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Forstwirtschaft

Waldbesitzer im Nebenjob

Wenn der Beruf keine Zeit dafür lässt, sich um die Pflege der häufig ererbten Grundstücke zu kümmern, braucht es professionelle Hilfe.
Vorbildliche Waldpflege in der Frauendorfer Flur: Peter Senger (Mitte) hat einen Vertrag mit der Waldbesitzervereinigung geschlossen. Fachmann Hannes Sonanini von der WBV ist vor Ort im Einsatz und weist hier etwa auf einen naturverjüngten Kirschreiser hin. Links Forstdirektor Oliver Kröner Foto: Andreas Welz
 
von ANDREAS WELZ
Unsere Gesellschaft unterliegt einem Wandel. Diese Veränderungen machen sich auch in der Waldbesitzerstruktur bemerkbar. Es steigt die Zahl von Waldbesitzern, die keinen Bezug zu einem land- und forstwirtschaftlichen Betrieb mehr haben. Auch im Landkreis Lichtenfels ist dieser Trend bemerkbar. Während die Großeltern noch aktive Waldwirtschaft betrieben, sind oft die nachfolgenden Generationen in alle Winde zerstreut, wollen sich aber von ihrem Wald nicht trennen. Die Folge ist, die Flächen werden nicht mehr in dem Maße gepflegt, wie es für einen gesunden Bestand erforderlich wäre.

Bei einem Ortstermin in Frauendorf erläuterten Forstdirektor Oliver Kröner von der Forstverwaltung am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Coburg/Lichtenfels und Förster Hannes Sonanini von der Waldbesitzervereinigung Lichtenfels-Bad Staffelstein (WBV) die Probleme.

Viele Waldbesitzer sind hauptberuflich ausgelastet, so dass für die Pflege ihres Waldes keine Zeit bleibt. Einer von ihnen ist Peter Senger aus Frauendorf, der seinen rund sechs Hektar großen Wald nicht selber bewirtschaften kann. "Als Kraftfahrer bin ich 55 Stunden in der Woche unterwegs", sagte er unserer Zeitung. Vor einem Jahr habe er mit der WBV einen Waldpflegevertrag abgeschlossen. Seither wisse er, dass sein von den Vätern ererbter Wald in guten Händen ist.

Die WBV hätte ihm geraten, eine hiebsreife und nur aus Kiefern bestehende Monokultur einzuschlagen. "Mit der Naturverjüngung und Neuanpflanzung ist der erste Schritt für einen neuen Bestand gemacht", erläuterte Förster Sonanini, als er in dem eingezäunten Waldstück bei Krögelhof mehrere Ahorn- und einen Kirschreiser entdeckte.


Jungbestand braucht Pflege

Nach der Verjüngung des Bestandes sei der nächste Schritt die Jungbestandspflege. Dazu zählten Eingriffe zur Steuerung der Baumartenanteile und zur Steigerung von Vitalität, Stabilität und Qualität des jungen Waldbestands. Bis zur Durchforstung müsse die Pflegenotwendigkeit regelmäßig überprüft werden. Oft seien in der Jungbestandspflege nur wenige und geringe Eingriffe notwendig. "Wir besprechen mit den Waldbesitzern jede Maßnahme und geben ihnen freie Hand, ob sie selber mitarbeiten wollen." Die Maßnahmen würden von der Geschäftsführung der WBV koordiniert und an Forstunternehmer vergeben. Die Waldbesitzervereinigung habe bisher knapp 20 Waldpflegeverträge abgeschlossen mit einer Fläche von gut 160 Hektar. Natürlich koste ein Pflegevertrag Geld. Mit den Maßnahmen steige aber auch der Wert des Waldes, so Forstdirektor Kröner. "Es muss über die Jahre hinweg etwas übrig bleiben", sagte er. Senger ist mit dem bisher Erreichten zufrieden. Er werde absolut fachmännisch beraten, und auch der "Papierkram" werde übernommen. Dazu gehörten Anträge auf Förderung, die vom Staat bei Neuanpflanzungen und sachgemäßer Pflege gewährt werden.


Waldschutz ist Pflicht

Kröner berichtete von nicht bewirtschafteten Waldflächen. "Das geht fünf bis zehn Jahre gut, danach steigen die Risiken". Er nannte als Beispiel den Borkenkäferbefall. "Wenn 20, 30 oder 40 Jahre lang nicht gepflegt und durchforstet wird, kann es sein, dass der Wald verschwunden ist."


Schäden durch Käfer und Pilz

Das Wetter scheint in unserer Region in den vergangenen sehr warmen und trockenen Jahren perfekt für die Borkenkäfer gewesen zu sein. Durch die sehr geringe Wintermortalität sind die Tiere teilweise schon Anfang April ausgeschwärmt und haben die ersten Eier abgelegt. Ein Brutzyklus dauert im günstigsten Fall nur etwa sechs Wochen, das heißt, viel mehr Tiere konnten viel früher im Jahr schlüpfen als sonst. Dementsprechend groß ist nun die Population. Dazu kommt: Viele Bäume waren wegen Wassermangels bereits angeschlagen. "Selbst die Kiefer hat Probleme und wurde durch den Trockenstress nicht verschont. Schädlinge haben leichtes Spiel", betonte Forstdirektor Oliver Kröner. Im Steinig, einem Waldstück in der Frauendorfer Flur, wies er auf abgestorbene Kiefern hin. Hier hätten sogenannte Sekundarschädlinge wie der Kiefernprachtkäfer ganze Arbeit geleistet.
Der Pilz Diplodia verursache seit einigen Jahren, verstärkt in durch Hitze und Wassermangel gestressten Kiefernbeständen, ein Triebsterben an den Koniferen. Begünstigt werde die Erkrankung durch Vitalitätsverluste und Vorschädigungen durch Insektenfraß oder Hagelschlag. In seiner parasitischen Lebensphase führe der Pilz zu Rindenschäden, Verbraunen und Absterben der Triebspitzen, Wipfeldürre und bei sehr starker Schädigung schließlich zum Absterben des Baumes, erklärt der Bereichsleiter Forsten am Landwirtschaftsamt Coburg-Lichtenfels.

Dass mehr Laien Waldbesitzer werden - entweder, weil sie den Grundbesitz geerbt haben oder darin eine Möglichkeit zur Geldanlage sehen - sieht der bayerische Forstminister Helmut Brunner mit Skepsis. Er befürchtet Störungen der Forstwirtschaft. Der hiesige Forstbereichsleiter Kröner erinnerte an die gesetzliche Verpflichtung, den Wald zu schützen. Eine regelmäßige Waldpflege sichere nicht nur dem Waldbesitzer regelmäßige Einnahmen, sondern bringe auch für die Gesellschaft viele Vorteile.
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