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Nach tödlichem Lkw-Unfall auf der A3: Sind Baustellen wirklich Unfallschwerpunkte?

Erneut kam es zu einem tödlichen Unfall mit Lkws im Baustellenbereich auf der A3. Doch sind Baustellen wirklich Unfallschwerpunkte auf deutschen Straßen?
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Erneut kam es zu einem tödlichen Unfall mit Lkws im Baustellenbereich auf der A3. Doch sind Baustellen wirklich Unfallschwerpunkte auf deutschen Straßen? Symbolfoto: Franziska Kraufmann/dpa
Erneut kam es zu einem tödlichen Unfall mit Lkws im Baustellenbereich auf der A3. Doch sind Baustellen wirklich Unfallschwerpunkte auf deutschen Straßen? Symbolfoto: Franziska Kraufmann/dpa
Die Meldungen mit schrecklichen Unfällen auf den Autobahnen der Region reißen nicht ab. Erst am Donnerstag ereignete sich auf der A 3 bei Rohrbrunn (Lkr. Aschaffenburg) im Baustellenbereich ein Zusammenstoß mit tragischem Ende: Drei Lkw-Fahrer starben bei dem Crash mit mehreren Lastwagen, bei dem eines der Fahrzeuge die Mittelleitplanke durchbrochen hatte. Die Autobahn war in beiden Richtungen bis in den späten Nachmittag gesperrt.


Bei Wertheim: 61.000 Autos täglich

Gefühlt häufen sich diese Nachrichten, und die Angst des Autobahnfahrers vor einer Baustelle ist in diesem Jahr in Bayern eine Geschichte mit vielen Fortsetzungen. Der Verkehr auf bayerischen Autobahnen ist immens: Auf der A3 bei Wertheim beispielsweise fahren täglich rund 61.000 Autos und 12.500 Lkws.

Auf Strecken wie der A 9 vor München werden an Spitzentagen sogar bis zu 200.000 Fahrzeuge gezählt, heißt es beim bayerischen Innenministerium. Über 100 Baumaßnahmen seien jedes Jahr für den Erhalt nötig, dazu rund 40.000 Tagesbaustellen, die Hälfte davon in Nordbayern.


Im Sommer gab es viele Staus

Allein im Bereich der fränkischen Bezirke hatten die Baustellen auf den Autobahnen zusammen eine Länge von rund 200 Kilometern, rechnet die Pressesprecherin der Autobahndirektion Nordbayern in Nürnberg, Edith Kolarik, vor. Wer das Gefühl hat, zunehmend mehr Zeit stehend auf bayerischen Autobahnen zu verbringen, könnte recht haben - zumindest, wenn er viel im Sommer unterwegs ist.

Der Autoclub ADAC jedenfalls erfasste für den Juli im Vergleich zu den Vorjahren mehr Baustellen (24 Prozent), mehr Stauereignisse und mehr Staukilometer. (2016: 71.890 Staus/167.777 Kilometer; 2017: 76.499 / 172.823), so Jürgen Hildebrandt, Abteilungsleiter Verkehr, Technik, Umwelt beim ADAC Nordbayern.

Im September sah es anders aus: Es gab auf bayerischen Autobahnen zwölf Prozent mehr Baustellen als im Vorjahresmonat (487 zu 435), aber nur noch 98.405 Staus mit 220.569 Kilometern Länge (2016: 99.118 Staus, 233.806 Kilometer). Nachdem 2017 noch nicht abgeschlossen ist, sei allerdings eine abschließende Bilanz noch nicht möglich, so Hildebrandt.


In Nordbayern werden 2017 rund 490 Millionen Euro verbaut

Eine Statistik der Bauausgaben hat Edith Kolarik für Nordbayern. Die Summen stiegen in den vergangenen Jahren kontinuierlich: Von 262 Millionen Euro 2014 auf 490 Millionen in diesem Jahr. Die deutliche Erhöhung der Baumittel komme aus dem Investitionsprogramm, das Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt gestartet habe, so Kolarik.

Außerdem seien einige Maßnahmen, die seit Jahren immer wieder aufgeschoben wurden, in Angriff genommen worden. Ausgegeben wurde das Geld vor allem für Ausbauprojekte und Erhaltungsmaßnahmen, besonders bei Brücken und Verbesserungen beim Lärmschutz. Kolarik findet, dass sich damit die Infrastruktur in Nordbayern deutlich verbessert habe.


Zwei Abschnitte auf der A3 werden noch 2017 fertig

Zahlen zum Aufatmen verkündet sie auch: Die meisten Arbeiten werden noch heuer beendet: So etwa sollen der sechsspurige Ausbau der A3 bei Marktheidenfeld sowie bei Wertheim noch in diesem Dezember fertiggestellt werden. Die Zitterpartie in einer Baustelle, die 40 Prozent der Fahrerinnen und Fahrer durchleiden, wie eine Studie die Prüforganisation DEKRA 2016 ergab, hat dann auf auf diesen Teilstrecken ein Ende. Für 2018 kündigt Kolarik allerdings bereits mehr als ein Dutzend neue Baumaßnahmen allein in Nordbayern an.



Die meisten schweren Unfälle passieren innerorts

Daten zu Staus und Unfällen gibt es bei der Autobahndirektion nicht. Die jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes stammen von 2015. Sie zeigen: Die wenigsten Unfälle mit Personenschaden passieren auf Autobahnen, nämlich nur sieben Prozent. Die meisten solcher Unglücke geschehen in Orten (69 Prozent), viele auf Landstraßen (25 Prozent).

Das Risiko, dabei zu sterben, ist laut Statistik auf Landstraßen am größten (58 Prozent der Unfalltoten, Orte: 30 Prozent, Autobahnen: 12 Prozent). Trotzdem: Gerade bei Einfahrten in Baustellenabschnitte komme es gelegentlich zu schwereren Unfällen, etwa durch Auffahren, weiß Edith Kolarik von der Direktion Nordbayern. Wie diese Bereiche gesichert werden müssen, regelt die Straßenverkehrsordnung.

Wird eine Baustelle für längere Zeit eingerichtet, erhalte sie zusätzlich Stauwarnanlagen.


Die meisten Unfälle ereignen sich durch zu schnelles Fahren

Wenn es bei der Autobahndirektion Nordbayern auch keine Statistik zu Unfällen und ihren Ursachen gibt. Soviel glaubt Sprecherin Kolarik sagen zu können: Nicht die Baustellen selbst verursachten die Unfälle, sondern häufig die Unachtsamkeit der Fahrer, oder deren Fehleinschätzung von Geschwindigkeit und Wetter. "Dieser menschliche Faktor lässt sich leider kaum beeinflussen" , so Kolarik.


Zu schnelles Fahren als häufigste Ursache

Das Statistische Bundesamt scheint ihre Aussage zu bestätigen: Die meisten Unfälle, Verletzten und Toten auf deutschen Autobahnen sind demnach auf unangepasst schnelles Fahren zurückzuführen. Als Grund, dass dort weniger passiere als woanders, sehen die Statistiker schlicht die Tatsachen, dass es auf Autobahnen weniger Faktoren gibt, die das Unfallrisiko noch erhöhen.

Die Menschen, die die DEKRA für ihre Studie befragte, fürchten ebenfalls vor allem, dass in den Baustellen zu schnell gefahren wird (78 Prozent). Die linke Spur ist zwei Dritteln der Befragten zu schmal. Ein gutes Fünftel bekommt dort richtig Angst. 60 Prozent klagen über die Unübersichtlichkeit der Baustellen.


ADAC-Experte: Ein Überholvorgang im Baustellenbereich bringt zeitlich wenig

Zufrieden mit Baustellenabsicherung und Verkehrsführung ist Jürgen Hildebrandt vom ADAC Nordbayern: Die Verkehrsführung im Baustellenbereich sei standardisiert und überall gleich. Beschwerden der Clubmitglieder dazu seien ihm keine bekannt. Wo es gehe, werden vermehrt die Fahrbahnbreiten - auch auf der linken Spur - meist auf 2,1 Meter ausgelegt.


Der Mann vom ADAC hat allerdings einen Appell an die Autofahrer: "Ein Überholvorgang im Baustellenbereich bringt meist nur wenig zeitlichen Vorteil. Eine gelassene und sichere Fahrt durch die Baustelle - ohne zu überholen - ist hier meist die bessere Wahl."
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