Ich willige einX

Diese Website verwendet das Besucheraktions-Pixel von Facebook für statistische Zwecke. Mit einem Cookie kann so nachvollzogen werden, wie unser Marketing auf Facebook wirkt und wie wir es verbessern können. Wir freuen uns, wenn Sie uns Ihr Einverständnis hierzu erteilen. Eine genaue Beschreibung zum „Besucheraktions-Pixel“, zu Cookies im Allgemeinen und Ihrem Widerspruchsrecht, das Sie jederzeit ausüben können, steht Ihnen in unserer Datenschutzerklärung unter hier zur Verfügung.

Denkmalpflege

Wohin ganze Häuser umziehen

Mehr als 100 Objekten hat das Freilandmuseum in Bad Windsheim schon eine Überlebenschance geboten. Jetzt ist wieder ein Haus dorthin versetzt worden.
Mit einem Autokran wird eine Wand des Behelfsheim in Ottenhofen auf den Innenlader gehievt. Foto: Freilandmuseum Bad Windsheim
 
von MATTHIAS LITZLFELDER
Was bei Menschen nichts Ungewöhnliches ist, mutet bei Häusern etwas befremdlich an. Ein Umzug ist im Leben eines Hauses eigentlich nicht vorgesehen. Stein auf Stein steht es an seinem Platz für die Ewigkeit - oder bis das Abbruchunternehmen auf dem Grundstück steht.
Bei den Gebäuden auf dem 45 Hektar großen Areal des Freilandmuseums im mittelfränkischen Bad Windsheim ist das anders. Sie wurden hierher transloziert, wie der Fachmann sagt. Rund 115 Objekte sind es mittlerweile, seit das Freilandmuseum 1982 seine Tore geöffnet hat.


Vor Ort sanieren ist die bessere Lösung

Sie zeigen das kulturelle Erbe des ländlichen Frankens aus sieben Jahrhunderten. "Wir retten ein Gebäude, wenn es in unser Konzept passt. Wahllos bauen wir es nicht ab", sagt Museumsdirektor Herbert May. Wenn es eine Möglichkeit gebe, dass das Haus vor Ort denkmalschutzgerecht saniert werde, sei dies immer die beste Lösung.
Oft kämen Angebote vom Landesamt für Denkmalpflege. Es sind Hinweise auf Häuser, die dem Verfall preisgegeben sind, weil der Eigentümer sie nicht sanieren will. Manchmal meldeten sich auch Privatleute. Und schließlich verfolge man ganz gezielt, wie sich interessante Häuser in der Region entwickeln. Kaufen muss das Museum solche Häuser nicht. Nicht wenige Eigentümer sind froh, wenn sie ihr Grundstück anschließend ohne Abbrucharbeiten nutzen können.


Erbaut 1944 - und schon von Interesse

Dass inzwischen in Bad Windsheim nicht nur Häuser eine Bleibe finden, die einige hundert Jahre alt sind, zeigt das jüngste Projekt. "Ein Behelfsheim aus dem 20. Jahrhundert, aber das ist uns wichtig", sagt der Museumsleiter.
Dieses Haus stand in Ottenhofen, einem kleinen Dorf nur wenige Kilometer von Bad Windsheim entfernt. Im Dezember begannen die Museumsleute mit dem Abbruch, nachdem zuvor zwei Jahre intensiv an dem Gebäude geforscht wurde. Ein großes Sägeblatt frisst sich dabei durchs Mauerwerk und zerlegt das Haus in seine vier Wände, die dann auf Eisenträger gestellt und mit Holzbrettern verschalt nebst Dach von einem Autokran auf einen sogenannten Innenlader gehievt werden.


Eröffnung am 24. September

Inzwischen ist das überschaubare Häuschen fast schon wieder aufgebaut. Bis zur Eröffnungsfeier am 24. September im Freilandmuseum baut Museums-Zimmerer Leif Henninger derzeit noch einen neuen Fußboden ein. Die Inneneinrichtung werde dann ziemlich originalgetreu präsentiert werden, erzählt Markus Rodenberg, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Museum. Er ist Spezialist, wenn es um die Geschichte des Hauses geht. "Behelfsheime wurden zwischen 1943 und 1945 im gesamten Reichsgebiet gebaut, um den durch den Luftkrieg obdachlos gewordenen Menschen ein vorübergehendes Zuhause zu bieten", berichtet Rodenberg. Sie hatten eine Fläche von 4,1 mal 5,1 Meter gehabt. Die Toilette war außerhalb in einem Holzanbau untergebracht.


Viele wurden umgebaut oder verändert

Groben Schätzungen nach gab es in Deutschland rund 100 000 dieser Gebäude. Noch heute existieren viele. "Leider nahezu alle überformt", sagt Rodenberg. Überformt, das heißt umgebaut, aufgestockt oder sonst irgendwie verändert. Der Wissenschaftler hat viel recherchiert. Ein Behelfsheim in diesem Zustand, nahezu unverändert, mit originaler Einrichtung und Zeitzeugen, die darin gelebt haben, sei eine Besonderheit. "Dieses Haus ist ein wertvolles Dokument, das wir so auch nicht mehr kriegen."


Gesucht: eine Baywa-Halle und ein kleines Rathaus

Aufgrund seiner Größe wurde es in kürzester Zeit wieder aufgestellt. Andere Häuser warten dagegen jahrelang auf ihre Neupräsentation im Museum. Derzeit sind es 15 Objekte. Selbst für weitere Gebäude wäre noch Platz vorhanden. Aber Museumsleiter May hat konkrete Vorstellungen. "Wir haben keinen Bedarf mehr an reinen Bauernhäusern." Stattdessen sucht er nach einem kleinen Rathaus aus dem 18. Jahrhundert, einem Aussiedlerhof sowie einer Baywa-Halle aus dem vorigen Jahrhundert. Auch ein Trafohäuschen wäre interessant. "Ein bisschen Jugendstil oder Fachwerk" sollte aber dran sein.
Newsletter kostenlos abonnieren


noch Zeichen



Bitte melden Sie sich an, um kommentieren zu können:

Sie sind noch nicht registriert? Bitte hier registrieren.