Ich willige einX

Diese Website verwendet das Besucheraktions-Pixel von Facebook für statistische Zwecke. Mit einem Cookie kann so nachvollzogen werden, wie unser Marketing auf Facebook wirkt und wie wir es verbessern können. Wir freuen uns, wenn Sie uns Ihr Einverständnis hierzu erteilen. Eine genaue Beschreibung zum „Besucheraktions-Pixel“, zu Cookies im Allgemeinen und Ihrem Widerspruchsrecht, das Sie jederzeit ausüben können, steht Ihnen in unserer Datenschutzerklärung unter hier zur Verfügung.

Region  // Nürnberg

Familie

Expertin gibt Tipps: So werden Kinder mit der Trennung ihrer Eltern besser fertig

Wenn Eltern sich trennen, leiden vor allem die Kinder darunter. Psychologin Eva Rhode aus Nürnberg hat Tipps, wie Kinder damit besser fertig werden.
Kinder leiden ganz besonders unter der Trennung der Eltern. Symbolfoto: Frank Rumpenhorst, dpa
 
von NIKOLAS PELKE
Wenn Eltern sich trennen, leiden darunter häufig auch die Kinder. Die Erziehungs- und Familienberatung des Nürnberger Jugendamts bietet im Februar unter der Überschrift "Kinder im Blick" ein Seminar für getrenntlebende oder geschiedene Eltern an.

Die Teilnehmer lernen ihrem Kind zu helfen, besser mit der Trennung zurechtzukommen. Wir haben mit Diplom-Psychologin Eva Rhode von der Beratungsstelle im Nürnberger Stadtteil Schoppershof über die besonderen Probleme von Trennungspaaren mit Kindern gesprochen und wie man Konflikte zum Wohle der Kinder dauerhaft vermeiden kann.

Frau Rhode, warum bekommen sich besonders Paare mit Kindern nach einer Trennung in die Wolle?
Eva Rhode: Eine Trennung ist ein kritisches Lebensereignis, das sehr viel Stress auslöst. Wenn die Trennung vom ehemaligen Liebespartner bewältigt werden muss. Eltern müssen in dieser Krisenzeit ihre Kinder loslassen, weil sie sie nicht mehr täglich erleben. Gerade an den Wochenenden, in Ferienzeiten oder an Feiertagen wie Weihnachten wird dann die Trennungskrise verschärft und Ängste, Wut oder Ohnmachtsgefühle flackern auf. Nach einer Trennungserfahrung vom Beziehungspartner kann aber auch generell Angst entstehen und das Gefühl aufgebaut werden, dass auch die Beziehung zu den eigenen Kindern brüchig sein könnte.

Worunter leiden Trennungskinder am meisten?

Die Kinder leiden einerseits unter konkreten Veränderungen. Eventuell steht ein Umzug oder Schulwechsel an. Mit einer Trennung müssen Eltern häufig finanzielle Einschnitte verkraften. Denn auf einmal braucht es zwei Familiennester für die Trennungsfamilie. Die Mama und der Papa müssen vielleicht mehr arbeiten. Natürlich sind die Eltern die wichtigsten Bezugspersonen für Kinder. Wenn die Eltern die Trennung schlecht bewältigen und psychisch darunter leiden, dann geraten auch die Kinder schnell in das Spannungsfeld zwischen Scheitern und Neuanfang. Und die Kinder leiden auch unter den Vorwürfen und Konflikten, die sich die Eltern gegenseitig machen.

Stimmt das Sprichwort noch von der Zeit, die alle Wunden heilt?

Leider können die Veränderungen in der Lebensplanung sehr weitreichend sein. Meistens müssen neue Lebensentwürfe gefunden werden. Hinzu kommt der Unsicherheitsfaktor aufgrund der Kinder. Wenn Eltern sich fragen, zu welchem Elternteil die Kinder mehr tendieren, dann kann das dauerhaft Stress auslösen.. In einigen Fällen gibt es regelrechte Kämpfe um die Kinder eben aufgrund dieser Verlustängste. Um eine Trennung positiv zu verarbeiten, braucht es persönliche Ressourcen, soziale Unterstützung, Zeit und Gelassenheit.

Ab welchem Zeitpunkt können Sie helfen?

Eva Rhode: Wenn Eltern das Bedürfnis nach Unterstützung haben, dann können Sie gerne zu allen Beratungsstellen in Bayern kommen. Jede Familienberatung bietet Hilfe an. Das ist unser gesetzlicher Auftrag. Wir schicken keinen nach Hause. Wenn Eltern und Kinder sich zum Beispiel bei der Übergabe der Kinder am Wochenende überfordert fühlen, spätestens dann sollten Eltern die Situation kritisch hinterfragen und sich überlegen, Beratung in Anspruch zu nehmen.

Leiden Männer und Frauen unterschiedlich unter einer Trennung?

Mütter und Väter sind gleichermaßen betroffen. Mütter sind nach einer Trennung meistens mehr gefordert, weil die Männer häufig die Hauptverdiener in der Familie gewesen sind. Frauen müssen nach der Trennung im Beruf nicht selten mehr arbeiten, um den Lebensstandard zu halten. Die Väter sind gefordert, den Kindesunterhalt zu stemmen, was bei wenig Verdienst auch nicht immer einfach ist. Väter leiden, weil sie den Alltagsbezug zu ihren Kindern verlieren. Väter wollen nicht nur den Animationspapa am Wochenende spielen. Der Leidensdruck ist, auf die Kinder bezogen, bei beiden Eltern vorhanden.

Setzen Sie an diesem gemeinsamen Punkt an in Ihren Kursen?

Ja, genau hier setzen wir an. Wir wollen Verständnis für die jeweilige Situation des Anderen erwecken. Deshalb werden die Ex-Paare in unterschiedliche Gruppen aufgeteilt. In jeder Gruppe gibt es Frauen und Männer. So können Mütter von Vätern, die sich vorher nicht kannten, die Probleme nach einer Trennung hautnah mitbekommen. Die Mütter erleben, dass die angeblich so starken Väter genauso emotional belastet sind. Die Väter erleben, wie Frauen mit der Dreifachbelastung und dem Spagat zwischen Haushalt, Beruf und Familie zu kämpfen haben. Im Verlauf des Kurses erleben Mütter und Väter, dass man eine gemeinsame Elternverantwortung für die Kinder entwickeln muss. Das heißt, Elternschaft wie eine Firma zu begreifen und klare Aufgaben zu verteilen und Kommunikationsregeln aufzubauen. Die Ex-Paare lernen, dass die alten Paarkonflikte in der neuen Elternverantwortung nichts mehr verloren haben. Eine Beziehung kann man beenden. Aber Eltern bleibt man miteinander ein Leben lang. Deshalb muss das Zusammenarbeiten der Ex-Paare zum Wohle der Kinder funktionieren und die Paar- von der Elternebene voneinander getrennt werden. Wir wollen Ex-Paare in unseren Kursen zeigen, wie man ein neues Elternteam nach der Trennung aufbaut.

zum Thema "Familie"

Newsletter kostenlos abonnieren


noch Zeichen



Bitte melden Sie sich an, um kommentieren zu können:

Sie sind noch nicht registriert? Bitte hier registrieren.