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GNM

Ausstellung über Kaiser Karl IV. in Nürnberg:

Kulturschätze versammelt die Landesausstellung über Kaiser Karl IV. im Germanischen Nationalmuseum, die am 20. Oktober in Nürnberg eröffnet wird.
Eine Statue von Karl IV. von der Ostfassade des Altstädter Brückenturms ist im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg (Bayern) während einer Vorbesichtigung der bayerisch-tschechischen Landesausstellung «Karl IV.» zu sehen. Foto: Daniel Karmann/dpa
 
von NIKOLAS PELKE
Die dunklen Rotunden, durch die der Besucher durch die Ausstellung hindurch wandeln muss, wirken wie eine Zeitmaschine. In eine Zeit, als Böhmen kurz vor den Toren Nürnbergs begann. In eine Epoche, in der der sprachbegabte Regent (fünf Sprachen!) der tonangebende Mann im Reich gewesen ist.

Bevölkert sind diese zylindrischen Rotunden mit dem Kostbarsten, was die Epoche von Karl IV. zu bieten hat. Gleich zu Beginn beamt er uns höchstpersönlich 700 Jahre zurück, als Flüsse noch in der Lage gewesen sind, Menschen zu trennen. Karl schenkte seiner Heimatstadt die allererste Brücke über die Moldau. Überlebensgroß haben sie ihn deshalb in Stein gemeißelt. Zwei Tonnen wiegt dieser Karl, der die Besucher gleich am Einfang der Ausstellung empfängt. Damit der echte Karl in Nürnberg gezeigt werden konnte, musste das Museum den Boden extra verstärken.

Wer schon mal in Prag gewesen ist, wird sich sagen: "Moment, die steht doch auf der Karlsbrücke!" Stimmt. Allerdings nur fast. Dort wacht Karl als Kopie über das Bauwerk. Im Germanischen Nationalmuseum begrüßt der "echte Karl" die Besucher der Schau, die in Kooperation zwischen dem Haus der Bayerischen Geschichte und der Nationalgalerie in der tschechischen Hauptstadt entstanden ist. Brücken bauen soll diese Landesausstellung über den in Deutschland eher unbekannten Herrscher aus dem Mittelalter heute auch. Genauso spielerisch wie vorzüglich gelingt das dieser Schau, die eine wahre Objektorgie geworden ist.

Vor jedem der knapp 200 Kunstwerke von Weltrang wird der Betrachter die Vorteile eines Kulturraums jenseits aller Grenzen wahrhaftig nachempfinden können. Mit den Augen kann er die Früchte dieses Austausches überall erkennen, die die meist unbekannten Meister im 14. Jahrhundert zum Vorteil der Zwillingsstädte Nürnberg und Prag geschaffen haben. Mit Karl IV. rückte Böhmen ins Zentrum des Reiches. Dank dieser Ostverschiebung profitierte auch die alte Reichsstadt an der Pegnitz.

Karl stammte aus dem Geschlecht der Luxemburger. Wen er von Böhmen in seine alten Stammlande an den Moselstrand reisen wollte, musste er wohl oder übel durch Nürnberg. Das Flugzeug war noch nicht erfunden. Hinfliegen konnte er also nicht, wenn er von Prag nach Luxemburg reisen um dort nach dem Rechten sehen zu wollen. 20 Mal soll Karl mindestens Station in Nürnberg gemacht haben.

Für beide Seiten war es - gestern wie heute - fruchtbar, gute Beziehungen zu pflegen. Die Patrizier nutzten die Nähe zur Macht Karls zum Füllen ihrer Geldbeutel. Die ehemalige Salzhandelsroute zwischen Prag und Nürnberg erhielt schon damals den sprechenden Namen "Goldene Straße". Im Gefolge der wirtschaftlichen und politischen Machtverschiebung blühte Böhmen und Franken gemeinsam auf.

An der Mosel stieg Karl, der italienische Gelehrte als Brieffreund und französische Schönheiten als Geliebte hatte, im Laufe der Jahrhunderte zum Nationalheiligtum auf. In der tschechischen Hauptstadt trifft man den alten Recken an jeder Ecke. Auch in Nürnberg hat er sich verewigt. Den Hauptmarkt mit dem Schönen Brunnen würde es ohne ihn nicht geben. Dunkle Kapitel verdankt die Frankenmetropole ihm freilich auch. Dem Judenpogrom mit seinen wohl 600 Menschenopfern soll Karl seinerzeit sein kaiserliches Ja-Wort gegeben haben. Nach der Pest hatten die Menschen damals wohl einen Sündenbock gebraucht.

Nach einem Helden haben die Tschechien gesucht, als sie unter der Herrschaft der Donaumonarchie leben mussten. Dabei hatte Karl auch seine Schattenseiten. Und nicht zu wenige. Geldgier und Hinterlist sollen nur zwei unschöne Züge von vielen an ihm gewesen sein. "Bei uns in Tschechien wurde Karl IV. immer nur hochgejubelt. Deshalb wollte ich bewusst die Schattenseiten von ihm zeigen", sagt Jiri Fajt, Direktor der Prager Nationalgalerie, und verweist darauf, dass Chronisten den Nationalhelden seinerzeit "Karl den Listigen" getauft hätten. Die Kaltblütigkeit, mit der Karl seine machtpolitischen Interessen verfolgte, stehen freilich nicht im Zentrum der Ausstellung. Im Mittelpunkt glänzt sie mit Artefakten von unschätzbarem Wert. So ist es den Machern gelungen, aus dem amerikanischen Boston die Ikone der böhmischen Kunst nach Europa zu holen.

Der "Marientod" sei laut Frank Matthias Kammer, Leiter der Skulpturensammlung am Germanischen Nationalmuseum, das Highlight der böhmischen Kunst und stehe für diese wie die Mona Lisa für Leonardo da Vinci. Nicht minder wertvoll, wenn auch auf den ersten Blick eher unspektakulär, ist ein Bogen aus englischer Eibe, von dem es auf der Welt vielleicht noch zehn Exemplare geben soll. Vor 700 Jahren hatte wahrscheinlich jeder Ritter, der was auf sich hielt, so ein edles Teil auf seiner Burg. Neben Bosten zeigte sich Prag besonders großzügig in der Herausgabe seiner Schätze. Ein Votivbild mit dem knieenden Karl IV. wurde zum allerersten Mal ins Ausland verliehen.

Der Gestalter der Ausstellung, Uli Prugger, hätte gerne weniger Objekte auf den 1.000 Quadratmeter unterbringen müssen. Durch die in verschiedenen Farben tönenden Rotunden schickt Prugger den Besucher auf einen Rundgang durch die atemberaubende Zeit Karls IV. Nach dem imposanten Entree mit der überlebensgroßen Brückenfigur ist der erste Raum seiner Jugend gewidmet. Die beiden nächsten, wesentlich größeren Räume sind mit Prag und Nürnberg den beiden Hauptschauplätzen zugedacht. In dem krönenden Schlussakkord dieser formidablen Schau wird die Beerdigungsprozession auf der Karlsbrücke mit allen Mitteln der Kunst lebensnah dargestellt. An einigen Stellen hätte man sich nur mehr Raum für die wertvollen Objekte gewünscht. An einigen Orten hätte man sich die Glasvitrinen, die die kostbaren Werke schützen, hinfort gewünscht. Die Fülle der Objekte trösten darüber schnell hinweg. Imposanter kann man den Glanz des grenzübergreifenden Kulturraumes nicht zeigen. Karl IV. lässt keine Wünsche offen.
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