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Hilfsaktion

Liebe aus dem Schuhkarton

Seija Pulkkinen aus Mittelfranken hat erfahren, wie ein buntes Päckchen das Leben bettelarmer, ausgegrenzter Menschen nachhaltig verändern kann.
 
von DIANA FUCHS
Was wohl aus Elias geworden ist, den die blauen Sportschuhe so glücklich gemacht haben? Und aus der verschüchterten kleinen Stefanie? Aus all den anderen Kindern, die in der "letzten Ecke" Bulgariens mehr schlecht als recht hausten?
Seija Pulkkinen denkt noch immer an sie. Die 59-jährige gebürtige Finnin, die seit 30 Jahren in Deutschland lebt, im mittelfränkischen Birnbaum bei Gerhardshofen, hat sich vor vier Jahren auf den Weg ans Schwarze Meer gemacht. Sie wollte bei der Verteilung von Weihnachtspaketen aus Deutschland dabei sein.


Warum wollten Sie unbedingt live erleben, wie die Hilfspakete verteilt werden?
Seija Pulkkinen: Ganz einfach. 1999 hat eine Bekannte mir ein Info-Faltblatt der Aktion "Weihnachten im Schuhkarton" geschenkt. Damals stand der Abgabeschluss für die Päckchen schon unmittelbar bevor, aber in der Christusgemeinde Diespeck - das ist eine evangelische Gemeinde - kamen in Windeseile noch über 30 Pakete zusammen. Das fand ich so toll, dass ich mir gedacht habe: Dann mache ich im kommenden Jahr selbst eine Sammelstelle auf.

Und das haben Sie dann im Jahr 2000 auch getan?
Ja. Und es wurden auf Anhieb 401 Pakete. Im Folgejahr waren es 642. Und so ging es weiter. Insgesamt haben wir in zehn Jahren, bevor die Sammelstelle nach Gerhardshofen verlegt wurde, 10 000 Mal "Weihnachten im Schuhkarton" verschenkt. Schon immer wollte ich gerne wissen, wie das läuft, wenn die Pakete in den Empfängerländern ankommen. Ich habe mich deshalb darum beworben, einmal bei einer Verteiler-Reise dabei sein zu dürfen.

Wie bewirbt man sich darum?
Ich habe einfach eine Mail an die Zentrale in Berlin geschrieben. Einige Jahre habe ich nichts gehört. Aber dann bekam ich im Oktober 2012 überraschend einen Anruf, dass ich einen freien Platz haben könnte. Da habe ich nicht lange gezögert und zugesagt.

Obwohl Sie die Reisekosten selbst tragen mussten, oder?
Ja, natürlich. Man zahlt den Flug und die Unterkünfte vor Ort selbst. Das ist ja auch richtig so. Ich bin über Paris nach Sofia geflogen und von dort aus weiter nach Burgas am Schwarzen Meer. Dort haben wir zwei Tage lang Pakete in verschiedenen Dörfern verteilt, in Kindergärten, in einer Schule und an viele Kinder privat - vor allem an Roma-Kinder, die unter erbärmlichen Bedingungen leben müssen.

Wie lief die Verteil-Aktion ab?
In den Räumen einer Christengemeinde, die Pastor Jelio betreut, lagerten 15 000 Pakete, die aus dem Zentrallager in Berlin hierher gebracht worden waren. Als wir durch die Räume liefen, fiel mir auf einigen Großkartons meine eigene Handschrift auf - die Pakete stammten zufällig aus unserem Sammelgebiet! Das war ein tolles Gefühl. Wir haben sie mit Muskelkraft und Pferdekarren zu den Empfängern transportiert. Jelio und seine Mitarbeiter hatten alles hervorragend vorbereitet und dokumentierten alle Empfänger. Da sie vor Ort sind, kennen sie die Verhältnisse genau und wissen, wo die Bedürftigen zu finden sind. Das zu erleben, hat mich sehr überzeugt. Ich kann beruhigt sagen: "Weihnachten im Schuhkarton" ist super organisiert und sehr, sehr zuverlässig.

Was hat Sie vor Ort am meisten beeindruckt?

Ich habe gesehen, wie viel Licht ein paar bunte Päckchen in eine graue Umgebung bringen können.

Können Sie das näher erklären?
Ich habe Kinder kennengelernt, die durch "Weihnachten im Schuhkarton" nicht nur materielle Gaben bekamen, sondern auch Liebe, Geborgenheit und Hoffnung. Die Pakete können ein segensreicher Türöffner sein. Koopera-tions-Partner wie Pastor Jelio und seine Mitarbeiter nehmen die Menschen mit offenen Armen in ihrer Gemeinschaft auf, wenn sie das möchten. Sie pflegen regelmäßigen Kontakt auch zu den Ärmsten. Die Begleitung durch die Gemeinde kann das Leben nachhaltig verändern. In Jelios Umkreis ist schon allein äußerlich alles viel ordentlicher und sauberer als anderswo. Dieses christliche Kümmern, das über das Verteilen von Geschenken hinausgeht, das hat mich sehr beeindruckt. So bekommt die ganze Aktion einen noch tieferen Sinn.

Wie haben die Kinder reagiert, als sie die Geschenke überreicht bekamen?
Manche mit stiller Freude, andere mit lautem Jubel. Alle haben ihr Paket gehütet wie einen Schatz. Ich erinnere mich gut an die fünfjährige Stefanie, die noch schlechter gekleidet war als die anderen Kinder im Kindergarten. Sie konnte es gar nicht glauben, dass das Geschenk für sie sein sollte, und streichelte es minutenlang, ohne es aufzumachen. Neben ihr saß Maria, die einen Teddy mit bayerischem Filzhut in ihrem Geschenk fand und ihn gar nicht mehr losließ. Und dann war da ein Bub, Elias. Der freute sich unbändig, jubelte und juchzte - er hatte Turnschuhe in seinem Paket gefunden, sein Herzenswunsch!

Gab es keinen Neid zwischen den Kindern?
Nein, ich habe kein einziges Mal Neid erlebt. Natürlich achtet die Organisation aber auch darauf, dass in allen Paketen ähnliche Dinge zu finden sind - dafür gibt es die Pack-Empfehlungen. Und vor Ort sorgen die Kooperationspartner - in unserem Fall vor allem Jelios Vater - dafür, dass Pakete nie unkontrolliert an der Straße ausgegeben werden, sondern genau dort landen, wo sie hinsollen.

Haben Sie, aus Ihrer Erfahrung heraus, einen Tipp, worüber die Kinder sich am meisten freuen?

Ich glaube, die Mischung macht's. Ein bisschen Vollmilchschokolade, etwas Warmes zum Anziehen, etwas zum Spielen und zum Kuscheln... Wenn ein Päckchen liebevoll gepackt ist, dann merken die Kinder das. Viele heben die Schachtel ewig auf, wie einen Schatz. Und wenn jemand eine persönliche Karte dazu gelegt hat, egal in welcher Sprache, dann ist dieser Gruß auch sehr wertvoll für sie.

Nun ist Bulgarien ja kein Entwicklungsland und liegt auch nicht am Ende der Welt. Man mag kaum glauben, dass die Not in Europa so groß ist.
Aber das ist sie. Wir haben Pakete auf einsame Hügel hinaufgeschleppt, wo Roma-Familien in Wellblech-Buden hausen, in denen ein paar alte Decken an den notdürftig zusammengenagelten Wänden der einzige Schutz vor Kälte und Nässe sind. Es gibt vielleicht ein Klo pro Siedlung, irgendwo auf der Straße. Wahnsinn. Und das ist nicht nur in Bulgarien so. Zum Beispiel herrschen auch in Polen, unserem Nachbarland, teilweise schreckliche Zustände. Heuer werden die Kisten neben Bulgarien auch in der Mongolei, in Polen, der Republik Moldau, in Rumänien, Weißrussland, der Slowakei und der Ukraine verteilt.

Wenn Sie sich die Bilder Ihrer Reise anschauen, woran denken Sie dann?
Dann denke ich daran, dass es in vielen Teilen der Welt Kinder wie Elias, Stefanie und Maria gibt, die das Pech haben, in bitterer Armut und grauer Umgebung geboren worden zu sein. Kinder, denen wir die Tür zu einem besseren Leben öffnen können.



INFO:

Aktion: Seit 1996 packen jedes Jahr Hunderttausende bei der christlichen Aktion "Weihnachten im Schuhkarton" mit. Kinder in von Armut geprägten Ländern sollen durch die Pakete Wertschätzung und Zuwendung erfahren. Geschulte ehrenamtliche Partner kümmern sich auch nach der Verteilung um die Kinder und bieten zum Beispiel Essen oder Hausaufgabenhilfe an.

Inhalt der Pakete: Es empfiehlt sich eine bunte Mischung aus Kleidung (Mütze, Schal, Handschuhe, Socken, Pulli), Hygieneartikeln (Zahnputzzeug, Kamm), Spielsachen (Auto, Ball, Jo-Jo, Puppe, Kuscheltier, Dynamotaschenlampe, Mundharmonika, Blockflöte), Süßigkeiten (Vollmilchschokolade, Bonbons - mind. haltbar bis März 2017) und Schulsachen (A5-Hefte, Bunt- und Bleistifte mit Spitzer, Radiergummi, Solartaschenrechner etc). Bitte Deckel und Unterteil des Kartons separat weihnachtlich verzieren, so dass sich der Karton öffnen lässt (Zoll).

Nein!
Nicht ins Paket dürfen gebrauchte, zerbrechliche & defekte Dinge, Lebensmittel, Schokolade mit stückiger Füllung, Gelierstoffe (Gummibärchen, Weingummi, Kaubonbons), Flüssigkeiten, Medikamente, Brausetabletten.

Etiketten: Um von außen zu kennzeichnen, für wen das Geschenkpaket gedacht ist (Mädchen oder Junge, Kleinkind, Grundschüler, Jugendlicher), gibt es auf der Website bit.ly/wisaufkleber Aufkleber zum Herunterladen.

Transportkosten: Das Transportgeld für jedes Paket beträgt acht Euro. Damit finanziert der gemeinnützige Verein 'Geschenke der Hoffnung' auch die Schulung und Koordination tausender Ehrenamtlicher und die Betreuung vor Ort. Das Geld kann dem Paket beigelegt oder überwiesen werden.

Alle Infos und Abgabestellen: www.weihnachten-im-Schuhkarton.org
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