterwämer`", sagt Engel und nippt genüsslich an seiner Gewürztrankschaumkrone. Bislang habe die Trinkkur hervorragend funktioniert, sagt Engel und lacht.

Jeden Samstag zwischen 17 und 20 Uhr werden "Winterwärmer" auf dem Christkindlesmarkt übrigens für den guten Zweck ausgeschenkt. 50 Cent pro verkaufter Tasse spendet Reinhard Engel an die Nürnberger Tafel. Der letzter "Tafel-Winterwärmer-Trinken" findet übrigens am Heiligen Abend statt.

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