Neustadt an der Aisch
Sternenkinder

Schmerzhafter Schicksalsschlag: Wenn das Kind bei den Sternen ist

Wie kann man mit dem Tod des eigenen Kindes umgehen? Tanja Kloha musste genau das - und unterstützt nun andere betroffene Eltern.
Artikel einbetten
Wie kann man mit dem Tod eines Kindes umgehen? Tanja Kloha musste genau das - und unterstützt  nun andere betroffene Eltern. Foto: Kai Gebel/Dein-Sternenkind
Wie kann man mit dem Tod eines Kindes umgehen? Tanja Kloha musste genau das - und unterstützt nun andere betroffene Eltern. Foto: Kai Gebel/Dein-Sternenkind
Tage vor dem Vorsorgetermin spürt Tanja Kloha bereits, dass etwas nicht stimmt. Ein beklemmendes Bauchgefühl sagt ihr immer wieder: Heute kommt etwas. Die 26-Jährige soll recht behalten. Nach einer "verdächtig langen" Untersuchung folgt der Schock: Der Kopf ihres ungeborenen Kindes ist zu groß. Am nächsten Tag bestätigt ein Spezialist die erste Diagnose.

In der Folge wird Kloha von Arzt zu Arzt geschickt. Eine Woche nach dem Schock die traurige Gewissheit: Das Kind leidet unter Holoprosenzephalie, einer schweren Hirnfehlbildung. Eine Fruchtwasseruntersuchung zerstört die letzte Hoffnung. "Das hat uns den Boden unter den Füßen weggezogen. Uns wurde eröffnet, dass unser Kind nicht lebensfähig ist."


Dem Arzt heute dankbar

Tanja Kloha kann und will die Diagnose nicht akzeptieren. Zu unwirklich ist das Gesagte, zu groß die Freunde über die Schwangerschaft. Eine Woche zuvor noch hatte der Großvater ihres Freundes auf seinem 60. Geburtstag stolz verkündet, dass er zum dritten Mal Opa wird. "Man sagt sich wieder und wieder: Das kann nicht sein."

Obwohl ihr mehrfach offenbart wird, dass ihr Sohn nicht lebensfähig wäre, will ihn Kloha zur Welt bringen. "Die Ärzte rieten mir, ihn zu erlösen. Damals wollte ich das Kind aber auf Biegen und Brechen." Letztlich entscheiden sich Mutter und Vater aber doch noch um. Auch, weil ein Arzt ihr immer wieder ehrlich die Konsequenzen vor Auge führt. "Auch wenn ich das damals nicht hören wollte, bin ich ihm heute sehr dankbar. Trotzdem war es die schwerste Entscheidung unseres Lebens."


Im Heimatort beerdigt

Am 14. April bringt Kloha im Klinikum Nürnberg Süd ihren Sohn in der 27. Schwangerschaftswoche still zur Welt. Er wiegt 1340 Gramm und ist 46 Zentimeter lang. Die Eltern haben für ihr "Sternenkind" den Namen Pascal ausgewählt.
In der Klinik werden Abdrücke von Hand und Fuß und Erinnerungsbilder gemacht. Den Eltern bleibt genug Zeit, sich von ihrem Kind zu verabschieden. "Das gesamte Klinikteam war sehr einfühlsam. Ich bin ihnen immer noch sehr dankbar." Einige Tage später wird Pascal in Klohas Heimatort beerdigt.


Ehrenamtliches Engagement

Während der ersten Trauerphase recherchiert Kloha viel im Internet. Sie findet heraus, dass viele Menschen ihr trauriges Schicksal teilen, Schätzungen zufolge werden in Deutschland pro Jahr rund 2000 "Sternenkinder" still geboren. "Ich bin immer noch erschüttert, wie viele es sind."
Kloha will sich austauschen und gründet irgendwann die Gruppe "Sternenkinder Erinnerungen", die sich ehrenamtlich engagiert. Alle drei Monate kommen betroffene und nicht betroffene Frauen in Neustadt/Aisch zusammen. Sie nähen, häkeln und basteln Bodys, Mützen und Stofftiere für "Sternenkinder" und geben sie an Kliniken weiter. "Die Eltern sind dankbar, denn Kleidung in diesen Größen zu kaufen, ist nicht möglich. Jedes Kind sollte das Recht haben, würdevoll bestattet zu werden."


Eine neue Liebe gefunden

Was der Gruppe wichtig ist: Dass "Sternenkinder" kein Tabuthema sind und betroffene Eltern besser verstanden werden. Zu häufig müssen sie sich die Frage gefallen lassen, warum sie nach einer gewissen Zeit immer noch trauern. Oder man hört Sätze wie: "Du kannst doch noch Kinder kriegen". "Man sollte keinem Menschen vorschreiben, wie lange er trauern darf", findet Kloha.

Bei der 26-Jährigen ist die Trauer auch zweieinhalb Jahre nach dem Verlust präsent. Mit ihrem Partner von damals ist sie nicht mehr zusammen. Kloha hat einen neue Liebe gefunden und träumt von Kindern. "Zwei wären schön."

Unabhängig davon, ob dieser Traum in Erfüllung geht: Aus dem Ehrenamt zurückziehen wird sie sich nicht. "Wir machen weiter. Trauernde Eltern zu unterstützen, tut sehr gut."
Verwandte Artikel
Verwandte Fotoserien
Noch keine Kommentare
Sie sind nicht angemeldet.
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentieren zu können!
registrieren