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Mundart

Drei fränkische Wirbelwinde bei der Mundart-Rallye

Wir Franken bieten Stoff für Jubel, Trubel, Heiterkeit. Bei der Drei-Franken-Mundart-Rallye geht's um Mitleidslob, Außerirdische und heiße Beine.
Bei ihnen dreht sich alles um Ober-, Mittel- und Unterfranken.  Fotos: Archiv
 
von DIANA FUCHS
Was passiert, wenn drei Frankenwürfel-Träger rotieren? Ganz sicher wird das kein braves Tänzchen in Ehren, sondern eine Mordsgaudi. Speziell dann, wenn die drei Männer rund um den Drei-Franken-Stein wirbeln...

Am 5. November bieten Wolfgang Reichmann aus dem oberfränkischen Bamberg, Fritz Stiegler aus dem mittelfränkischen Cadolzburg und Wilhelm Wolpert aus dem unterfränkischen Haßfurt - allesamt Träger des Frankenwürfels, der höchsten Auszeichnung für Menschen mit "typisch fränkischem Schlag" - ein besonderes kulturelles Schmankerl: eine Mundart-Rallye. Die Künstler touren durch drei Veranstaltungsorte am Drei-Franken-Eck, also dort, wo Ober-, Mittel- und Unterfranken zusammenstoßen.

Von Geiselwind schnell nach Burghaslach und weiter nach Heuchelheim - das klingt stressig...
Wolfgang Reichmann: Bei meinem allerersten Mundart-Rallye-Auftritt hab' ich mich vorm ersten Gasthaus gefragt, wo eigentlich der Bus mit den Gästen ist - ich hatte gedacht, dass die Leute rumgefahren werden. Aber es ist ja andersrum: Wir werden chauffiert.
Wilhelm Wolpert: Die Veranstalter haben gute Fahrer engagiert, die uns von Ort zu Ort bringen und alle Schleichwege kennen. Das Konzept sieht ja vor, dass immer einer von uns an einem der drei Orte eine halbe Stunde lang die Gäste unterhält. Dann ist Pause. Die Zuschauer haben Zeit, sich zu unterhalten - und wir haben Zeit, zum nächsten Ort zu kommen.

Warum treten Sie nicht alle gemeinsam auf, also gleichzeitig? Wäre das nicht einfacher?
Fritz Stiegler: Es hätte auch seinen Reiz. Aber so finde ich es besser. Jeder präsentiert sich selbst, zeigt das, was er gut kann und was ihm gefällt, und vergleicht sich nicht mit dem Nebenmann. Wir sind drei grundverschiedene Typen mit unterschiedlichem Programm. Ich glaube, dass es für die Leute witzig ist, uns nacheinander zu erleben.

Wer ist eigentlich auf die Idee mit der Rallye gekommen?
Fritz Stiegler: Das war Wilhelm Wolpert. Wir haben einander bei der Verleihung des Frankenwürfels kenengelernt, vor neun Jahren. Irgendwann hatte der Wilhelm dann die Idee mit der Rallye.

Was ist so toll daran?
Wilhelm Wolpert: Das Schöne ist, dass man auch in kleinere Orte Kultur oder Subkultur bringt und die Leute ihre Freude daran haben. Unsere Gesellschaft krankt doch daran, dass die Menschen nicht mehr zusammenkommen, dass viele nur allein daheim vor irgendeinem Bildschirm hocken. Da fehlt der Austausch mit anderen. Zwischen unseren Darbietungen haben die Leute Zeit, etwas zu trinken, zu essen und sich zu unterhalten.
Wolfgang Reichmann: Die Leute haben doch alle ihr Bündele zu tragen. Was gibt's da Besseres, als einfach mal abzuschalten und viel zu lachen? Ich mag es sehr, in kleinen Räumen aufzutreten. Die haben viel mehr Charme als jede Halle. Am besten, die Leute hocken richtig aufeinander. Da springt der Funke über, das macht Spaß.

Über welche Themen wird bei der Mundart-Rallye geredet?
Fritz Stiegler: Das geht querbeet. Man schaut den Leuten halt immer auf den Mund und macht dann ein Programm draus. Außerdem kommt oft sponta n was dazu.
Wolfgang Reichmann: Meine Themen sind meine Heimatstadt "Bamsdorf" und die fränkische Sprache mit ihren Eigentümlichkeiten.
Wilhelm Wolpert: Wir lachen mit dem Publikum über Moo und Fraa, über fromma und über kranka Franken und sogar auch übers Altwern, des hässt bei uns Spätlese. Bei uns wird aber keiner ausgelacht. Und über Politiker herziehen ist auch nicht unsere Art. Nein, wir lachen über uns selber.

Gibt es eigentlich zwischen-fränkische Missverständnisse?
Fritz Stiegler: In der Haute-Volee, der vornehmen Gesellschaft, ist immer zu hören, 'bassd scho' sei das höchste fränkische Lob. Echte Franken wissen: 'Bassd scho' is eher so was wie ein Mitleidslob. Das sagt man zum Beispiel zu Alte-Herren-Fußballern, wenn sie wieder mal danebengeschossen haben.
Wilhelm Wolpert: Zwischen-fränkische Missverständnisse? Auf keinen Fall! Mir verstehn änanner immer. Wenn zum Beispiel die Bamberger sagen: Die Madla vom Maa hamm haaßa Baa, dann wissen wir Unterfranken genau, was die meinen, nämlich: Die Mädli vom Mee hamm hääßa Bee.

Wolfgang Reichmann: Zwischenmenschliche Missverständnisse gibt's vor allem im Umgang mit Außerirdischen, also Nichtfranken. Die verstehen die Gesten häufig nicht und vor allem haben sie mit der Uhrzeit ihre Probleme. Ein Rendezvous um fünf vor dreiviertel acht wird nie klappen.

Was gefällt Ihnen am Unter-, Ober- oder Mittelfränkischen besonders gut?
Wilhelm Wolpert: Mir gefällt, dass wir in Unterfranken kei' harte Buchstaben ham. Das Wort 'Torturmtheater', des könne' mir gar nit sag'.
Fritz Stiegler: Der Mittelfranke liebt es kurz und bündig: z'weng, z'vill, er hat woss z'doo, was so viel heißt wie: zu wenig, zu viel, er hat was zu tun.
Wolfgang Reichmann: Mir gefällt am Fränkischen besonders, dass manche Dinge nicht bürokratisch, sondern oft "zwischen Tür und Angel" besprochen und dann auch geklärt werden. Das funktioniert in Vereinen, Ämtern und auch bei der Mundart-Rallye.

Verraten Sie Ihren Lieblingsspruch oder Ihr Lieblingswort auf Fränkisch?
Fritz Stiegler: Mein Lieblingswort ist "so". Nicht sooo, sondern kurz und bündig "so", was bedeutet: Es ist alles gesagt. Mein Zweitlieblingswort ist "hä?", das schönste fränkische Fragewort.
Wilhelm Wolpert:
Einer meiner Lieblingssätze ist: "Wu i ner mei Haa hii hoo?" - wo ich nur meine Hacke hin(getan) habe? Aber ein Beispiel für das allerschönste Unterfränkisch findet man in einem Buch vom unvergessenen Helmut M. Krieger: "Schreit der Bauer zu mir rüü: 'Heut ho i aa ee Ää üü', bläck ich nüber zu dem Moo, dass i aa ee Ää üü hoo." Da geht's darum, dass beide heute ein Ei übrig haben.
Wolfgang Reichmann: Mir gefällt der Satz "Dös kriegn mer hie" - was nicht heißt, dass etwas vernichtet oder getötet wird, im Gegenteil: Etwas wird passend gemacht, in Ordnung gebracht.




INFO: Drei-Franken-Mundart-Rallye

Was is' da los? Die Drei-Franken-Mundart-Rallye tobt am Samstag, 5. November, ab 19.30 Uhr (Einlass: 18.30 Uhr) durch folgende drei Orte: das Dorfgemeinschaftshaus in Heuchelheim (Oberfranken), die Kulturtankstelle in Burghaslach (Mittelfranken) und das Gasthaus Lamm in Geiselwind (Unterfranken). Veranstalter sind Peter Giehl und Gerhard Feller vom Dorfgemeinschaftsverein Heuchelheim, Organisatoren Robert Hofmann (Kulturkreis Burghaslach) sowie Monika Rückel (Gasthof Lamm, Geiselwind).

Wer is' da los? Fest mit den Haßbergen verwurzelt ist Wilhelm Wolpert. Der Unterfranke liebt den engen Kontakt zum Publikum, wenn er seine "Gschichtli" erzählt. Unter anderem ist der 79-Jährige als Mitglied des "Hasenterzetts" bei der "Fastnacht in Franken" bekannt. Wolfgang Reichmann aus Bamberg ist Ex-Bundesliga-Basketballer, Nationalspieler, BR-Radioreporter und Hauptschullehrer. Jetzt ist der 68-Jährige die Stimme Oberfrankens bei der Franken-Rallye. Die mittelfränkische Flagge hält der 54-jährige Fritz Stiegler hoch. Er musste sich im wahrsten Sinn des Wortes erst vom Acker machen, als man ihm 2007 mitteilen wollte, dass er den Frankenwürfel bekommt.

Karten: Vorverkauf-Tickets (10 Euro) gibt es unter Tel. 09552/ 1854 (Hofmann), Tel. 09552/ 9320-0 (Burghaslach), bei Peter Giehl in Heuchelheim, beim Gasthof Lamm in Geiselwind, im Rathaus Schlüsselfeld und in den Bäckereien Schmidt und Geyer in Burghaslach. An der Abendkasse kostet der Einlass 12 Euro.
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