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Satire

Kabarettist Bernd Regenauer hat über Nürnberg einen satirischen Reiseführer geschrieben

Über seine Heimatstadt Nürnberg hat der Kabarettist Bernd Regenauer einen humorvollen Reiseführer geschrieben.
Nürnberg als "Hauptstadt der Verzagtheit": Autor Bernd Regenauer setzt seiner Heimatstadt ein satirisches Denkmal. Foto: Nikolas Pelke
 
von NIKOLAS PELKE
Bernd Regenauer lebt seit fast 60 Jahren in und um Nürnberg. In den Gassen der Altstadt ist der Kabarettist aufgewachsen. Hier hat er die ersten Gehversuche auf der Bühne im Hoftheater im Szeneviertel Gostenhof gemacht. Wenige Zeitgenossen dürften so prädestiniert sein wie er, der Frankenmetropole ein genauso humorvolles wie literarisches Denkmal zu setzen. Dass dies dem Autor gelungen ist, liegt nicht nur daran, dass Regenauer vollkommen "reschbeggdlos und subbjegdief" mit Block und Bleistift durch seine Stadt gezogen ist.

Klugerweise hat er sich Hilfe geholt. Hat sich hier in die Geheimnisse der Promi-Szene einweihen lassen. Hat sich dort von Experten in die Untiefen der Südstadt-Mysterien hinabreißen lassen. Auf diesem Weg hat Regenauer einen genauso amüsanten wie kenntnisreichen Text über das häufig belächelte, selten bewunderte Nürnberg zu Papier gebracht. Ohne Regenauer im Handgepäck reisen zukünftig wohl nur traurige Menschen nach Nürnberg.

Mit einem Liebesbekenntnis zu seiner Heimatstadt beginnen die 160 Seiten seines "Satirischen Reisegepäcks", das im Michael Müller Verlag in Erlangen - für seine Reiseführer bekannt - erschienen ist. "Die Übersichtlichkeit liebe ich an dieser Stadt. Wer weg sein will, ist schnell weg. Wer rein will, ist schnell drinnen", schwärmt Regenauer. Nürnberg sei ein "größeres Dazwischen". Keine Metropole, aber dem Provinziellen dennoch entwachsen. Ein Hort der Unverbindlichkeit. Die Hauptstadt der Verzagtheit. Wer nicht weiß, was er will, der sei hier wunderbar aufgehoben. Viele Stadtbewohner wissen es auch nicht, was sie hier suchen. Das klingt erschreckend und könnte sofortige Fluchtinstinkte auslösen. Aber Regenauer erklärt, wie diese vermeintliche Schwäche zum Vorteil geraten kann.



Der Nürnberger muss nicht immer Erster sein. Muss nicht immer von Meisterschaften träumen wie sein latent abstiegsbedrohter Fußball-Verein. "Er gefällt sich in der Rolle des ewigen Zweiten, oder Dritten." Beim 1. FC Nürnberg reiche es sogar für Plätze deutlich weiter hinten. Nürnberg bedeutet manchmal eben zweite Liga. Unklug sei diese Haltung nicht. Fast schon ein bisserl clever sind diese ungekrönten Hauptstadtfranken. Weil vom sechsten auf den siebten Platz zu rutschen, sei weit weniger tragisch als eine "generell beanspruchte Führungsposition" zu verlieren. Bei Bayern München führt ein Unentschieden zu Krisensitzungen. In Nürnberg knallen die Sektkorken, wenn der Club einen Punkt auf dem Rasen ergattert. Dazu gesellt sich eine ausgeprägte Form des fränkischen Pessimismus. So beugt der Nürnberger wie seine Artgenossen in Restfranken einer Niederlage vor.
Verloren fühlt sich Regenauer, wenn er deprimiert über einige Plätze in Nürnberg kriecht. Auf dem Aufseß-, Bahnhofs- oder Ebertplatz ist dem Kabarettisten zum Auswandern zumute. Ob der in Beton gegossenen Hässlichkeit könnte der Autor heulend aus der Stadt flüchten. Eventuell sogar nach Fürth. Nur Nürnberger können wohl ganz ermessen, wie groß sein Schmerz wirklich sein muss.

Glücklicherweise, wird sich der Leser des Handgepäcks sagen, hat Regenauer mit dem Nürnberger Fotografen Christian Schultz einen treuen Gefährten auf seinen Streifzügen dabei gehabt. Seine ungewöhnlichen Stadtansichten bereichern das Werk ungemein. Reisenden ist zu empfehlen, bei dem nächsten Besuch der alten Reichsstadt unbedingt Regenauers "Satirisches Handgepäck" in selbigem mitzuführen. Neben guter Unterhaltung darf der Leser hoffen, genauso verborgene wie häufig übersehene Einblicke in eine Stadt zu gewinnen, die man noch besser mit einer dicken Portion guten Humors genießen kann. Zu Nürnberg passt der Witz von Bernd Regenauer wie der Senf auf die drei im Weckla. Die Kritik an seiner Stadt will Regenauer nicht als Verriss missverstanden missen. "Zur Liebe gehört die Kritik grundsätzlich dazu", ist sich der Autor sicher. Wer aufhöre zu kritisieren, der habe das Interesse verloren.
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