Lichtenfels
Wirtschaft

Wer wird für Kosten aufkommen?

Verunreinigter Grundstoff für die Produktion legte vor einem Monat den Betrieb bei Veenendaal still. Ausgelieferte Ware wurde aus dem Verkehr gezogen.
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Einen Monat ist es her, dass bei Veenendaal die Fertigung von Schaumstoff wieder anlief, nachdem es zuvor durch verunreinigtes Grundmaterial zu einem Produktionsstopp in Lichtenfels gekommen war.  Fotos: Tobias Kindermann
Einen Monat ist es her, dass bei Veenendaal die Fertigung von Schaumstoff wieder anlief, nachdem es zuvor durch verunreinigtes Grundmaterial zu einem Produktionsstopp in Lichtenfels gekommen war. Fotos: Tobias Kindermann
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Wochenlang war es unbemerkt geblieben. BASF hatte einen Grundstoff zur Schaumstoffherstellung, so genanntes Toluoldiisocyanat (TDI), mit sehr hoher Konzentration von Dichlorbenzol (DCB) ausgeliefert. Als der Chemiekonzern von einem Abnehmer darauf aufmerksam gemacht wurde, informierte er seine Abnehmer - darunter auch Veenendaal in Lichtenfels. Hier stoppte man sofort die Produktion. Denn es war unklar, wie sich das auswirken würde. Bestand eine Gesundheitsgefahr durch den daraus produzierten Schaumstoff? Vor allem Matratzenhersteller mussten schnell reagieren, bremsten erst einmal die Produktion und boten an, Matratzen aus einem bestimmen Produktionszeitraum zurückzunehmen. Doch auch andere Branchen wie Möbelhersteller mussten schauen, wie man mit dem Thema umgeht.
BASF hatte laut SWR in der Zeit zwischen 25. August und 29. September TDI mit einer stark erhöhten Konzentration von DCB ausgeliefert. Der Stoff gilt als krebserregend. Gewöhnlich liegt die Konzentration bei unter drei ppm (parts per million - Anteile pro Million). In den 7500 Tonnen, die in dieser Zeit produziert wurden, soll der Dichlorbenzol-Anteil bei mehreren Hundert ppm liegen. Der Chemiekonzern zog den belasteten Grundstoff aus dem Verkehr, nahm ausgeliefertes TDI zurück.
Es dauerte rund eine Woche, bis Messungen von BASF kamen, die sagten, das Dichlorbenzol verflüchtige sich nach kurzer Zeit so sehr, dass keine Gefahr bestünde - die Aussagen wurden von den Gesundheitsministerien der Länder sowie dem Bundesamt für Risikobewertung bestätigt. "Es war das Ministerium in Bayern, das als erstes eine Entwarnung gab", sagt Ulrich Leifeld, Geschäftsführer des Fachverbands Matratzen-Industrie.


Analyse läuft an

Doch wie geht man mit dem trotzdem entstandenen Schaden um? Und wie hoch kann man ihn ansetzen? "Wir sind immer noch damit beschäftigt, uns mit der Produktion und der Liefersituation zu beschäftigten", sagt Alison Vesey, Sprecherin der Vita Cellular Foams in Middleton, England. Veenendaal ist einer von 37 Betrieben der Gruppe, die sich auf 15 Länder verteilen. Sechs Werke standen still.
Es sei ein komplexer Prozess zu ermitteln, wer welche Verantwortung trage, sagt Versey. Man stehe hier erst am Anfangeiner Bewertung.
"Grundsätzlich ist es so: Wer den Schaden verursacht, muss auch dafür aufkommen", sagt Leifeld. Was noch hinzukommt: Verbraucher müssen sich an den Händler wenden, der wiederum an den Hersteller. Der kann dann auf seinen Lieferanten zugehen und der auf seinen Vorlieferanten - womit man endlich bei BASF angelangt wäre.
Mit konkreten Aussagen hält man sich deshalb überall zurück, bis die Anwälte die vertragliche Situation und den konkreten Fall geprüft haben. "Es kann aber nicht sein, dass der Schaden allein bei der Matratzenindustrie hängen bleibt", sagt Leifeld.
Da geht es schnell um höhere Millionenbeträge, das zeigt ein Beispiel aus einer anderen Branche. Laut Bild will Porsche von Audi 200 Millionen Euro Schadenersatz haben für die Entwicklung und Lieferung von Diesel-Motoren, die mit Manipulationssoftware zur Umgehung von Abgasvorschriften ausgerüstet waren. Als das bekannt wurde, kam es zu einem Rückruf und Produktionsstopp bei Porsche. Das war erst Anfang Oktober bekannt geworden - und der Dieselskandal beschäftigt die Branche bereits länger: deutlich über zwei Jahre.
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