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Hochzeit

So plant eine Nürnberger Hochzeitsplanerin für türkische Paare

Auf türkischen Hochzeiten wird mehr getanzt und es werden weniger Reden gehalten als bei Deutschen. Aber eines ist gleich: Vorbereitung ist alles.
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So plant eine Nürnberger Hochzeitsplanerin für türkische Paare Symbolbild: Pexels.com
So plant eine Nürnberger Hochzeitsplanerin für türkische Paare Symbolbild: Pexels.com
Mal golden, mal fliederfarben, mal türkis. So verschieden wie die Farben der Dekoration sind auch die Hochzeitsfeiern, die Sebiha Meral in "ihrem" Saal in Nürnberg ausrichtet. Die 45-Jährige arbeitet seit 2007 als Hochzeitsplanerin. Spezialisiert hat sie sich dabei auf türkische und deutsch-türkische Paare. Diese Hochzeiten unterscheiden sich in vielen Punkten von deutschen.


Die türkische Hochzeit beginnt später

"Bei türkischen Hochzeiten ist der zeitliche Ablauf ziemlich genau geplant", erzählt Sebiha Meral, die selbst türkische Wurzeln hat. Der Beginn ist meist gegen 18 Uhr, also später als bei deutschen Hochzeiten. Zuerst kommen die Gäste. Der Höhepunkt ist dann das Eintreffen des Brautpaares mindestens eine Stunde später. Unter den Blicken der Gäste schreitet es langsam über einen roten Teppich zu Musik in den Saal ein.

Nach dem Auftritt der Brautleute kommt traditionelles türkisches Essen auf den Tisch - vom Vorspeisenteller bis zum Baclava, ein typisches Gebäck. Danach eröffnet das Brautpaar den Tanz, häufig mit dem Halay, einem türkischen Volkstanz. "Da die türkischen Hochzeiten meistens um Mitternacht vorbei sind, ist wenig Reden und richtig Tanzen angesagt, erklärt Meral.


So laufen türkische Hochzeiten ab


Auch bei den Geschenken gibt es eine spezielle Tradition: In einer langen Schlange warten die Gäste darauf, dem Paar ihre Geschenk zu übergeben. Abgesehen von Handtüchern und Bettwäsche ist dies vor allem Geld. Weil laut angesagt wird, wer wieviel schenkt, wissen die Eltern des Brautpaares, wieviel sie bei einer Gegeneinladung verschenken müssen.

Auch das Anschneiden der Torte folgt ganz bestimmten Regeln: Das Brautpaar tut dabei so, als sei das Messer stumpf und schneide nicht. Erst wenn die engsten Verwandten dem Paar noch ein bisschen Geld geben, wird das Messer "scharf". Das ist einer der vielen Bräuche, die mit einer türkischen Heirat zusammenhängen.

Die Familie spielt ohnehin eine große Rolle, erzählt eine von Merals Kundinnen, Sinem Acku. Ihr damaliger Verlobter habe beim künftigen Schwiegervater ganz offiziell um ihre Hand angehalten. Später sei er ein zweites Mal zu ihrem Vater gegangen, diesmal mit seinen Eltern. Ihr selbst war es wichtig, dass der Imam, der sie und ihren Bräutigam nach der standesamtlichen Hochzeit segnete, sie als Braut aus der Wohnung ihrer Eltern herausführte. "Das gehört zur traditionellen Verabschiedung von Eltern und Geschwistern dazu, wenn eine Tochter das Haus verlässt."

Sinem Acku und ihr Mann Sahin, die im vergangenen November geheiratet haben, sind froh, dass sie Sebiha Meral als Hochzeitsplanerin hatten. "Sie wusste sofort, was ich wollte", erzählt die 24-Jährige und lacht. Gleich beim ersten Gespräch habe sie sich für die fliederfarbene Deko entschieden. "Sebiha meinte, da wäre mehr Liebe und mehr Gefühle drin als in den anderen Farben."

Sebiha Meral freut solches Lob ihrer Kunden. Der Weg zur Hochzeitsplanerin war für sie ein langer. Zuerst war sie im Hochzeitsbusiness als Aushilfe tätig. "Ich habe gekellnert und bedient und die Brauteltern und das Brautpaar versorgt", beschreibt sie ihre Anfänge im Hochzeitsmetier. Doch irgendwann schlugen ihr immer mehr Bräute und Brauteltern vor, doch selbst Hochzeiten zu planen. 2007 hat sie den Schritt dann gewagt.

Seit 2012 ist Meral Mieterin eines Saals in einem Gewerbegebiet im Nürnberger Süden. Mehr als 400 Gäste haben darin Platz zum Feiern. Früher war der Saal eine Disco, aber nach einigen Umbauten geht es dort jetzt festlich zu. Mit weißen Tischdecken, Hussen auf den Stühlen, einer Bühne und goldenem Servierwagen für die Hochzeitstorte. In den Saal hat Meral viel investiert und sich dafür stark verschuldet, wie sie erzählt. Aber sie bleibt optimistisch: "Geheiratet wird immer." Sie selbst ist zwar noch nicht verheiratet, weil sie dazu "noch keine Zeit hatte". Sie ist aber verlobt, erzählt sie.

Sebiha Meral ist mit viel Herzblut bei der Sache. Ständig schaut sie auf ihrem Handy nach neuen WhatsApp-Nachrichten von ihren Kunden. Bei ihr läuft viel über WhatsApp: Vorschläge für Einladungskarten, Bilder von der Deko und Terminvereinbarungen verschickt sie darüber. Von den aufgeregten Brautpaaren kommen selbst nachts noch Nachrichten, doch auch das stört Meral nicht. Sie schleicht sich dann einfach ins Badezimmer, um ihren Verlobten nicht zu wecken, und schickt schnell eine Antwort.

Für sie ist in den vergangenen Jahren als Hochzeitsplanerin klargeworden: "Wenn ich nochmal auf die Welt kommen würde, würde ich den gleichen Job machen. Aber diesmal von Anfang an."
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