Lichtenfels
Beschluss

Von Mobiler Flechtwerkstatt Abstand genommen

Das Projekt Mobile Flechtwerkstatt wird wegen großer Finanzierungslücken nicht mehr weiterverfolgt. Alternativ ist ein flexibles Messesystem angedacht.
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Auch das ist im Grunde eine mobile Flechtwerkstatt: eine Handwerkerin beim Anfertigen eines Stuhlgeflechts auf einer Gartenschau. Das wenige dazu nötige Werkzeug hat sie griffbereit platziert. Foto: privat
Auch das ist im Grunde eine mobile Flechtwerkstatt: eine Handwerkerin beim Anfertigen eines Stuhlgeflechts auf einer Gartenschau. Das wenige dazu nötige Werkzeug hat sie griffbereit platziert. Foto: privat
Eine Mobile Flechtwerkstatt stand ganz oben auf der Liste des Zukunftskonzepts Flechtkultur. Mittels eines speziell entwickelten Anhängers sollte die Faszination Flechten hinausgetragen werden auf Messen, Märkte oder öffentliche Plätze, der Bekanntheitsgrad der Flechterregion am Obermain gesteigert werden. Flechtkultur auf Rädern, zum Anschauen und Mitmachen: Seit 2015 nahm diese Idee Formen an; Manfred Rauh vom ZEF (Zentrum Europäischer Flechtkultur Lichtenfels) war mit dem Konzept betraut, der Verein als Träger des Projektes angedacht. Zur Realisierung waren Gespräche mit Professor Auwi Stübbe (Innovationszentrum Lichtenfels) geführt worden.


Stiftung versagt Zuschuss

Zu 60 Prozent sollte das Projekt durch europäische Fördermittel aus dem Leader-Programm finanziert werden. Die errechneten Gesamtkosten beliefen sich auf 242 540 Euro, davon allein 141 610 Euro für Planung und Bau sowie weitere 22 610 Euro für die Konzeption des Programms. Rund 33 000 Euro waren für Öffentlichkeits- und Medienarbeit mit Internetpräsentation kalkuliert worden, 45 000 Euro für den Personaleinsatz und Nebenkosten bei 20 Einsätzen im ersten Jahr.

Im Februar 2016 signalisierte der Kreisausschuss Bereitschaft zu einer Unterstützung des Leader-Projekts. 9700 Euro hätte der Landkreis zur Mobilen Flechtwerkstatt gegeben, weil man sich natürlich einen Nutzen auf dem Sektor des Tourismus für die gesamte Region Obermain-Jura davon versprach.
Einen wichtigen Part erhoffte sich die Stadt Lichtenfels für dieses avisierte Aushängeschild von der Oberfrankenstiftung: rund 49 000 Euro. Schon im Herbst vergangenen Jahres machte Bürgermeister Andreas Hügerich (SPD) in einer Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Tourismus und Wirtschaft deutlich, dass man ohne diese Zuwendung nicht auskommen werde.

Allerdings zeigte sich schon damals, dass selbst in den Reihen der Stadträte noch Fragen offen waren: Wie sollte das Infomobil denn genau aussehen? Der Bürgermeister räumte ein, dass man in Bayreuth eine detailliertere Planung vorlegen müsse, auf den Kosten hierfür schlimmstenfalls sitzenbleiben werde. Nun machte tatsächlich die Oberfrankenstiftung der Stadt einen Strich durch die Rechnung, da sie einen Zuschuss ablehnte. "Damit kracht uns die Finanzierung zusammen", erklärte Hügerich am Donnerstag vor dem gleichen Stadträte-Gremium wie damals. Kämmerer Johann Pantel merkte an, dass Lichtenfels kein Einzelfall sei; die Stiftung habe wegen der Niedrig-Zins-Phase weniger Mittel zur Verfügung.

Zusätzlich wirkt sich eine gesetzliche Änderung der Leader-Rahmenbedingungen aus, wonach die Mehrwertsteuer nicht mehr gefördert wird. Zusammen fehlen der Stadt, die nach ihrer Kalkulation bislang nur einen Eigenanteil von zirka 20 000 Euro hätte aufbringen müssen, nun 72 000 Euro. Die nun erforderlichen Mittel "können wir so nicht mehr mit unserem Gewissen vereinbaren", sagte der Bürgermeister, der zu einem Umdenken riet. Gemeinsam mit dem Landkreis könnte ein individuelles, flexibles und modulares Messesystem entwickelt und finanziert werden. Überlegungen zur Mobilen Flechtwerkstatt könnten mit einfließen und wären nicht umsonst gewesen.


Alternative birgt "größere Chancen"

Auch wenn das Scheitern der ursprünglichen Idee allgemein bedauert wurde - dieser Kompromiss fand einhellige Zustimmung. Steffen Hofmann (Amt für Wirtschaft, Tourismus und Kultur) unterstrich, dass das Alleinstellungsmerkmal Flechtkultur auch weiterhin ein wichtiger Teil des Ganzen bleiben werde. Die flexible und kostengünstigere Alternative berge vielleicht sogar "noch größere Chancen", meinte Andrea Starker (CSU). "Das ist die richtige Lösung", stellte auch Dritter Bürgermeister Winfried Weinbeer (FW) fest, der die neue, bessere Zusammenarbeit zwischen Kreisstadt und Landkreis sehr positiv beurteilte.
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