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Volleyball: Sarah Fahr gewinnt WM in Argentinien

Sarah Fahr hat mit der italienischen Nationalmannschaft die U18-Volleyball-WM in Argentinien gewonnen.
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Sarah Fahr im Angriff.
Sarah Fahr im Angriff.
Die in Kulmbach geborene und in Burgkunstadt verwurzelte Sarah Fahr sicherte sich vor wenigen Tagen in Argentinien den Weltmeistertitel der U18 - mit Italiens Nationalmannschaft. Was dahinter steckt, ist eine bemerkenswerte sportliche Laufbahn und eine vielversprechende Zukunft.

Selbst Tage nach dem großen Coup der italienischen Auswahl im Endspiel gegen die Dominikanische Republik leuchten die Augen von Großvater Gerhard Hildner aus Burgkunstadt noch. "Was Sarah dort geleistet hat, ist bemerkenswert und erstaunlich zugleich", berichtet der Gründungsvater der Handballgemeinschaft Kunstadt. Er verfolgte zusammen mit seiner Frau Monika alle Spiele über das Internet - natürlich auch das Finale in Rosario vor 8000 begeisterten Volleyballfans und wurde so Zeuge, wie sich seine Enkelin Sarah über das gesamte Turnier in die Weltelite des Volleyball-Nachwuchses spielte. Denn noch bevor sie die Goldmedaille überreicht bekam, wurde die 15-jährige Sarah als eine der beiden besten Blockspielerinnen in das Allstar-Team des Turniers gewählt.

"Irgendwie ist das alles ein Traum", sagte Hildner stolz. "Noch vor zwei Jahren bestand Sarahs Sommerprogramm wie all die Jahre zuvor aus Besuchen bei uns in Burgkunstadt, aus Radtouren, aus Malkursen - und jetzt ist sie Weltmeisterin und spielt zukünftig im Nachwuchskader Italiens, in der 2. Liga!" Ein kometenhafter Aufstieg, wenn man bedenkt, dass Sarah vor zwei Jahren noch in ihrer Heimat Piombino in der Toskana um die Bezirksmeisterschaft kämpfte. Schnell folgte der Ruf in die "Nazionale" und 2017 überschlugen sich dann die sportlichen Ereignisse. Im Frühsommer spielt sie sich beim zweiten Platz der Europameisterschaft in den Niederlanden in den Stammkader des Teams. Wenig später folgten der 1. Platz bei einem 8-Länderturnier in Spanien und der 1. Platz bei der Mini-Olympiade in Gjör/Ungarn - und dann der WM-Titel der U18! Dabei hätte Sarah bis vor kurzem noch in der U16 spielen können.

Spätestens seit dem großen Coup in Südamerika ist Sarah eine gefragte Interviewpartnerin der italienischen Presse - egal ob das Regionalblatt in der heimischen Toskana oder die große "Gazzetta dello Sport": Alle interessieren sich für eine der jüngsten Spielerinnen der U18-WM, die nicht nur aufgrund ihrer Körpergröße von 1,92 Meter für Aufsehen sorgt. "Sarah steigt mit der Nationalmannschaft auf das Dach der Welt" heißt es da beispielsweise. Im Zeichen solcher Schlagzeilen hört aber Sarah auch auf Opa Gerhards Ratschlag: "Bescheiden bleiben und trainieren, trainieren, trainieren!" Auch diesem Motto hat Sarah ihren Aufstieg zu verdanken. Maurizio Vittorini, technischer und sportlicher Direktor von Volleyball Piombino und für zwei Jahre Sarahs Trainer, bestätigte dies in der italienischen Presse :"Zum einen freue ich mich für Sarah, zum anderen bin ich auch stolz, ihr Trainer gewesen zu sein. Sarah ist ein außergewöhnliches Mädchen, die alle Eigenschaften für eine erfolgreiche sportliche Zukunft haben wird - nicht nur das sportliche Talent, sondern auch die dazu nötige Bereitschaft und Entschlossenheit", so Vittorini. Und er fügt hinzu: "Sarah hat alle Erfolge, die sie gerade erreicht, trotz ihrer natürlichen Begabung mehr als verdient."

Sarah lebt seit Jahren mit ihrer Familie in der Toskana, doch auch ihre italienische Heimatstadt Piombino hat sie zuletzt eher selten gesehen. Mit knapp 14 Jahren wechselte sie im September 2015 zu einem A-Liga-Verein nach Novara bei Mailand, was immerhin 400 Kilometer entfernt vom Familiendomizil in der Toskana liegt. Dort war sie bis vor kurzem in einem Klosterinternat untergebracht und hatte bei täglichem Training, zahlreichen Spielen am Wochenende und dem Besuch einer höheren Schule nur noch wenig Zeit für die Familie. Dies wird sich auch nach dem Wechsel in den "Club Italia" in Mailand kaum ändern.

"Mit dem "Club Italia" erfüllt sich für mich ein Traum. Immerhin werde ich mit vielen meiner Mitspielerinnen, mit denen ich das Abenteuer der WM geteilt habe, ein Team bilden. Aber es ist auch sehr schwer, meine Freundinnen in Novara zu verlassen", so Sarah.

Dabei besitzt das junge Talent die doppelte Staatsbürgerschaft, hätte theoretisch also auch für das deutsche Team starten können. "Anfragen aus Deutschland kamen durchaus, aber wir sind seit 16 Jahren hier und Sarah ist hier aufgewachsen. Ich glaube, sie fühlt sich mehr als Italienerin als als Deutsche", so Vater Florian über seine Tochter, die beide Sprachen fließend beherrscht.

Und auch für Sarahs größten Fan, Großvater Gerhard aus Burgkunstadt, gibt es bei all den Erfolgen einen Wermutstropfen: "Die Besuche in Burgkunstadt finden kaum noch statt", so Gerhard Hildner, der aber auch aus der Ferne den Aufstieg seiner Enkelin begleiten wird und sich auch sicher sein darf, dass "seine" Weltmeisterin ihn und seine Familie spätestens zu Weihnachten wieder in der alten Heimat besuchen wird. mts
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