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Gesundheit

Borderline, Magersucht, Burn-Out: Aktion gegen Stigmatisierung von psychischen Erkrankungen

Mit der Plakataktion "Wo ist die Grenze?" wollen die mittelfränkischen Bezirkskliniken gegen die Stigmatisierung von psychischen Erkrankungen kämpfen.
Mit der Plakataktion "Wo ist die Grenze?" wollen die mittelfränkischen Bezirkskliniken gegen die Stigmatisierung von psychischen Erkrankungen kämpfen. Foto: PR
 
von NIKOLAS PELKE
Mit einer Kampagne unter der Überschrift "Wo ist die Grenze?" wollen die mittelfränkischen Bezirkskliniken auf psychische Erkrankungen aufmerksam machen und deren Behandlungsmöglichkeiten in das Blickfeld der Öffentlichkeit rücken.

Kern der Aktion sind rund 200 ins Auge stechende Plakate, die derzeit von Ansbach über Erlangen bis Nürnberg und Weißenburg in ganz Mittelfranken hängen. Wir haben mit Ariane Peine über Hintergründe und Ziele der Kampagne gesprochen. Die Leiterin der Kommunikationsabteilung der Bezirkskliniken erklärt in dem Interview, dass seelische Erkrankungen genauso wie körperliche Erkrankungen ein Teil des Lebens sind. Mit der Plakataktion wollen die Kliniken des Bezirks pünktlich zum "Tag der seelischen Gesundheit" am 10. Oktober etwas gegen die Stigmatisierung von psychischen Krankheiten tun. Menschen mit psychischen Erkrankungen sollten in der Gesellschaft weder ausgegrenzt noch diskriminiert werden, findet die Frau hinter der Plakataktion.

Welche Überlegungen stecken hinter der Kampagne? Was er Ihre Absicht, die Leute mit den teilweise provozierenden Plakatmotiven gezielt aufzurütteln?
Ariane Peine: Wir haben deshalb starke Bilder gewählt, weil Stigmatisierung auch durch Wegschauen und Ignorieren passiert. Wir wollen aber, dass der Betrachter hinschaut und mit den eigenen Bildern, Zuordnungen und Grenzen konfrontiert ist. Dies geht nur, indem wir Bilder zeigen, die bewegen und betroffen machen. Wir wollen wissen, was passiert, wenn wir psychische Erkrankungen offensiv zum Thema machen. Wird der Blick einfach abgewendet oder wird diskutiert? Wir sind gespannt.

Auf den Plakatmotiven stehen sich "gutes" und "schlechtes" Verhalten direkt gegenüber. Wo dazwischen liegt die Grenze?
Eine starre Grenze zwischen "gut und schlecht", "normal und verrückt" oder "psychische gesund oder krank" gibt es nicht. Wir wollen, dass sich die Betrachter mit dieser Grenze beschäftigen, und wir wollen weg von der Schwarz-Weiß-Malerei. Die Übergänge sind fließend. Wenn man die Grenze überschritten hat, kann man auch wieder zurück. Die Grenze ist in beide Richtungen durchlässig. Ziel wäre es somit auch, die Grenzen im Kopf und in der Gesellschaft zu verändern, um psychische Erkrankungen als einen normalen Teil des Lebens wahrzunehmen.
Warum haben Sie die Kampagne gestartet? Gibt es mehr Alkoholkranke, Drogen- oder Magersüchtige in Franken - oder steckt dahinter auch einfach ein bisschen Werbung für die Kliniken des Bezirkes Mittelfranken?
PEINE: Am 10. Oktober ist der internationale "Tag der seelischen Gesundheit". An diesem Tag wird auf vielfältige Weise auf das Thema der psychischen Erkrankungen und deren Behandlung aufmerksam gemacht. Diese Aufmerksamkeit wollen wir nutzen und verstärken. Zudem haben wir uns in 2015 mit Markenbildung beschäftigt und sind der Frage nachgegangen, was die Bezirkskliniken Mittelfranken ausmacht. Wie arbeiten wir? Was ist uns wichtig? Wir kommunizieren wir? Dabei wurde deutlich, dass es unseren Mitarbeitern wichtig ist, über psychische Erkrankungen gut zu informieren und auch offensiver mit Themen, die für Betroffene, Angehörige und Fachpersonen wichtig sind, an die Öffentlichkeit zu gehen. Und wenn wir dadurch auch das Image der Kliniken verbessern: Gerne! Stigmatisierung trifft nämlich nicht nur psychisch Kranke, sondern auch Einrichtungen, die psychisch Kranke behandeln, sowie Menschen, die in diesen Einrichtungen arbeiten. Somit arbeiten wir gegen Stigmatisierung und für ein besseres Image im Sinne aller am Behandlungsprozess Beteiligten: Betroffene, Angehörige sowie Ärzte, Therapeuten und Pflegekräfte.

Welche "Zielgruppe" wollen Sie mit den auffälligen Plakaten besonders zum Innehalten und Nachdenken über Grenzen ermuntern?
Die Bilder drehen sich im Wesentlichen um die Krankheitsbilder aus dem Bereich der Depression/Burn-Out, der Sucht und der Essstörungen. Diese Krankheitsbilder wurden gewählt, da hier durch die Bildsprache auf Anhieb verständliche Eindrücke entstehen. Die komplexen Facetten von psychischen Erkrankungen kann die Kampagne weder für diese Krankheitsbilder noch für fotografisch schwieriger darstellbare Erkrankungen abbilden. Daher ist ein wichtiges Ziel der Kampagne auf psychische Erkrankungen aufmerksam zu machen und die Diskussion und das Interesse anzuregen. Die gezeigten Bilder und Erkrankungen sind somit stellvertretend für alle psychischen Erkrankungen zu sehen. Und wir sprechen ja nicht nur Menschen mit psychischen Erkrankungen an. Wir wollen alle Betrachter anregen, über diese Themen nachzudenken. Denn seelische Erkrankungen sind Teil des Lebens genauso wie körperliche Erkrankungen.
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