Weismain
Rettungswache

Zwei Organisationen im Team für sichere Hilfe

Es ist ein bayernweit seltenes Beispiel: Rotes Kreuz und Arbeiter-Samariter-Bund betreiben gemeinsam eine Rettungswache. In Weismain funktioniert das.
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Teamwork auf den ersten Blick: An der Garderobe im Flur der neuen Rettungswache in Weismain hängen ASB- und Rotkreuz-Jacken nebeneinander. Foto: Popp
Teamwork auf den ersten Blick: An der Garderobe im Flur der neuen Rettungswache in Weismain hängen ASB- und Rotkreuz-Jacken nebeneinander. Foto: Popp
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Um die richtigen Standorte wurde lange gerungen: Von wo aus sollten Rettungswagen starten, um überall im Landkreis schnelle Hilfe zu gewährleisten? Besonderes Augenmerk galt dabei dem Raum Weismain mit seinen Jura-Ortschaften. Die sind durch ihre Lage nicht so zügig anzufahren, bei winterlichen Straßenverhältnissen erst recht nicht. Dass die vorgegebenen Hilfsfristen dort oft nicht eingehalten werden konnten, war ein seit Jahren bekanntes Problem. "Ich wurde häufig darauf angesprochen oder habe es in Gesprächen mitbekommen", sagt Bürgermeister Udo Dauer (CSU).
Der empfundene Missstand wurde schließlich von einem Gutachten bestätigt, das für den Landkreis Lichtenfels veränderte Standorte im Rettungsdienst empfahl. Seit 2012 war darüber auf Kreisebene intensiv diskutiert worden. Statt der bisherigen Rettungswache in Burgkunstadt sollte jeweils eine in Zettlitz und eine in Weismain entstehen. Von dieser Verteilung verspricht man sich kürzere Hilfsfristen, von denen nicht nur Bewohner im Weismainer Stadtgebiet profitieren sollen. Im Mai war die BRK-Rettungswache in Zettlitz eingeweiht worden, kein halbes Jahr später folgte das Pendant in Weismain.
Der gleiche Gebäudekomplex, konzipiert vom selben Architekten (Johannes Morhard), hat nun den kirchlichen Segen erhalten. Die Mitarbeiter haben Ruheräume, Duschen und Umkleiden, Küche und Büro. Inklusive Fahrzeughalle stehen rund 176 Quadratmeter Nutzfläche in der Michael-Dechant-Straße zur Verfügung. 480 000 Euro hat der Bau gekostet, den das Rote Kreuz finanziert hat. Betrieben wird die Rettungswache von BRK und Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) gemeinsam. Eine solche Zusammenarbeit ist selten in Bayern, aber sie funktioniert. Das Team vor Ort beweist dies schon seit dem 1.1. 2016. Da nahm die Rettungswache Weismain nämlich offiziell ihren Betrieb auf - noch am Interimsstandort auf dem nahe gelegenen Gelände der Firma Baur in einem ihrer Logistikgebäude.
Der Zusammenschluss kommt nicht von ungefähr. In der Vergangenheit gab es gerade im Raum Weismain eine ganz konkrete Konkurrenzsituation der beiden Rettungsorganisationen: Der einstige Rettungswagen-Stellplatz in Fesselsdorf wurde nämlich zuerst von der einen, dann von der anderen betrieben. Mit der neuen Wache sollte es stattdessen nurmehr ein Miteinander geben. Der ASB-Regionalverbund Coburg und der BRK-Kreisverband Lichtenfels schlossen sich 2015 zu einer Bietergemeinschaft zusammen und bekamen mit ihrem Angebot den Zuschlag.
Die Betriebsabläufe sind in einem Zwei-Schicht-System geregelt. Im wöchentlichen Wechsel übernehmen mal ASB- und mal BRK-Mitarbeiter Tag- und Nachtdienste. Auf die Kommunikation untereinander gibt Rettungsdienstleiter Klaus Rübensaal besonders Acht. Falls es Personalausfälle gibt, könne es auch einmal zu einer gemischten Besatzung auf dem Rettungswagen kommen, erklärt Tobias Eismann vom BRK. Das Fahrzeug samt Ausstattung stellt der ASB, und auf diesem Mercedes-Sprinter sind die Embleme beider Organisationen angebracht. "Es ist ein Team", betont Eismann, der in dem Zusammenschluss eine "ganz sichere Sache", kameradschaftlich und professionell, zum Wohle der Patienten sieht.
BRK-Kreisvorsitzender und Landrat Christian Meißner (CSU) hob bei der Einweihungsfeier ebenfalls diese Gemeinsamkeit hervor: "Ein wichtiger Schritt, um besonders den Bereich im Jura so abzudecken, dass die Hilfe auch rechtzeitig ankommt." Für die Einweihung sei es höchste Zeit gewesen.
Auch Landtagsabgeordnete Susann Biedefeld (SPD) war unter den Teilnehmern. Sie hatte sich schon vor 25 Jahren, damals noch Dritte Bürgermeisterin von Weismain, für die Einhaltung der Rettungsfristen eingesetzt.
Ein Auge auf die Rettungsfristen zu haben, das sei auch weiterhin geboten, betont Udo Dauer. Er ist nicht nur Bürgermeister von Weismain, sondern auch Verbandsrat im Rettungszweckverband Coburg. Andernorts dürfe sich nach der Neuverteilung natürlich nichts verschlechtern. Die Statistiken würden weitergeführt und am Ende werden die Zahlen sprechen.
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