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Theater

Wenn der Tod eine Frage der Entscheidung wird

Das Zwei-Personen-Stück "Heute der Morgen" beeindruckte die Besucher im Stadtschloss.
Der Alltag wächst Anna (Christine Reitmeier, rechts) über dem Kopf. Sie greift immer öfter zur Flasche. Links Liza Sahra Riemann Gerda Völk
 
von GERDA VÖLK
"Wie lange kannst du das deiner Tochter noch antun. Merkst du nicht, dass du in der Vergangenheit lebst und dir die Realität schön trinkst". Es sind eindringliche Worte, die sich Anna (Christine Reitmeier) anhören muss. Sie gehen unter die Haut, so wie das ganze Zwei-Personen-Stück "Heute oder Morgen", dass sich mit der Thematik Sterbehilfe und Patientenverfügung beschäftigt. Es wirft die Frage auf: Darf man einen geliebten Menschen helfen, wenn dieser selbst nicht mehr in der Lage ist, den letzten Schritt zu tun. Wenn der Tod eine Frage von Entscheidung wird. Dem stellt das Stück von Brian Lausund (Regie: Lisa Hanöffner) die Banalitäten des Alltags gegenüber.

Eingeladen hatten der Hospizverein Lichtenfels und die Katholische Erwachsenenbildung im Landkreis Lichtenfels. Der Hausmeister des Stadtschlosses muss noch zusätzliche Stühle bereitstellen. Dabei fällt auf, dass überwiegend Frauen im Publikum sitzen.

Zur Handlung: Anna und ihre Tochter Paula (Liza Sahra Riemann) führen seit Jahren ein erfolgreiches Schneideratelier. Der Anruf ihres Schwiegersohnes Marc aus dem Krankenhaus, dass Paula einen schweren Motorradunfall hatte, stürzt die Familie in eine tiefe Krise. Seitdem liegt Paula im Wachkoma, ist an Maschinen angeschlossen und ihr Gesundheitszustand verschlechtert sich zunehmend. Seit dem Unfall ihrer Tochter führt Anna das Atelier alleine. Die Arbeit wächst ihr zunehmend über dem Kopf.


Sie will stark sein und zerbricht fast am Alltag

Am Telefon hat sie den Anrufbeantworter eingeschaltet, damit kann sie "unliebsame" Anrufe ausblenden. Wie den ihres Schwiegersohns Marc, der mit Anna über Paulas Patientenverfügung reden will. "Es muss ihm entgangen sein, dass Ärzte Leben retten müssten und nicht Leben auslöschen", sagt Anna bitter. Ihrem Schwiegersohn wirft sie vor, Paula schon seit Monaten aufgegeben zu haben. "Paulas Genesung braucht Zeit, und die werden wir ihr geben", sagt Anna. Sie, als Mutter will für alle stark sein, merkt aber nicht, dass sie am Alltag beinahe zerbricht.

Längst ist das Glas Cognac zu einem treuen Begleiter geworden. Hinzu kommt eine schwierige Kundin, die ein maßangefertigtes Hochzeitskleid will, und ständig neue Wünsche hat und dabei das vorherige über dem Haufen wirft. Ein Lichtblick ist ihre Enkelin Rosemarie, mit der Anna einen unbeschwerten Nachmittag auf dem Rummel verbringt. Einen "Omatag", der für einen kurzen Moment alle Sorgen vergessen lässt. "Es tat so gut, für ein paar Stunden zu vergessen".

Doch der Alltag holt Anna mit aller Wucht wieder ein. "Spitze wieder runter, schlicht und elegant", lautet jetzt der Wunsch der Kundin. Auch mit der Bank gibt es Probleme. Der behindertengerechte Umbau des Hauses kommt teurer als erwartet, auch das Befinden von Paula verschlechtert sich zusehends. Da meldet sich ihr Gewissen in Form einer Botschaft von Paula. "Sprich mit Mark. Er wird dir alles zeigen, was ich für mich entschieden habe".

Eines ist Anna jedoch schon gewiss. Egal welche Entscheidung sie treffen wird, sie wird sie ein Leben lang verfolgen. Schließlich greift Anna doch zum Telefon und spricht mit Marc. "Wir sollten darüber sprechen, aber bitte nicht heute". Am Ende erreicht Anna ein Anruf, der ihr mitteilt, dass Paula gestorben ist. "Einfach so. Einfach so". Ein weiterer Anruf kommt von der schwierigen Kundin. Unter Tränen teilt sie Anna mit, das ihre Hochzeit geplatzt ist. "Das ist doch schrecklich, was einem im Leben alles passieren kann."
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