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Bier

Deal zwischen Brauern und Bauern: Mehr Regionales in fränkischen Bieren

Brauer und Landwirte aus dem Nürnberger Land haben das "10-Kilometer-Bier" auf den Markt gebracht. Lohnend, denn der Braugerstenanbau ist wieder rentabel.
Zwei Krüge mit Bier stehen zur blauen Stunde am Abend in Nürnberg auf dem Tisch eines Gasthauses. Foto: Daniel Karmann/dpa
 
Friedrich Vogel trinkt am liebsten Pils, kühl und hopfig. Und besonders gerne trinkt er sein eigenes, denn da weiß er, dass die Zutaten so gut wie vor der Tür gewachsen sind. In fünfter Generation führt Vogel die Brauerei Dreykorn in Lauf im Nürnberger Land.

Als seine Vorfahren 1831 im Herzen der Kleinstadt westlich von Nürnberg mit dem Bierbrauen anfingen, war es normal, dass Hopfen und Malz aus der Gegend kamen. Heute, in Zeiten in denen man Rohstoffe wie Gerste günstig im Ausland kaufen kann, hält er bewusst dagegen und setzt auf Regionalität.


Eine von sechs Brauereien im Nürnberger Land, die das "10-Kilometer-Bier" brauen

Die Brauerei Dreykorn ist eine von sechs Brauereien im Nürnberger Land, die das "10-Kilometer-Bier" brauen. Was dieses Getränk verspricht: sämtliches Getreide, das in der Brauerei als Malz verarbeitet wird, wächst im Umkreis von zehn Kilometern. Gemälzt wird unter anderem in Frauenaurach bei Erlangen.

Beim Hopfen nimmt man es nicht ganz so genau mit den zehn Kilometern. Er kommt zum Teil aus der Gegend, zum Teil aus dem Anbaugebiet bei Spalt südlich von Nürnberg. "Wir wollen keinen Zertifizierungs- und Bürokratiewahn wie bei der Gentechnikfreiheit oder Tierwohl-Siegeln, sondern dass jeder Cent, den die Brauer für die Rohstoffe ausgeben, bei den Bauern ankommt", sagt Günther Felßner, Präsident des Bayerischen Bauernverbands Mittelfranken und Landwirt aus Günthersbühl, einem Ortsteil der Stadt Lauf.

Er selbst liefert seine Gerste an die Brauereien und startete vor fünf Jahren mit anderen Brauern und Landwirten die Initiative für das "10-Kilometer-Bier". In den Jahren zuvor war der traditionelle Braugerstenanbau in der Region zurückgegangen, weil er sich für die Bauern nicht mehr rentierte.

Gleichzeitig haben es kleine Brauereien nicht leicht am Markt. Die Idee: Die Brauer kaufen die Gerste aus der Region für einen Preis, der über dem aktuellen Marktwert liegt - laut Felßner durchschnittlich 20 Prozent mehr - und werten damit ihr eigenes Produkt auf. Regionalität als Qualitätssiegel.


Der Preis für das Bier ist nicht gestiegen

Trotz der höheren Kosten im Einkauf ist Friedrich Vogel überzeugt, dass sich das Konzept für ihn und die anderen Brauereien lohnt. Denn dass Regionalität wieder wichtiger wird, spürt er auch bei seinen Kunden. Der Preis für sein Bier sei unterm Strich nicht gestiegen. Nur auf Sonderangebote und andere Aktionen müssen seine Kunden eben verzichten.

Aufzuhören, wie es in seiner Gegend andere kleine Brauereien getan haben, sei für ihn noch nie infrage gekommen. "Wir sind schon immer hier, wir haben Kundenverbindungen seit über 100 Jahren. So was gibt man nicht so schnell auf", sagt Vogel.

Obwohl in Nordbayern zwei Drittel von Bayerns Brauereien zu Hause sind, überwiegend kleine Betriebe mit wenig Bierausstoß, wird hier nur ein Drittel der gesamten Biermenge gebraut. Der fränkische Bierabsatz war viele Jahre langsamer gestiegen als der Südbayerns.

Nun hat das nordbayerische Bier zum ersten Mal einen höheren Zuwachs zu verzeichnen: Im ersten Halbjahr 2016 ist der Bierabsatz in Nordbayern um 5,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen. In Südbayern betrug die Veränderung 1,5 Prozent. "Das ist ein Zeichen, dass Regionalität beim Verbraucher wirklich ankommt", sagt Walter König, Geschäftsführer des Bayerischen Brauerbundes. Er ist überzeugt: "Regional ist das neue Bio." Knapp 250 Tonnen Gerste haben die beteiligten Landwirte in diesem Jahr eingefahren. Günther Felßner spricht von einer Durchschnittsernte mit hoher Qualität - auch wenn man sich Anfang des Jahres noch mehr erhofft hatte. Sorgen machen sich die Landwirte im ohnehin schon wasserarmen Franken, wenn heiße und trockene Sommer wie 2015 in den nächsten Jahren zunehmen. Das bedeutet weniger Ernte - bei gleichbleibendem Preis. Denn dieser bildet sich weltweit.

Neue Anbauverfahren oder Sorten, die mit weniger Wasser auskommen, können eine Lösung sein, sagt Felßner. "Doch gerade zu Erntedank sollte man sich bewusstmachen, dass über Märkte und Sorten nicht jedes Problem zu lösen ist, sondern, dass es immer noch die Natur und die Schöpfung gibt, an die wir uns halten müssen - und die ist unvorhersehbar." Eine Initiative wie das "10-Kilometer-Bier" gibt dem Erzeuger da aber ein bisschen Sicherheit.

Übrigens: Sogar das beim Brauen entstehende Abfallprodukt, der Bier-Treber, wird vor Ort verwertet. Den holt Bauer Günther Felßner in Friedrich Vogels Brauerei wieder ab und verfüttert ihn an seine Milchkühe. Das regionale, eiweißhaltige Schmankerl mögen sie lieber als Soja aus Südamerika, sagt der Landwirt.

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